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Licht ins Dunkel

Frank Sieren21. März 2014

In China florieren die nichtregulierten Schattenbanken. Doch ein vehementes Vorgehen der Regierung gegen diese Entwicklung würde wie ein Brandbeschleuniger wirken, meint DW-Kolumnist Frank Sieren.

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Filiale der Bank of China in Fuzhou
Filiale der Bank of China in FuzhouBild: picture-alliance/ dpa

Vieles gilt im Reich der Mitte mittlerweile als fortschrittlich. Das Finanzsystem gehörte bislang allerdings nicht auf diese Liste. Denn die Bankenlandschaft in China sieht noch sehr einseitig aus. Bis auf ein einziges privates Geldinstitut findet man dort ausschließlich Staatsbanken. Diese leihen ihr Geld nach wie vor lieber Staatsunternehmen als dem kleinen Mann. Für die Banken ist das ein sicheres Spiel: Sollte der Kredit platzen, haben sie die Sicherheit, dass der Staat einspringt.

Aber die Versorgung der Privatwirtschaft hinkt weit hinterher. Private Unternehmer müssen sich Alternativen suchen, um an Geld zu kommen. Zu einem Hafen in dieser Not sind mittlerweile Chinas "Schattenbanken" geworden. So werden private und nichtregulierte Geldinstitute bezeichnet, die sich in der entstandenen Nische eingerichtet haben. Oft läuft der Großteil dieser Geldvergaben im Verborgenen ab. Also gern auch mal in Hinterzimmern oder im 16. Stock eines Wohnblocks. Doch nicht jeder Kredit fühlt sich wie ein Gangsterdeal an. Auch durchaus seriös geführte private Institute verleihen Geld. Das einzige, was diese noch von den staatlichen Banken trennt, ist die fehlende Lizenz.

Kredite für Geisterstädte

Das staatliche Geld ging bisher oft an die Falschen. Wenn die Staatsbanken Kredite an sowieso schon hoch verschuldete Kommunen und Staatsbetriebe vergaben, wurde das Geld häufig für unnütze Prunkbauten und Prestigeprojekte in entlegenen Provinzen verschwendet. Oder für Geisterstädte, die bis heute nicht bewohnt sind. Dass diese Kredite sich nicht auszahlen, überrascht nicht. Leider läuft es bei den Schattenbanken ähnlich. Dass das Volk durch sie überhaupt an Geld kommen kann, ist rühmlich, aber häufig ist das Resultat das gleiche. Himmelhohe Renditeversprechen und Zinsen locken die Investoren. Doch nicht immer haben die Deals Erfolg. Die Folge sind noch mehr faule Kredite.

Frank Sieren Kolumnist Handelsblatt Bestseller Autor China
Sieren: Bei der Reform der Schattenbanken braucht die Regierung FingerspitzengefühlBild: Frank Sieren

Wer kommt am Ende für diese Geldverbrennung auf? Der Staat natürlich. Denn das letzte, das Peking sich im eigenen Land wünscht, sind Unruhen - schon gar nicht aufgrund finanzieller Ausfälle. Und weil Papa Staat ständig aushelfen muss, wächst der Schuldenberg stetig an. So betrug das Volumen von Chinas Anleihemarkt Ende 2013 schon 1,5 Billionen Euro - soviel wie das BIP von Italien. Hinzu kommen rund 545 Milliarden Euro Trust-Kredite, die in diesem Jahr fällig werden. Diese staatlich nicht regulierten Trusts sammeln in China Geld bei Investoren ein, um damit Firmen zu finanzieren.

Mammutaufgabe Banken-Reform

Peking hat erkannt: Wo solche Geschäfte florieren, gibt es anscheinend Not. Und die richtige Reaktion auf eine solche Lage ist eben kein Rundumschlag mit Verboten, sondern vielmehr das Gegenteil. Frei nach dem Motto: Was legal ist, lässt sich leichter kontrollieren, sollen Schattenbanken Schritt für Schritt legalisiert oder zumindest mit Vorgaben und Spielregeln versehen werden. So soll die Geldvergabe fairer gestaltet werden.

Dadurch löst sich die Geldnot in der Privatwirtschaft aber nicht automatisch in Luft auf - und das weiß auch Peking. Eine Wende im Bankensystem muss dringend her. Letzten Sommer schon setzte Chinas Präsident Xi Jinping ein Zeichen. Kurzerhand drehte er den Staatsbanken den Geldhahn zu. Prompt verloren sie untereinander das Vertrauen und die Kreditzinsen schossen in die Höhe. Und das war nur ein Warnschuss.

Peking hat sich dieses Jahr ein spektakuläres Pilotprojekt vorgenommen: Die allmähliche Privatisierung des Bankensektors. Es soll eine Handvoll privater Geldhäuser entstehen. Davon verspricht sich Pekings Führung einen Wettbewerb unter den Banken. Dies würde die Staatsbanken unter Druck setzen, wettbewerbsfähiger zu werden. Auf den riesigen privaten Sektor könnten dann auch sie nicht mehr verzichten. Aber ein solches System funktioniert natürlich nur, wenn es klare Spielregeln für alle gibt.

Konkret bedeutet das: Staatsbanken müssen sich künftig an Regeln halten - genauso wie die neuen privaten Geldhäuser. Und damit die Notenpresse in Peking endlich mal eine Pause einlegen kann, steht zukünftig jeder für seine eigenen Geschäfte gerade.

DW-Kolumnist Frank Sieren lebt seit 20 Jahren in Peking.