Kann Hollywood helfen, Tierarten vor dem Aussterben zu retten?

Artenschützer sollten mehr mit Filmemachern zusammenarbeiten, fordern britische Forscher. Denn über Filme lassen sich wichtige Artenschutzbotschaften vermitteln, sagen sie. Doch das kann auch nach hinten losgehen.

"Filme können die Menschen dazu inspirieren, mehr über Artenschutz zu erfahren und Maßnahmen zu ergreifen", sagt Matthew Silk vom Umwelt- und Nachhaltigkeitsinstitut der Universität Exeter. "Aber sie können auch falsche Informationen vermitteln und eine vereinfachte, romantische Version der Natur porträtieren."

Wissenschaftliche Berater sind bei vielen Filmproduktionen schon fester Bestandteil. Möglicherweise brauche es jetzt auch Input von Artenschützern.

"Wir schlagen nicht vor, dass die Filmindustrie zu Artenschutzkampaignern werden soll", wehrt Co-Autorin Sarah Crowley ab. "Aber Artenschützer sollten die Gelegenheit ergreifen, die das Kino ihnen bietet." Im Film lassen sich beispielsweise weniger bekannte Arten vorstellen oder erklären, welche wichtige Bedeutung Lebensräume haben.

Die Forscher stellen im Journal "Conservation Biology" vor, welche Filme bereits Artenschutzbotschaften vermitteln und welche Wirkung sie hatten. Nicht immer  kam ein Filmauftritt der Tierart auch zugute.

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Natur und Umwelt

Weinen, wenn die Mama stirbt

In Disneys Zeichentrickfilm aus dem Jahr 1942 wird das Hirschjunge Bambi plötzlich zum Halbwaisen: Die Kugel eines Jägers tötet seine Mutter. Viele Eltern verließen mit ihren weinenden Kindern nach dieser Szene das Kino. Nach Meinung vieler Forscher hat der Film die öffentliche Meinung über die Jagd stark beeinflusst. Der Böse in dem Film ist schließlich der Jäger.

Natur und Umwelt

Das Image vom Menschenfresser

"Der Weiße Hai" aus dem Jahr 1975 schürte die Angst der Menschen vor den Raubfischen und löste Hass gegen die Tiere aus. Im Film attackiert ein Weißer Hai reihenweise Badegäste und stellt seine Art als viel gefährlicher und blutrünstiger dar, als sie in Wirklichkeit ist. Viele Experten sind der Ansicht, dass dieses falsche Image mit ein Grund ist, warum Haie heute vom Aussterben bedroht sind.

Natur und Umwelt

Orcas sind böse - oder doch nicht?

Nach den blutrünstigen Haien kam im Jahr 1977 "Orca, der Killerwal" zum Zug. Ein Orca-Bulle sinnt darin auf Rache für den Tod seines trächtigen Weibchens.16 Jahre später aber wendet sich das Blatt: In "Free Willy" sind Orcas plötzlich nicht mehr die Bösewichte. Eine Stiftung kämpfte nach dem Erfolg des Films übrigens für die Freilassung des echten Orcas Keiko aus einem Vergnügungspark.

Natur und Umwelt

Lust auf ein Meerwasseraquarium?

Pixars Animationsfilm "Findet Nemo" aus dem Jahr 2003 machte die Clownfische weltberühmt. Im Film wird Nemo von Menschen gefangen; er muss um seine Freiheit kämpfen. Viele Zuschauer allerdings scheinen den Inhalt des Films nicht verstanden zu haben: Die Nachfrage nach Clownfischen für Aquarien stieg danach an. Clownfische sind zum großen Teil Wildfänge - genau davor wollte der Film warnen.

Natur und Umwelt

Auf der Suche nach Fischen

Auf die Überfischung der Meere machte der Animationsfilm "Happy Feet" von 2006 aufmerksam. Der Kaiserpinguin Mumble fragt sich, warum die Fischbestände so gering geworden sind. Auch Plastikmüll in den Meeren wird zum Thema: In einer Szene verfängt sich ein anderer Pinguin in den Plastikringen eines Six-Packs. Der Film endet mit einem Happy End: Die Menschen stellen die Überfischung ein.

Natur und Umwelt

Freiheit für Vögel

Auch der Animationsfilm "Rio" von 2011 hatte ein paar starke Artenschutzbotschaften zu übermitteln: Die letzten beiden Spix-Aras sollen den Fortbestand ihrer Art sichern, Wildtierschmuggler aber versuchen, ihnen einen Strich durch die Rechnung zu machen.

Natur und Umwelt

Ein Schuppentier fürs Dschungelbuch

Das 2016er Remake des Dschungelbuchs bekam einen ungewöhnlichen Gast, der im Original unbekannt war: ein Schuppentier. Laut Regisseur schlugen Mitarbeiter des Zoos in Los Angeles vor, die vom Aussterben bedrohte Tierart über den Film bekannter zu machen. Tatsächlich berichteten die Medien in den letzten Jahren vermehrt über das drohende Schicksal der Schuppentiere. Ein Zufall? Wer weiß.