Kaum Lehrstellen für junge Ausländer

Oft kopiert, aber mit Lücken: das duale Ausbildungssystem in Deutschland. Wer als junger Ausländer eine Lehrstelle sucht oder wer Hauptschüler ist, hat kaum Chancen auf einen Platz. Das zeigt eine neue Studie.

Nicht einmal die Hälfte der "Jugendlichen ohne deutschen Pass" hat  im letzten Jahr eine Lehrstelle im Rahmen des dualen Systems in Deutschland gefunden. Die Bertelsmann-Stiftung untersuchte für ihre Studie die Ausbildungssituation im Land bis 2016. Berufliche Bildung geschieht in Deutschland meist in einer Kombination aus praktischer Ausbildung im Betrieb und theoretischer Ausbildung in Berufsschulen.

Die seit 2015 nach Deutschland zugezogenen jugendlichen Schutz- und Asylsuchenden sind in diesen Werten noch nicht enthalten. Zur Integration dieser Gruppe in die berufliche Bildung gibt es in den Bundesländern zahlreiche Sonderprogramme. Sie verknüpfen häufig Sprachkurse mit einer beruflichen Grundbildung oder Orientierung.

Problem Hautpschule

Auch Jugendliche, die nur einen Hauptschulabschluss gemacht haben, hatten große Schwierigkeiten, wenn sie eine Lehrstelle suchen. Insgesamt wurden 2016 laut der Studie bundesweit von den Betrieben 80.000 duale Ausbildungsplätze weniger angeboten als noch 2007. Und die Zahl der Bewerber ging in diesem Zeitraum um 155.000 zurück.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) rief die Betriebe auf, mehr Hauptschülern eine Chance zu geben. "Es birgt sozialen Sprengstoff, wenn Unternehmen lauthals über einen vermeintlichen Azubi-Mangel klagen, sich aber von Hauptschülern abwenden", meinte Vizechefin Elke Hannack. "Nicht einmal jeder zweite Jugendliche mit Hauptschulabschluss schafft den direkten Sprung in Ausbildung. Die Betriebe müssen sich diesen Jugendlichen wieder öffnen."

Wirtschaft | 01.01.2018

Jüngste Zahlen zeigen allerdings, dass sich 2017 die Lage stabilisiert und wieder etwas mehr dual ausgebildet wird. Bundesbildungsministerin Johanna Wanka  hatte letzte Woche zur Vorstellung der neuesten Zahlen vom Ausbildungsmarkt gesagt, junge Menschen in Deutschland hätten gute Chancen auf einen Ausbildungsplatz. Laut Bildungsministerium ist die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im laufenden Jahr leicht auf 523 300 gestiegen. Diese Zahlen sind laut Bertelsmann-Stiftung nicht in der aktuellen Studie berücksichtigt.

Besser im Süden

Stark abhängig ist die Situation vom Wohnort. 2016 standen in Bayern 100 Bewerbern 104 Ausbildungsplätze gegenüber, in Schleswig-Holstein nur 88. Als "besonders dramatisch" wird der Rückgang der dualen Ausbildung in den östlichen Bundesländern bewertet, in denen zwischen 2007 und 2016 die Zahl der Ausbildungsplätze um 40 Prozent und der Bewerber um 46 Prozent gefallen sei.

Die Situation auf dem Ausbildungsmarkt scheint paradox. 2016 fanden Betriebe für 43.000 Ausbildungsstellen keinen passenden Bewerber. Knapp acht Prozent aller Stellen blieben damit unbesetzt. In den ostdeutschen Flächenländern war es sogar mehr als jeder zehnte Ausbildungsplatz. Trotz der offenen Stellen gingen bundesweit 80.000 der Ausbildungsbewerber leer aus - also fast jeder siebte. Jugendliche und Betriebe kommen schon geographisch oft nicht zueinander. Im Süden Bayerns suchen die Betriebe händeringend Azubis, im Ruhrgebiet ist die Situation umgekehrt.

Hinzu kommt, dass Ausbildungsstellen in Berufen und Betrieben angeboten werden, für die sich Bewerber nicht interessieren. Besonders schwer haben es kleinere Betriebe, die in für Jugendliche unattraktiven Berufen ausbilden, beispielsweise im Hotel- und Gaststättengewerbe.

ar/hb (dpa –Bertelsmann Stiftung)

Mehr zum Thema

Deutschland | 18.04.2018

"Abbruchquoten sind bad news"