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"Lieber Weihnachtsmann"

Christiane Hoffmann/(pg)23. Dezember 2002

Himmelpforten ist ein Ort, der einen besonderen Kontakt zum Christkind haben soll. Das glauben zumindest viele Kinder in Deutschland, die fleißig Briefe an den Weihnachtsmann schreiben.

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...ich wünsche mir einen Computer, einen Fernseher, ein ...Bild: AP

Mit der Adresse "An den Weihnachtsmann in 21709 Himmelpforten" landen jedes Jahr mehr als 20.000 Briefe im Postamt des kleinen niedersächsischen Ortes, 65 Kilometer nordwestlich von Hamburg. Hier haben die Leute angeblich einen besonders guten Draht zum Weihnachtsmann und hier leben seine Wichtel. Warum sonst würden sich die Säcke mit den Wunschzetteln jedes Jahr im Postamt stapeln? Warum sonst würde der 77-jährige ehemalige Postchef des Ortes noch immer jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit tausende Briefe beantworten?

Eigentlich nur Spaß

"Angefangen hat das so 1961-62", erinnert sich der ehemalige Postbeamte Hermann Bardenhagen. "Da hat ein Mädchen aus Himmelpforten an den Weihnachtsmann geschrieben, hat den Brief in den Postkasten gesteckt. Ein Post-Kollege hat sich den Spaß erlaubt und hat geantwortet. Als sie am nächsten Tag den Brief bekam, sie war die Tochter eines Gastwirtes, hat sie freudestrahlend diesen Brief im Gasthaus herum gezeigt."

Andere Kinderwünsche als früher

Die Lokalzeitung bekam davon Wind und schon verbreitete sich die Nachricht, dass das Christkind und der Weihnachtsmann in Himmelpforten zu Hause sind. Schon fast vierzig Jahre beantwortet Bardenhagen die Briefe der Kinder, mittlerweile natürlich nicht mehr per Hand, sondern mit einem vorgedruckten Antwortbrief.

Die Wünsche der Kinder haben sich in den letzten Jahren stark verändert. Waren es vor zehn Jahren noch Puppen und Feuerwehrautos, sind es heute technische Sachen - Computer und Fernseher zum Beispiel. "In den letzten Jahren sind die Kinder doch auch schon auf die Verhältnisse in der Welt aufmerksam geworden und schreiben, der Krieg soll aufhören, es soll keinen Krieg geben oder die armen Kinder der dritten Welt mögen auch was zu essen haben", hat Bardenhagen beobachtet.

Nachfolger gesucht

Mehr als vierzig Stunden arbeitet der Wichtel des Weihnachtsmannes in der Vorweihnachtszeit in einem Hinterzimmer des Postamtes. Und das jedes Jahr wieder und ohne Bezahlung. Dafür hat er vor zwei Jahren das Bundesverdienstkreuz erhalten. Jetzt sucht er einen Nachfolger. Allerdings will bisher keiner die Fleißarbeit machen, denn Bardenhagen sitzt manchmal auch am Wochenende über den Briefen der Kinder.

Digitale Wünsche

Außerdem hat mittlerweile auch in Himmelpforten das Internet Einzug gehalten. So bekommt der Weihnachtsmann zusätzlich zu den Briefen jedes Jahr bis zu 35.000 E-Mails mit Wünschen. Inzwischen ist rund um die digitale Wunschzettel-Annahme ein ganzes Internetportal mit Informationen rund um Weihnachten und das Weihnachtsmanndorf entstanden, mit Bastelseiten, Backrezepten und Spielen. An den Adventssonntagen können die Internetnutzer den Weihnachtsmann und einige Wichtel sogar im Chat treffen. Und seit diesem Jahr nimmt Knecht Ruprecht Last-Minute-Wünsche auch per SMS entgegen. Anrufen kann man ihn allerdings nicht, denn er habe zuviel zu tun und könne nicht selbst ans Telefon gehen - sagen zumindest die Wichtel.