Klimawandel begann schon vor 180 Jahren

Der Klimawandel galt lange als Phänomen des 20. und 21. Jahrhunderts. Forscher haben nun herausgefunden, dass der Klimawandel schon um 1830 einsetzte - mit Beginn der industriellen Revolution.

Zum ersten Mal seien Klimaarchive vom Land und aus den Ozeanen von der Nord- und Südhemisphäre gleichzeitig analysiert worden, so Jens Zinke, Paläontologe an der Freien Universität Berlin und Ko-Autor der international durchgeführten Studie.

Natur und Umwelt | 07.11.2017

Die Forscher aus Australien, den USA, Europa und Asien untersuchten Daten von tropischen Korallen, Sedimentkernen, Stalagmiten, Baumringen und Eiskernen und glichen diese mit Modellen der Klimaentwicklung von mehreren Tausend Jahren ab.

Klima reagiert auf Beginn der industriellen Revolution

"Die Untersuchungen zeigen, dass schon die frühe Erderwärmung in Zusammenhang mit der steigenden Konzentration von Treibhausgasen als Folge der industriellen Revolution steht", sagt Zinke. Zu Beginn der industriellen Revolution sei noch eine vergleichsweise geringe Menge von Treibhausgasen ausgestoßen worden, die aber dennoch nachweislich zum Einsetzen der Erderwärmung beigetragen habe.

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Industrielle Revolution in Manchester

Eine Fabrikhalle in Manchester im Jahr 1832 - das Klima reagierte bereits auf den im Vergleich zu heute relativ geringen Anstieg der CO2-Emissionen

Nerilie Abram, Klimawissenschaftlerin an der Australian National University in Canberra und leitende Forscherin der Studie, sprach von einer "außergewöhnlichen Erkenntnis". Bei dem menschengemachten Klimawandel sei allgemein von einem Phänomen des 20. Jahrhunderts gesprochen worden, weil es kaum direkte Messungen des Klimas vor 1900 gibt.

Für Helen McGregor, Ko-Autorin und Wissenschaftlerin an der University of Wollongong, deutet der frühe Beginn der Erwärmung daraufhin, dass das Klima der Erde sehr schnell reagiert habe - und das schon bei einem kleinen Anstieg von CO2-Emissionen zu Anfang des industriellen Zeitalters.

Arktis und Tropische Ozeane am frühesten betroffen

Laut der Studie hat die Erwärmung in den 1830er Jahren zuerst in der Arktis und in den tropischen Ozeanen begonnen. "In der nördlichen Hemisphäre ist vor allem die Arktis sehr sensitiv für Klimaveränderungen", erzählt Jens Zinke der DW.

Die Erwärmung großer Teile der Südhemisphäre erfolgte den Daten zufolge jedoch erst bis zu 50 Jahre später. Dies führen die Wissenschaftler auf regionale Unterschiede der Ozeanströmungen zurück. So werden warme Wassermassen auf natürliche Weise nach Norden - weg von der Antarktis - transportiert.

"Die Stärke dieser Studie liegt darin, dass wir Daten für einzelne Regionen der Welt haben. Wir haben genaue Daten - zum Beispiel an Orten, wo tropische Korallen vorkommen - um sagen zu können, wann dort die Erwärmung eingesetzt hat", sagt Zinke. Man könne die Daten demnach auch nach regionalen Klimaveränderungen hin untersuchen.

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Tropische Korallen als Klimaarchiv

Zinke untersuchte tropische Korallen aus dem Indischen Ozean, der Karibik und aus dem Indonesischen Archipel: "Tropische Korallen wachsen bis zu 400 Jahre kontinuierlich. Durch ihr schnelles Wachstum von ein bis zwei Zentimetern pro Jahr kann man sie Monat für Monat über viele Dekaden und Jahrhunderte hinweg analysieren."

Ähnlich wie bei Bäumen hätten auch Korallen jährliche Wachstumsringe. Um Daten zu erhalten, die auf einen Monat genau sind, kommen Zahnarztbohrer zum Einsatz, mit deren Hilfe jeden Millimeter Proben von den Korallen entnommen werden können, erklärt Zinke gegenüber der DW.

Der Analyse der Klimaarchive und der Klimamodelle zufolge muss nun mindestens 180 Jahre zurückgeblickt werden, um die Erwärmung unseres Planeten und seine Ursachen zu erfassen. Das hat Einfluss auf Vorhersagen über den zukünftigen Klimawandel: "Um bessere Aussagen treffen zu können, müssen Studien nun noch das 19. Jahrhundert in Betracht ziehen", so Zinke.

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