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Politik

Begeisterung für das Projekt EU

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Jens Thurau
13. April 2017

Zwei Westbalkan-Staaten in knapp 24 Stunden: Sigmar Gabriel macht Serbien und dem Kosovo Hoffnung auf einen Beitritt zur EU. Beim gegenwärtigen Zustand der Europäischen Union klingt das verwegen, meint Jens Thurau.

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Außenminister Gabriel zu Besuch im Kosovo
Bild: picture alliance/dpa/M. Skolim

Das hat schon etwas, wenn man in der Republik Kosovo spürt, wie stark die Sehnsucht nach Europa ist: Die Flagge des kleinen, erst seit knapp zehn Jahren unabhängigen Staates ist leicht mit der Europas zu verwechseln. Der Euro dient als Währung. Und als jetzt Deutschlands Außenminister Sigmar Gabriel mit der kosovarischen Regierung zusammentraf, war der Saal voll mit Journalisten. Sie wollten eigentlich nur wissen: Wie kann Deutschland helfen, dass wir, die kleine Republik Kosovo, der großen EU beitreten dürfen?

Um am Wohlstand teilzuhaben, um endlich sicher zu sein. Eine ungewohnte Begeisterung für ein Projekt, das in seinen Kernstaaten schwer angeschlagen ist.

Serbien, der Erzfeind der Kosovaren, will auch beitreten. Und auch Serbien will Deutschland unterstützen, trotz der umstrittenen Wahl des Regierungschefs Vucic zum neuen Präsidenten, die zu Massenprotesten auf den Straßen Belgrads geführt hat.

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DW-Korrespondent Jens Thurau

Ein langer Weg

Aber Serbien und das Kosovo zusammen in der EU, wie soll das gehen? In Pristina, der Hauptstadt des Kosovo, hielt Gabriel den dortigen Journalisten fast eine Art Strafpredigt. "Immer wenn in dieser Region ein Problem auftaucht, so ist mein Gefühl, wird einem Nachbarstaat die Schuld dafür gegeben." Betretenes Schweigen im Saal. Es wird noch ein langer Weg, das scheint klar.

Zwei Gründe sind es, die die deutsche Regierung ins Feld führt dafür, dass es aber vielleicht doch geht. Beitreten werden die Westbalkan-Ländern erst in einer ganzen Reihe von Jahren, und bis dahin, hoffen jedenfalls die Deutschen, ist die große EU-Post-Brexit-Krise überwunden. Und was wäre denn die Alternative, wenn man etwa den Serben die Tür vor der Nase zuschlägt, nachdem Kroatien und Slowenien bereits aufgenommen sind? Zu Recht warnt Gabriel davor, dass dann ganz alte Dämonen des Nationalismus wieder stärker werden könnten. Stärker, als sie schon heute (auch durch russische Einmischung) sind.

In den Fokus rücken

Bis zu einem möglichen Beitritt will Deutschland den Balkan-Staaten mit konkreten Projekten helfen: Bei der Infrastruktur, im Bildungsbereich. Schon vor dem Erreichen der EU müssten die Menschen merken, dass es ihnen mit EU-Hilfe besser geht, meint Gabriel dazu. Das wäre tatsächlich zu wünschen angesichts der oft bedrückenden wirtschaftlichen Situation, vor allem für die jungen Menschen. Aber die bisherigen EU-Hilfen haben nicht ausgereicht, es darf nicht bei Lippenbekenntnissen bleiben, wenn der Balkan jetzt wieder mehr in den Fokus der Europäer rückt. Wohin es führen kann, wenn Europa potenziell willige Partner über lange Zeiträume vertröstet (und enttäuscht) , ist gerade in der Türkei zu beobachten.

 

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