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Leonardo-da-Vinci-Film "Eine Nacht im Louvre"

16. September 2020

Die Schau über den Künstler Leonardo da Vinci in Paris war ein Blockbuster. Wer sie verpasst hat, kann sich in einer Doku seine Werke erklären lassen.

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Film | Eine Nacht im Louvre | Leonardo da Vinci
Bild: 2009 Musée du Louvre/Stéphane Olivier

Was zeichnet ein Top-Museum aus? Seine Größe, seine Beliebheit, seine erstklassige Sammlung. Und: sein Marketing. Darin ist der Louvre ein Weltmeister. Eine der wohl öffentlichkeitswirksamsten Aktionen war 2018 der Video-Clip "Apeshit". Die R'n'B-Stars Beyoncé und Jay-Z tanzten durch die leeren Galerien des meistbesuchten Museums der Welt. Das Königspaar der Musik schien sich dabei im ehemaligen Königspalast wie zu Hause zu fühlen. Los geht das Video, das 222 Millionen Mal angeklickt wurde, mit einem Besuch bei Leonardo da Vincis ikonischem Gemälde "Mona Lisa".

Im Nachhinein könnte man diese Sequenz als visionären Marketing-Coup des Louvre verstehen. Denn ein Jahr später, 2019, startete im Louvre eine große Leonardo-da-Vinci-Ausstellung. Sie schrieb ebenfalls Rekorde, allerdings im analogen Bereich: Mit 1,1 Millionen Besuchern war sie anlässlich des 500-jährigen Todestags des italienischen Genies 2019 die bestbesuchte Ausstellung im Louvre überhaupt.

Von der Leonardo-Ausstellung zum Film

Leonardos Gemälde zeigt Johannes den Täufer mit halbnacktem Oberkörper und erhobenem Zeigefinger
Leonardos Gemälde "Johannes der Täufer" (1513-1516) war im Louvre ausgestelltBild: RMN Grand Palais/Michel Urtado

Zu sehen waren mehr als 160 Exponate, darunter elf Gemälde und über 70 Zeichnungen des italienischen Renaissance-Meisters. Rein kam nur, wer zuvor reserviert hatte. All die Abgewiesenen, denen keine Eintrittskarte mehr vergönnt war, können jetzt das Versäumte nachholen. Der Musée de Louvre und das Unternehmen Pathé haben die große Nachfrage nach der Ausstellung zu Ehren von Leonardo da Vinci zum Anlass genommen, um eine Privatführung durch die Ausstellung zu filmen. "Eine Nacht im Louvre: Leonardo da Vinci" bietet die einmalige Möglichkeit Leonardo da Vincis schönste Werke noch einmal auf der Kinoleinwand aus der Nähe zu betrachten. 

Der Spaziergang durch den Louvre wird von den Ausstellungskuratoren Vincent Delieuvin und Louis Frank angeleitet und ist erkenntnisreich und spannend zugleich. Die beiden Experten erklären in ihren kurzen Vorträgen die künstlerische Vergangenheit Leonardos und weisen in die besondere Entwicklung der Bildtechnik des Künstlers ein. Wenn das Licht im Louvre ausgeht, beginnt die Kamerafahrt zur Ausstellung, durchquert die leeren Galerien. Leonardo stellte die Malerei über alle anderen seiner Aktivitäten, er sah darin die Basis von Erkenntnis überhaupt und von seiner Erforschung der Welt. 

Malerei als Wissenschaft

Geboren wurde Leonardo am 15. April 1452 in dem kleinen Weiler Anchiano in der Nähe des toskanischen Dorfes Vinci. Er ist der uneheliche Sohn eines Notars, wächst beim Großvater auf. Im Alter von 10 Jahren zieht er nach Florenz, wo er Geometrie und Arithmetik lernt. Sein Kunstlehrer ist Andrea del Verrocchio, ein sehr einflussreicher Bildhauer und Maler am Übergang von der Früh- zur Hochrenaissance.

"Felsgrottenmadonna" von Leonardo da Vinci
Alleine vor den Gemäldes Leonardos - hier vor der "Felsgrottenmadonna"Bild: Musee du Louvre/Antoine Mongodin

Zunächst versucht sich Leonardo in der Kunst der Imitation. Er schulte sich darin, die Wirklichkeit so genau wie möglich zu imitieren, vor allem interessierte ihn die realistische Abbildung der beiden Ausdrucksformen Bewegtheit und Stillstand. Bei Verrochio lernte er, Licht und Schatten der Faltenwürfe zu modellieren. Leonardo brachte das Volumen, das Vor und Zurück des Stoffes, in einer perfekten Illusion zu Papier. Infrarotaufnahmen spüren den zahlreichen Korrekturen und Nachbearbeitungen seiner Bilder nach. Für die Kuratoren steht fest: Leonardo war auf der Suche nach dem Absoluten in der Kunst. 

Leonardo kopiert nicht die Wirklichkeit, er interpretiert sie

Als er merkt, dass er durch seine Methode der Imitation nicht die Essenz des Lebens festhalten kann, ändert sich seine Technik. Seine Linienführung wird lockerer. Er schraffiert, manchmal wirken seine Striche geradezu chaotisch. "Modern", nennen dies die beiden Kuratoren. Leonardo hatte sogar den Mut, Teile seiner Werke nicht zu Ende zu malen: Er arbeitet mit Auslassungen, um die Fantasie des Betrachters anzuregen. 

Absperrungen vor der Mona Lisa im Louvre
Vor Corona hieß es häufig Schlange stehen, um die Mona Lisa sehen zu könnenBild: picture-alliance/dpa/S. Glaubitz

Der Film bietet eine Einführung in das zeichnerische, aber auch in das malerische Werk des Renaissance-Künstlers. Alle anderen Begabungen Leonardos, in der Ingenieurkunst oder in der Geometrie, bleiben außen vor. Die Kamera begleitet die Ausführungen der Kunsthistoriker, zoomt nah ran an die "Madonna mit der Nelke" (um 1475), den "Heiligen Hieronymus" (um 1482) oder die "Felsengrottenmadonna" (ab 1483). Ein Schlüsselwerk, in dem er erstmals den Gesichtern von Maria und Jesus individuelle Züge verleiht. Entstanden ist es während seiner Zeit in Mailand von 1482 bis 1499. Um 1500 kehrt Leonardo dann wieder nach Florenz zurück. 

Leonardos Bruch mit künstlerischen Traditionen

Dort erschafft er Porträts wie das von Ludovico di Moro, das "Bildnis eines jungen Mannes". Indem er die Porträtierten nicht frontal darstellt, sondern sie leicht zur Seite dreht, bricht Leonardo mit der damaligen Tradition. Ihr Körper ist in einer leichten Rotation. Ein Phänomen, das auch das Geheimnis der Mona Lisa mitbegründet. Als Leonardo nach Stationen in Mailand, wo er das Abendmahl anfertigte, als berühmter Künstler wieder in Florenz lebt, soll er Lisa Gherardini del Giocondo porträtiert haben - sie könnte die Mona Lisa sein. Bis heute ist dieses Gemälde das wohl bekannteste Kunstwerk der Welt. Vor der Corona-Krise versuchten täglich 30.000 Besucher ihr Lächeln zu sehen. Das Geheimnis - so erklären es die beiden Kuratoren - liegt in dem spontanen Ausdruck der gerade einmal 24-jährigen Frau. Mona Lisa blickt heiter aus dem Bild heraus. Es wirkt, als hätte sie sich kurz dem Betrachter zugewandt, der eben den Raum betreten hat.

Leonardo da Vincis Gemälde "Mona Lisa" (1503-1506)
Die Frau mit dem geheimnisvollsten Lächeln: Mona LisaBild: picture-alliance/Photo12/Ann Ronan Picture Librar

Es ist ein großes Vergnügen, dieses Lächeln und die Details von Leonardos Kunstwerken auf der großen Kinoleinwand zu sehen. Vier Filmnächte waren nötig und ein Team von 30 Technikern, um diesen Film entstehen zu lassen.

Die Ausstellung ging am 20. Februar 2020 zu Ende. Der Film knüpft auf besondere Weise daran an und zeigt, warum es lohnt, sich intensiver mit diesem Allroundtalent zu beschäftigen. 

"Eine Nacht im Louvre: Leonardo da Vinci" läuft ab dem 16. September weltweit in den Kinos.

Autorin Sabine Oelze
Sabine Oelze Redakteurin und Autorin in der Kulturredaktion