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Googles künstliche Intelligenz

Konstantin Klein
18. Mai 2017

"From Mobile First to AI First" - Googles bisheriges Ziel, intelligente Mobilität, hat mit der diesjährigen Entwicklerkonferenz Google I/O einem neuen Ziel Platz machen müssen: künstlicher Intelligenz.

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USA Entwicklerkonferenz Google I/O 2017
Google-Chef Sundar PichaiBild: Reuters/S. Lam

"Siri, was weißt du über Google Assistant?" - "Ich habe da was gefunden ", antwortet Siri, Apples Versuch, mit künstlicher Intelligenz zu punkten, und bietet den Wikipedia-Artikel zum Thema "Google" an. Über den Google-Assistant, Googles Antwort auf Siri: keine Antwort. "Eine interessante Frage, Konstantin" ist alles, was Siri dazu zu sagen hat. Vielleicht darf sie auch nicht mehr sagen; schließlich ist der Kampf um künstliche Intelligenz auf Smartphones, Tablets und PCs voll entbrannt zwischen Google (Assistant), Apple (Siri), Amazon (Echo) und Microsoft (Cortana).

"From Mobile First to AI First" – Artificial Intelligence (AI), also künstliche Intelligenz, soll den Menschen künftig in allen Lebensbereichen unterstützen. Und die Anwendungen, die Google auf der Entwicklerkonferenz Google I/O im kalifornischen Mountain View anführt, sind beeindruckend. Der Google Assistant, ein Chatbot, der auf gesprochene Fragen und Kommandos reagiert, ist nur ein Beispiel.

Ich seh etwas, was du nicht siehst

Mit "Google Lens" sollen Handys künftig in der Lage sein, zu erkennen, was die Kamera des Gerätes sieht, und die gewonnene Information weiter zu verarbeiten. "Suggested Sharing" ist eine Funktion in Googles Foto-Anwendung, die anbietet, neue Fotos automatisch mit denen zu teilen, die darauf abgebildet sind - was natürlich nur dann funktionieren kann, wenn die App die Menschen auf dem Foto kennt und erkennt und die nötigen Informationen zum Teilen im Adressbuch des Gerätes findet. Ist auf dem Foto stattdessen beispielsweise ein Konzertplakat zu sehen, bietet Google an, den Termin der Veranstaltung in den eigenen Kalender einzutragen und gleich noch Karten dafür zu bestellen.

USA Entwicklerkonferenz Google I/O 2017
Google I/O: Besucher verfolgen die Keynote von Google-Chef PichaiBild: Reuters/S. Lam

Auf der Entwickler-Konferenz Google I/O hat Google-Chef Sundar Pichai angekündigt, den Assistenten, der auf rund 100 Millionen Android-Geräten schon länger erprobt wird, jetzt auch für Apples iOS anzubieten und so auf die Mobilgeräte zu bringen, auf denen Siri bisher ohne Konkurrenz war. Eine klare Kampfansage, wenn auch mit kleinen Hürden: Der Google Assistant, zur Zeit ohnehin nur im App Store für US-Kunden verfügbar, muss bis auf weiteres explizit aufgerufen werden. Siri dagegen antwortet sofort, manchmal sogar, wenn der Nutzer nur versehentlich zu lange auf den Home-Button gedrückt hat. Auf Android-Geräten ist es dagegen der Google Assistant, der sofort reagiert - und Siri steht dort gar nicht zur Verfügung.

Künftig soll der Google-Assistent in der Lage sein, nicht nur Fragen zu beantworten, sondern auch selbst aktiv zu werden, indem er angeschlossene Haushaltsgeräte steuert, Videos auf den Fernseher schickt oder Geld überweist.

Die Frage der Fragen

Jeder Siri- oder Echo-Nutzer hat sich schon die Frage gestellt: Na und? Was ist so besonders an einem AI-Assistenten? Oft ist es tatsächlich noch schneller, einen Befehl ins Handy zu tippen, als darauf zu warten, dass Siri, Cortana & Co. die Stimme ihres Herrn aus den Umgebungsgeräuschen einer vollen Kneipe (um nur ein Beispiel zu nennen) herausfiltern und den alkoholbedingten Nuschelfaktor (um beim Kneipenbeispiel zu bleiben) fehlerfrei abzuziehen.

DW Sendung Shift Chatbots
Hinter ihm ein Fernsehturm, vor ihm ein Chatbot: der UserBild: VPMS

Warum Künstliche Intelligenz nach dem ersten Wow-Erlebnis oft eher enttäuschend wirkt, hat mit dem Unterschied zwischen einer digitalen Welt aus lauter Nullen und Einsen und einer analogen Welt aus Geräuschen, Farben, Gerüchen und anderen Informationen zu tun. Temperaturen, Entfernungen und Geschwindigkeiten, alles, was sich in Maßeinheiten ausdrücken lässt, können Geräte leicht feststellen; um einen Gesichtsausdruck oder den Tonfall einer Stimme korrekt zu deuten, muss Künstliche Intelligenz zunächst unendlich viele Beispiele für Gesichtsausdrücke oder Tonfälle lernen, speichern und mit ihrer jeweiligen Bedeutung verknüpfen, bevor sie dieses Wissen produktiv anwenden kann. Nichts anderes macht übrigens auch die im Menschen eingebaute Intelligenz; sie hat jedoch ein Leben lang Zeit, Informationen zu lernen, zun speichern und einzusortieren. Künstliche Intelligenz steht noch ziemlich am Anfang des Lernprozesses.

Warum überhaupt Künstliche Intelligenz?

Der Grund, weshalb Google Künstliche Intelligenz in den Mittelpunkt der Google I/O gestellt hat: Marktanteile. Zwar sind die vier Großen der Verbraucher-IT in ganz unterschiedlichen Branchen tätig: Apple ist vor allem Hersteller von Mobiltelefonen und Tablets, Amazon ist ein Handelsunternehmen, Microsoft ein Softwarekonzern, und Google verdient das meiste Geld mit Werbung. Wonach aber alle gleichermaßen gieren, sind Informationen über uns Kunden - möglichst umfassende Informationen. Denn wer die meisten Informationen gesammelt hat, kann sie auch am besten verwerten.

Das ist auch der Grund, weshalb Google - ebenfalls auf der I/O - Android Go angekündigt hat, eine Variante des marktführenden mobilen Betriebssystems für schwächere - und damit auch billigere - Endgeräte. Damit will Google nach den zwei Milliarden Menschen, die schon heute ein Gerät mit Android-Betriebssystem benutzen, diejenigen unter den möglichen Kunden erreichen, für die ein Smartphone bisher unerschwinglich ist. Auf die gleiche Art und Weise hat Google mit dem Programm Android One in den letzten beiden Jahren in Indien einen Marktanteil von 97 Prozent erreicht.

Dazu kommt, dass nicht nur der Preis eine Schwelle beim Umstieg auf ein Smartphone darstellt. Vielen potentiellen Nutzern sind das Tippen auf Symbole oder das Formulieren einer Suchanfrage, die Google versteht, fremd und werden es bleiben. Die Hoffnung der Großen Vier - Google, Apple, Microsoft und Amazon - ist es, diese Schwellen zu überwinden, indem die Geräte lernen, wie ihre Benutzer leben, denken und arbeiten, und ihnen auf die älteste Art der Kommunikation zur Seite stehen.

Es gilt das gesprochene Wort.