Langjähriger US-Außenpolitiker Richard Lugar ist tot

Er war ein Mann der leisen Töne, galt aber als eine der einflussreichsten Stimmen bei außenpolitischen Themen in Washington. Besonders am Herzen lag dem republikanischen Senator auch das Verhältnis zu Deutschland.

Richard Lugar ist im Alter von 87 Jahren in einem Krankenhaus in Falls Church im US-Bundesstaat Virginia an den Folgen einer seltenen Nervenkrankheit gestorben, wie das von ihm gegründete Lugar-Zentrum in Washington mitteilte. Der versierte Außenpolitiker aus Indiana saß von 1977 bis 2013 für die Republikaner im US-Senat. Lugar, der zweimal den Vorsitz des Außenausschusses dieser Kongresskammer inne hatte, genoss wegen seiner verbindlichen Art über die Parteigrenzen hinweg großes Ansehen. 1991 entwarf er zusammen mit dem demokratischen Senator Sam Nunn das Nunn-Lugar-Programm, das ehemaligen Sowjetrepubliken beim Abbau ihrer Atomwaffen half.

Enge Beziehungen zu Deutschland und das Bundesverdienstkreuz 

Der langjährige Senator galt als Politiker mit engen Kontakten zu Deutschland und betonte immer wieder die Bedeutung der Beziehungen beider Länder. Lugar setzte sich unter anderem für die nukleare Abrüstung, die NATO-Erweiterung und eine Handelspartnerschaft zwischen den USA und Europa ein.

Kurz nach seinem Ausscheiden aus dem Senat bekam er im Mai 2013 das Bundesverdienstkreuz verliehen. Lugar erhielt die Auszeichnung für seinen "unermüdlichen Einsatz, die transatlantischen Beziehungen zu fördern und zu vertiefen und die Welt zu einem besseren Ort zu machen", wie der damalige deutsche Botschafter in den USA, Peter Ammon, sagte. Die Bundesrepublik stehe dafür in seiner Schuld.

Der demokratische Präsident Barack Obama ehrte Lugar 2013 für dessen "Anstand" und "Engagement für überparteiliche Problemlösungen" mit der Freiheitsmedaille, der höchsten zivilen Auszeichnung der USA.

Für ein Ende der Apartheid in Südafrika 

Lugar drängte auf ein Ende der Apartheid in Südafrika und setzte sich für die Absetzung des philippinischen Dikators Ferdinand Marcos ein. Beides geschah in Opposition zu seinem Parteikollegen, dem damaligen republikanischen Präsidenten Ronald Reagan.

US-Vizepräsident Mike Pence würdigte den Verstorbenen als "einen unserer größten Staatsmänner". Pence erklärte: "Richard Lugar war ein Anführer nicht nur im Senat, sondern auch auf der Weltbühne."

Der Fraktionschef der Demokraten im Senat, Chuck Schumer schrieb via Twitter, Lugar habe die Überparteilichkeit verkörpert, an der es heute in Amerika so sehr mangele.

Der frühere Präsident Bill Clinton und die ehemalige Außenministerin Hillary Clinton verwiesen in einer Erklärung auf das unermüdliche Wirken Lugars im Senat und sein großes Engagement für den Abbau von Nuklearwaffen.

se/kle (afp, ap, rtr, dpa)

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