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Gesellschaft

Kathedrale Notre-Dame noch nicht gerettet

5. Januar 2020

Verantwortliche für den Wiederaufbau der Pariser Kathedrale warnen, es gebe keine Gewissheit, dass Notre-Dame erhalten werden kann. Entscheidend sei der nächste Arbeitsschritt. Der könnte mehr Zerstörung anrichten.

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Neben der Kathedrale steht ein hoher Baukran (Foto: Picture Alliance)
Der Kran soll dabei helfen, dass zerstörte Baugerüst abzutragenBild: picture-alliance/abaca/E. Blondet

Notre-Dame sei "immer noch in Gefahr", sagte der Beauftragte der französischen Regierung für den Wiederaufbau von Notre-Dame, Ex-General Jean-Louis Georgelin, im Interview mit mehreren französischen Medien. Für Erleichterung ist es ihm zufolge "zu früh". Er sei zwar zuversichtlich, doch es gelte weiter, den Zustand der Gewölbe im Auge zu behalten.

Derzeit sind noch die Arbeiten zur Absicherung der Kathedrale im Gang. Das Weltkulturerbe wird aktuell von einem rund 80 Meter hohen Kran überragt. Mit dessen Hilfe wollen Bauarbeiter ab Februar das Metallgerüst abbauen, das bei dem Brand teilweise eingeschmolzen war. Rund 10.000 Metallstäbe müssen dafür entfernt werden.

Der brennende Turm stürzt ein, dichter dunkler Qualm über der Kathedrale (Foto: Getty Images/AFP/G. van der Hasselt)
Das alte Gerüst um den hier gerade einstürzenden Vierungsturm muss nun abgebaut werdenBild: Getty Images/AFP/G. van der Hasselt

Das komplexe Manöver gilt als gefährlich für die Statik der Gewölbe und damit die Statik der Kathedrale. Im Dezember sagte Domdekan Patrick Chauvet der Nachrichtenagentur AP, es bestehe eine 50-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass die Kathedrale nicht gerettet werden könne, da das Gerüst auf die noch intakten Deckengewölbe fallen könnte. Georgelin sagte, der Zustand dieser Gewölbe sei nicht ganz klar, da sich immer noch Schutt auf ihnen befindet.

Jean-Louis Georgelin vor dem Bau (Foto: Picture Alliance)
Beauftragter für die Restaurierung: Jean-Louis Georgelin Anfang Dezember an der BaustelleBild: picture-alliance/abaca/JBV News/J.-B. Vernier

Das Wahrzeichen der französischen Hauptstadt war im April 2019 durch einen Großbrand stark beschädigt worden. Auslöser des Brandes war vermutlich eine brennende Zigarette oder ein Kurzschluss bei Bauarbeiten am Dach. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Brandstiftung. Der hölzerne Dachstuhl aus dem Mittelalter, Teile der Deckengewölbe sowie der Vierungsturm aus dem 19. Jahrhundert wurden zerstört.

Erstmals seit mehr als 200 Jahren konnte in der Kathedrale kein Weihnachtsgottesdienst stattfinden. Sogar während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg konnten Pariser in Notre-Dame Weihnachten feiern.

Eine Holzkonstruktion stützt das Gemäuer und eine weitere liegt als Dachersatz auf Mauern (Foto: AFP/Getty Images)
In den vergangenen Monaten wurden Arbeiten verrichtet, die den Bau absichern - hier der Stand Anfang OktoberBild: AFP/Getty Images/P. Lopez

Der eigentliche Wiederaufbau soll 2021 beginnen. Knapp eine Milliarde Euro von insgesamt 320.000 Spendern sind dafür zugesagt. Staatspräsident Emmanuel Macron kündigte noch in der Brandnacht einen Wiederaufbau bis 2024 an. Experten halten dies für sehr ehrgeizig bis unmöglich.

Wie der Regierungsbeauftragte Georgelin sagte, sei noch keine Entscheidung getroffen worden, wie und mit welchen Materialien Notre-Dame wiederaufgebaut werden soll. Für die Arbeiten komme erschwerend hinzu, dass sich tonnenweise giftiger Bleistaub verteilt habe, der entfernt werden müsse.

ust/fab (kna, ap, afp)

Frankreich: Streit um Notre Dames Wiederaufbau