Müssen Roboter Steuern zahlen?

Im Februar hat das EU-Parlament Pläne zurückgewiesen, die Arbeit von Robotern zu versteuern. Aber viele halten das weiterhin für eine gute Idee. Bekommen in der Zukunft Roboter ihre eigene Steuernummer?

In Science-Fiction-Filmen erfüllen Roboter schon viele Rollen - aber noch kein Filmemacher hat einen unserer Automaten-Freunde als Steuerzahler portraitiert. Dennoch: Das fantastische Konzept einer Computer-Steuer ist  bereits ein Thema - obwohl es noch weit davon entfernt ist, vielleicht einmal umgesetzt zu werden. Seit vielen Jahren spielen die Fragen, die sich bei der fortschreitenden Digitalisierung unserer Arbeitswelt und der zunehmenden Automatisierung von Arbeitsabläufen ergeben, eine immer größere Rolle auch in wirtschaftlichen und sozialen Debatten.

Wirtschaft | 24.04.2017

Das Grundproblem: Durch die schnellen Fortschritte bei der Entwicklung von  Artificial Intelligence (AI), also künstlicher Intelligenz, und der damit einhergehenden Automation geraten immer mehr Arbeitsplätze in Gefahr. Und kein Bereich der Arbeitswelt ist davon ausgenommen.

Roboter in der Industrie: Chirurgie-Roboter im Operationssaal

Maschinen-Kollegen können sehr hilfreich sein: Chirurgie-Roboter im Operationssaal eines Erfurter Krankenhauses.

Dazu wird oft eine Studie der Universität von Oxford zitiert. Darin errechnen die Ökonomen Carl Frey und Michael Osborne, dass in den kommenden zwanzig Jahren beinahe die Hälfte aller Jobs in der US-Wirtschaft einem "hohen Risiko" unterliegen, verloren zu gehen: Maschinen würden die Arbeit erledigen, die jetzt noch von Menschen geleistet wird.

Die radikalen Änderungen, die in unserer Arbeitswelt bereits vor sich gehen, werfen die grundsätzliche Frage auf: Wer wird denn dann in Zukunft noch Steuern zahlen?

Wirtschaft | 11.05.2017

Eine Gefahr für die gesamte Menschheit?

Bereits im Mai 2016 wurde in einem Antrag vor dem Europäischen Parlament der Vorschlag gemacht, Computer als "elektronische Personen" zu klassifizieren und deren Besitzer oder Betreiber dazu zu verpflichten, für sie Steuern abzuführen. Im Februar 2017 wurde das abgelehnt, allerdings versprach das Parlament, EU-weit gültige Regeln zu formulieren, um den Fortschritt der Roboterisierung zu regulieren.

Obwohl die Entscheidung vom Februar das vorläufige Aus für eine "Computer-Steuer" bedeutet, wird das Thema nicht von der Tagesordnung verschwinden. Vor einigen Monaten äußerte der Microsoft-Gründer Bill Gates seine Unterstützung bei der Besteuerung automatisierter Arbeit. Er halte, so Gates, diese Entwicklung für unvermeidbar.

Inzwischen eskaliert die Debatte über die zunehmende Roboterisierung. So streiten beispielsweise die Tech-Milliardäre Elon Musk und Mark Zuckerberg öffentlich über Musks These, dass die technische Entwicklung eine grundsätzliche und schnell wachsende Bedrohung für die Menschheit insgesamt darstellt.

Jobkiller oder Jobmotor?

Die Frage nach einer Steuerpflicht für Computer ist nur ein Teil der allgemeinen Diskussion um den Einfluss von AI, Automation, Digitalisierung auf die Zukunft der Arbeit. Aber technologische und industrielle Entwicklungen haben schon immer einen großen Einfluss auf die Natur der menschlichen Arbeit gehabt.

Einige Ökonomen argumentieren, dass die fortschreitende Automation die Produktivität steigern und damit den allgemeinen Wohlstand fördern würde, wie es in der Vergangenheit der Fall gewesen sei. So sei es möglich, durch eine ausgewogene "Computer-Steuer" entlassene Arbeitnehmer für andere Arbeiten zu qualifizieren und somit zu einem universalen Basis-Einkommen beizutragen.

Bill Gates etwa argumentiert, dass eine Verlangsamung des Automatisierungsprozesses Zeit verschaffen würde, Übergangslösungen zu finden, um die sozialen und wirtschaftlichen Konsequenzen, die sich daraus ergeben, abzufedern. Allerdings argumentieren die "Computer-Steuer"-Gegner, dass eine solche Abgabe den technischen Fortschritt nur ausbremsen würde.

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Deutschland Maschinenbau 2011

Aber ob Roboter nun Arbeitsplätze vernichten oder im Gegenteil sogar für mehr Beschäftigung sorgen können?

"Ein ganz altes Argument"

Für Enzo Weber vom deutschen Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) haben die Argumente aber schon einen ganz langen Bart. Gegenüber DW weist er daraufhin, dass immer jemand Arbeiter zu schützen versuche, aber das würde den technischen Fortschritt beenden und sei daher auch nicht gerade vernünftig. Er sei gegen eine "Computer-Steuer", weil die Untersuchungen des IBA keinen Hinweis darauf lieferten, dass mit einem so massenhaften Verlust zu rechnen sei, wie es andere prognostizierten.

Eine Studie der Wirtschaftswissenschaftlerin Katharina Dengler aus dem vergangenen Jahr kommt zu ähnlichen Ergebnissen. Sie widerspricht der Arbeit Freys und Osbornes und legt nahe, dass die fortschreitende Digitalisierung im Gegenteil sogar neue Jobs schaffen könne und zu einer höheren Beschäftigungsquote führen könnte.

Eines ist klar: Die Roboter kommen

Deutschland ist auf dem Gebiet der Robotik und der Automation weltweit führend, sowohl in der Produktion als auch in der Anwendung. 2016 ist der Umsatz in dieser Branche um sieben Prozent auf 11,8 Milliarden Euro gestiegen. Dazu sind in Deutschland 24,2 Prozent der Arbeiter in der Industrie beschäftigt, der EU-Durchschnitt liegt bei lediglich 21,9 Prozent. Da ist es nicht überraschend, dass es hierzulande einen merkbaren Widerstand gegen eine Versteuerung der Computer-Arbeit gibt.

Die in Frankfurt ansässige International Federation of Robotics (IFR) gab nach der Entscheidung des EU-Parlaments vom Februar zu Protokoll, "dass die Einführung einer Computer-Steuer einen sehr schlechten Einfluss auf Beschäftigung und Wettbewerbsfähigkeit" haben würde. Der Verband der Deutschen Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) stieß ins gleiche Horn. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) sagten gegenüber der DW, sie seien ebenfalls gegen die Einführung einer solchen Steuer.

Bedenkt man, wie groß die Uneinigkeit darüber ist, wie die Digitalisierung und die Automatisierung die Zukunft der Arbeit in Deutschland, der EU und darüber hinaus überhaupt verändern wird, wird klar, wie weit der Weg noch ist, bevor man über Maßnahmen nachdenken kann, wie man den Konsequenzen dieser Revolution in der Arbeitswelt begegnen soll.

In einem aber sind sich die meisten Beobachter einig: Die Roboter kommen. Ob sie fast alle Industrie-Arbeitsplätze verdrängen werden oder nur einige oder ob sie sogar für mehr Beschäftigung sorgen werden, bleibt umstritten. Ökonomische und politische Maßnahmen, die die möglicherweise dramatischen Veränderungen bewältigen sollen, können erst gefunden werden, wenn klar ist, wohin der Weg führt.

Wirtschaft

Roboter-Ballett

So sieht es in vielen Messehallen auf der Industrieschau aus: Roboter, wohin das Auge blickt. Große, starke, aber auch kleine und feine Stahlmaschinen. Und alle haben angeblich nur ein Ziel: Dem Menschen zu helfen.

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Mein Spielzeug, dein Spielzeug

Dieser nette Kollege (rechts) will ja nur mit Lego spielen. Das Unternehmen Schunk aus Lauffen am Neckar baut zwar selbst keine Roboter, verpasst denen aber sozusagen die Hände: Die Greifertechnik von Schunck ist gefragt in aller Welt.

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Die Fabrik der Zukunft

Groß, laut, schmutzig: Das war gestern. Die Fabrik von morgen ist klein, leise und sauber. Modular aufgebaut, im Zusammenspiel von Komponenten verschiedenster Anbieter, ist eine absolut flexible Produktion möglich: Mal ein einziges Exemplar, mal Massenproduktion.

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Die vernetzte Fabrik

Wer immer dachte, Dr. Oetker aus Bielefeld macht nur in Pizza und Bier: Falsch. Auch Symmedia gehört zum Konzern. Mit der Software der Firma sind mittlerweile schon 15.000 Fabriken vernetzt. Geschäftsführer Peter Barkowsky zeigt das neueste Produkt: Eine Datenbrille, mit dem ein digitaler Service für die Maschinen auch über Tausende Kilometer möglich wird - live, versteht sich.

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Und es hat Klick gemacht

Die Datenbrille ist in Hannover an vielen Messeständen bereits im Einsatz. Hier beim italienischen Maschinenbauer Comau. Gemeinsam mit dem IT-Riesen Microsoft wurde eine Schnittstelle entwickelt, über die sich die Produktionslinie berührungslos steuern lässt. Der Mausklick - er ist hier praktisch nur noch virtuell.

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Das Industrie-iPad

"Das iPhone hätte sich niemals so schnell durchgesetzt, wenn nicht jemand da gewesen wäre, der gesagt hat: Wir brauchen keine Bedienungsanleitung mehr. Und dieses Denken zieht jetzt in die Fabriken ein." So sagt es Messechef Jochen Köckler. Viele Hersteller, unter anderen Universal Robots aus Dänemark, zeigen entsprechende digitale Lösungen.

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Achtung: Sicherheitsschuhe anziehen!

Fabriken sind überfüllt mit einer Unmenge an Warnhinweisen und Schildern. Wie wäre es, wenn man künftig von der Smartwatch darauf hingewiesen würde, doch in diesem Bereich bitte Sicherheitsschuhe zu tragen?

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Kurze Pause: Geschichtsstunde

Bei so viel Zukunft tut ja auch mal ein Blick in die Vergangenheit gut. Vor genau 70 Jahren nämlich fand die allererste "Exportmesse" in Hannover statt. Export-Verträge im Wert von rund 32 Millionen Dollar wurden an den 21 (!) Messetagen geschlossen. Die Messe erinnert in diesem Jahr unter anderen mit einer Shuttle-Bus-Flotte des Bulli T1 daran - ein Symbol des Wirtschaftswunders.

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Apropos Bus

Dieses Exemplar ist deutlich moderner als der T1 - und vor allem der Antrieb: Eine Brennstoffzelle! Damit setzt Ursus, ein Hersteller aus dem Messe-Partnerland Polen, Maßstäbe. Und eine deutsch-polnische Koproduktion ist es auch noch: In den Hinterrädern sind zwei Elektroantriebe der deutschen Firma Ziehl-Abegg eingebaut.

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Huch, was kneift mich da?

Lernen von der Natur: Diesen Ansatz verfolgt der Automatierungs-Spezialist Festo schon länger. Mal ist es eine Drohne mit Flügeln wie ein Vogel, mal ein Elefantenrüssel. In diesem Jahr präsentieren die Ingenieure einen Greifarm, der einem Oktopus-Tentakel nachempfunden ist. Die Kanzlerin ist noch etwas skeptisch.

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Aus dem All nach Hannover

Jede Roboterhand hat Antriebe, die so klein wie möglich und trotzdem leistungsstark sein müssen. Darauf hat sich auch das Familienunternehmen Faulhaber aus Schönaich in Schwaben spezialisiert. Links im Bild ein Bauteil aus der Rosetta-Sonde der ESA: Zehn Jahre im All unterwegs und 6,5 Milliarden Kilometer Strecke - ohne Probleme überstanden.

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Stark ohne Training

Wer öfter und lange über Kopf mit schwerem Gerät arbeiten muss, weiß, wie anstrengend das ist. Exo-Skelette können da Abhilfe schaffen. Forscher der Bundeswehr-Universität zeigen in Hannover einen solchen Helfer, der die Sache deutlich erleichtert. Garantiert nur für zivile Zwecke!

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Der Rohr-Spion

Sind die verlegten Rohre noch dicht? Und wie prüft man das? Der US-Konzern General Electric zeigt diese Lösung: Ein Gerät heftet sich innen wie außen an die Pipeline - und los gehts. Die Technologie stammt von einem deutschen Mittelständler aus Köln, den GE vor einiger Zeit übernommen hat.

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Ah - eine Wolke!

Diese Cloud, von der immer alle sprechen - wo ist die eigentlich? Hier zum Beispiel, in Hannover. Aber nur symbolisch, versteht sich. Aber immerhin, es zeigt: Sogar der Online-Riese Amazon gehört mittlerweile zu den Ausstellern in Hannover. Denn Cloud-Service, also die Aufbewahrung von Daten auf entfernten Servern - das ist ein Riesen-Geschäft.

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Total analog

Zum Glück: Es ist nicht alles digital auf der Hannover Messe, auf der es bei den allermeisten der 6500 Aussteller um die Digitalisierung der Produktion geht. Falls der Rechner doch mal abstürzt oder der Server nicht erreichbar ist, steht in der Messehalle auch das ultimative Notfall-Tool bereit.

 

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