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Russische Fußballer vor Kontrollen geschützt

17. Februar 2018

Kronzeuge Grigori Rodschenkow teilt weiter aus: Russlands Vize-Premier Witali Mutko habe ihm aufgetragen, russische Fußballer vor Doping-Kontrollen zu schützen. Das wirft ein fahles Licht auf den WM-Gastgeber.

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Russland WM 2018 - Luschniki-Stadion
Ein Schatten liegt über WM-Gastgeber RusslandBild: picture alliance/dpa/AP/I. Sekretarev

Auch abseits der Olympischen Winterspiele in Pyeongchang zieht der russische Doping-Skandal weitere Kreise: Mit neuen Aussagen bringt der in den USA untergetauchte Kronzeuge Grigori Rodschenkow den Gastgeber der Fußball-WM 2018 in Erklärungsnot. Der ehemalige Leiter des Moskauer Anti-Doping-Labors hat nach eigener Aussage russischen Fußballern im Auftrag der Regierung bei der Vertuschung von Doping geholfen. Grigori Rodschenkow, der umfgassend über russische Dopingpraktiken berichtete und mit seinen Aussagen zum Ausschluss der russischen Nation bei den Winterspielen in Südkorea beitrug, teilte der Nachrichtenagentur Associated Press auf Anfrage über einen Anwalt mit, er habe die Anweisungen vom damaligen Sportminister und heutigen stellvertretenden Ministerpräsidenten Witali Mutko erhalten.

"Jeglichen Skandal durch das Verbergen positiver Resultate vermeiden"

Russland Witali Mutko
Witali Mutko: Ordnete der Vize-Regierungschef an, Fußballer nicht zu kontrollieren?Bild: picture alliance/dpa/C. Charisius

Rund vier Monate vor Beginn der Weltmeisterschaft in Russland geraten mögliche Doping-Praktiken beim Fußball in dem Land verstärkt in den Fokus. Laut Rodschenkow waren russische Fußballer "immun gegen Doping-Kontroll-Aktionen oder Sanktionen". Mutko habe ihm aufgetragen, "jeglichen Skandal durch das Verbergen positiver Resultate zu vermeiden". Man werde das Thema Doping intern regeln. Witali Mutko hatte Ende vergangenen Jahres angekündigt, das Amt als russischer Fußballpräsident für ein halbes Jahr niederzulegen. Als Cheforganisator der WM trat er zurück. Als Politiker sitzt Mutko jedoch weiter fest im Sattel. Auch Präsident Wladimir Putin hatte Rodschenkow zuletzt scharf angegriffen - und der setzte sich mit Gegenvorwürfen zur Wehr. Wenn Rodschenkows Aussagen zutreffen, wurden russische Fußballer zumindest für eine Zeit lang nicht ordnungsgemäß kontrolliert. Ein solcher Vorgang müsste im Vorfeld eines großen Turniers nun FIFA und WADA auf den Plan rufen.

Während Sanktionen gegen Russland im Fußball eher unwahrscheinlich sind, zeige die Teil-Bestrafung des russischen Teams im olympischen Wintersport Wirkung, glaubt Alfons Hörmann, Präsident  des Deutschen Olympischen Sport-Bundes. Er sieht sich in seiner Prognose bestätigt, dass die russischen Sportler bei den Olympischen Winterspielen in Südkorea nach dem Doping-Skandal vor vier Jahren deutlich schlechter abschneiden werden. "Das ist deutlich und klar erkennbar", sagte Hörmann am Samstag: "Das russische Team erfährt die Höchststrafe auf sportlicher Ebene."

Schmale russische Ausbeute in Pyeongchang ein gutes Zeichen?

Zu Beginn des achten Wettkampftages am Samstag hatten die insgesamt 168 Olympischen Athleten aus Russland (OAR) gerade einmal zwei Silber- und sechs Bronzemedaillen auf dem Konto. Bei den letzten Winterspielen in Sotschi stand Russland am Ende - maßgeblich auch dank eines umfassenden Doping-Programms - als erfolgreichste Nation dar. Sollten sich die russischen Sportler in Südkorea an Auflagen des Internationalen Olympischen Komitees halten, könnten sie bei der Abschlussfeier wieder unter der russischen Flagge einlaufen. "Ich halte diese Vorgehensweise für sehr ambitioniert", sagte Hörmann. "Ich denke, man hätte da durchaus etwas mehr Druck aufrechterhalten können." Allerdings könnten die sportlichen Auswirkungen der Sperre die Russen deutlich härter treffen als das Verbot der nationalen Symbole bei der Abschlussfeier.

jw/mrl (mit sid, dpa)