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Lage in Homs spitzt sich weiter zu

9. Februar 2012

Das Regime in Damaskus geht weiter mit brutaler Gewalt gegen seine Gegner vor. In der Protesthochburg Homs herrschen katastrophale Zustände. Die internationale Diplomatie läuft auf Hochtouren.

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Eine zerstörte Wohnung (Foto: dpa)
Bild: picture-alliance/dpa

In der syrischen Protesthochburg Homs zeichnen sich nach sechstägigem Dauerbeschuss Grausamkeiten und ein Elend unbeschreiblichen Ausmaßes ab. Der Nachrichtensender Al-Arabija meldete unter Berufung auf Regimegegner, landesweit seien am Donnerstag mindestens 126 Menschen von Regierungstruppen getötet worden, davon allein 107 in Homs. Aktivisten baten um Hilfe durch das Internationale Rote Kreuz und den Roten Halbmond.

Homs ist umstellt. Armeeposten kontrollieren alle Zugangsstraßen, seit zehn Tagen konnten keine Lebensmittel mehr in die Stadt geliefert werden - Essen und Medikamente werden knapp. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt gehen auch die Heizölvorräte zur Neige. In ganz Homs gibt es nach Angaben von Aktivisten nur noch drei Ärzte, einer wurde durch Granatenbeschuss verletzt.

Beratungen im Ausland

Angriffe auf Homs dauern an

Der oppositionelle Syrische Nationalrat wollte im Golfemirat Katar beraten, wie das Blutvergießen gestoppt werden könnte. Der Rat setzt inzwischen stärker als bisher auf militärische Optionen. Unter anderem wird über die Bewaffnung von Deserteuren diskutiert.

Außerdem soll in Katar nach Informationen aus Oppositionskreisen darüber abgestimmt werden, ob der Sorbonne-Professor Burhan Ghaliun weiterhin Vorsitzender des Rates sein soll. Unter arabischen Diplomaten wird derweil erwogen, den von mehreren Oppositionsgruppen gegründeten Nationalrat als legitime Vertretung des syrischen Volkes anzuerkennen. Über diese Frage werde am Sonntag bei einem Treffen der Arabischen Liga in Kairo diskutiert, hieß es.

Der Generalsekretär der Liga, der Ägypter Nabil al-Arabi, hatte am Mittwoch bei den Vereinten Nationen angefragt, ob diese UN-Beobachter nach Syrien schicken könnten, die dort dann gemeinsam mit arabischen Beobachtern arbeiten könnten. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon erklärte in New York, die Vereinten Nationen seien bereit zu helfen. Einzelheiten müssten aber erst noch besprochen werden. Die Arabische Liga hatte bereits im Dezember eine Beobachtergruppe nach Syrien geschickt, deren Einsatz aber wegen der eskalierenden Gewalt Ende Januar abgebrochen.

"Krieg gegen eigenes Volk"

Ban sagte zudem, er bedauere zutiefst, dass der UN-Sicherheitsrat nicht in der Lage sei, sich mit einer gemeinsamen Stimme für einen Stopp der Gewalt in Syrien auszusprechen. Der UN-Generalsekretär kritisierte damit Russland und China, die kürzlich mit ihrem Veto eine Resolution des Sicherheitsrats verhindert hatten. Dies habe die syrische Führung "ermutigt, den Krieg gegen ihr eigenes Volk zu verschärfen", so Ban.

Unterdessen traf eine Delegation der syrischen Opposition in Peking mit dem stellvertretenden chinesischen Außenminister Zhai Jun zusammen. Die chinesische Regierung wolle ihre Kontakte zu syrischen oppositionellen Gruppen aufrechterhalten, hieß es.

In Syrien protestieren seit mittlerweile elf Monaten Regimegegner gegen Präsident Baschar al-Assad, der mit aller Härte gegen seine Kritiker vorgeht. Insgesamt sollen seit März 2011 schon etwa 6000 Menschen getötet worden sein.

je/se/hp/gmf (dapd, dpa, afp, rtr)