Marcus Schenkenberg: "Versace war ein Design-Genie"

Große Versace-Retrospektive in Berlin

Schenkenberg - das Lieblingsmodel

Fast jeder Designer hat eine. Die Rede ist von der Muse. Doch Marcus Schenkenberg möchte sich so nicht bezeichnen - auch wenn er in den 1990ern Gianni Versaces liebstes Männermodel war. Zur Eröffnung der Gianni Versace-Retrospektive kam das Supermodel jetzt nach Berlin. In unserer Bildergalerie geben wir einen kleinen Vorgeschmack auf das, was die Besucher dort erwartet.

Große Versace-Retrospektive in Berlin

Knallige Farben und starke Kontraste

Während er in den 1980ern vergleichsweise zurückhaltend-elegante Mode schuf, ging Versace in den 1990ern neue Wege. Wie kein anderer brachte er Farbe in seine Kollektionen. Auch vor eigenwilligen Farbkontrasten, wie hier auf dem Foto zu sehen, scheute er sich nicht. Versaces mutiger Einsatz von Farben wurde zu seinem Markenzeichen.

Große Versace-Retrospektive in Berlin

Neuer Look in der Männermode

Versace steht auch für die Befreiung der Männermode. Anfang der 1990er begann er mit der Kreation seiner berühmten Miami-Hemden, die ebenfalls im Berliner Kronprinzenpalais zu sehen sind. Während sich die Herrenmode vor Versace eher an gedeckten Farbtönen orientierte, ließ der Italiener die Farben förmlich explodieren.

Große Versace-Retrospektive in Berlin

Kleider für prominente Freunde

Mit Lady Diana war Gianni Versace eng befreundet. Unvergessen ist das Bild aus dem Gottesdienst für Versace, auf dem Diana und Elton John mit gleichermaßen erschütterter Miene nebeneinander sitzen und um ihren ermordeten Freund trauern. Für Diana schuf Versace einige seiner schönsten Kreationen, darunter auch dieses schlichte, leicht funkelnde rote Trägerkleid.

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Elegante Tücher

Gianni Versace ist nicht nur bekannt für seine Kleidung, sondern auch für seine Accessoires. Insbesondere seine Tuchkreationen sind berühmt und begehrt. Wie in seinen übrigen Kreationen, spiegelt sich auch in ihnen der glamouröse und zugleich farbenfrohe Stil des italienischen Modemachers wider.

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Ausdrucksstarker Schmuck

Ebenso virtuos bewegte sich Gianni Versace wenn es um Schmuck ging. Von der Vintage-Anstecknadel über die Medusa-Halskette bis hin zum geflochtenen Lederarmband sind viele seiner Kreationen zum Klassiker geworden. Diese Halskette ist in ihrem Design besonders eigenwillig. Wer sie trägt, setzt ein unverwechselbares Statement.

Große Versace-Retrospektive in Berlin

Ein Hochzeitsanzug für Sting

Es ist kein Geheimnis, dass Gianni Versace gerne für die Schönen und Reichen arbeitete. Mit vielen von ihnen war er auch persönlich befreundet. 1992 kreierte er etwa den Frack für die Hochzeit seines Freundes Sting. Das Material und die Form des Ensembles mit schwarz-weiß gestreifter Weste zeigen, mit welcher Freiheit Versace das Thema Herrenmode neu definierte.

Große Versace-Retrospektive in Berlin

Inspiration aus einer Subkultur

Auch mit seinen Kreationen für Frauen gelang es Versace, die Modewelt immer wieder zu überraschen. Im Herbst 1992 brachte er eine Bondage-Kollektion heraus. In bisher ungekannter Weise brachte er damit die Themen Fetisch und Sexualität in die Mode. Viel Leder, Metall-Applikationen, Hals- und Armbänder bildeten ein starkes Statement. Dieses Kleid trug Supermodel Naomi Campbell.

Große Versace-Retrospektive in Berlin

Eine Uhr für Elton John

Bei seinen Modenschauen brach der Designer mit einer alten Regel: Anstelle von ihm unbekannten finanzstarken Käufern platzierte er seine Celebrity-Freunde in der ersten Reihe seiner Shows. Darunter Madonna, Sting und Elton John, für die er auch einige der Kostüme ihrer Konzerttourneen schuf. Für John kreierte Gianni Versace mit dieser Uhr aber auch einen sehr persönlichen Gegenstand.

Große Versace-Retrospektive in Berlin

Der Modezar und seine Topmodels

Ein gewohntes Bild: Gianni Versace mit den Topmodels Linda Evangelista (l.) und Naomi Campbell (zweite v. l.) 1992 in Italien. Nicht umsonst gilt er als Begründer der Supermodel-Ära. Zum 20. Todestag lud seine Schwester die Topmodels der 1990er zu einer großen Show nach Mailand ein. Claudia Schiffer, Cindy Crawford, Carla Bruni, Helena Christensen oder Naomi Campbell - sie alle kamen.

Mit keinem anderen Männermodel arbeitete Gianni Versace so intensiv zusammen wie mit Marcus Schenkenberg. DW sprach mit dem Star-Model über das Modebusiness der 90er, freizügige Fotoshootings und die Zukunft von Versace.

Bis heute gilt Gianni Versace als einer der größten Modedesigner aller Zeiten. Für zahlreiche Stars, darunter Lady Diana, Sting oder Elton John, kreierte er Unikate.

Zum 40-jährigen Bestehen des Modelabels präsentiert der Berliner Kronprinzenpalais bis zum 13. April 2018 insgesamt 300 herausragende Exponate internationaler Sammler: Kreationen für Prominente wie Madonna, George Michael oder Prince, Accessoires und Einrichtungsgegenstände befinden sich darunter. Nach Angaben der Veranstalter ist dies die bisher weltweit größte Ausstellung mit Werken des Modeschöpfers. 

Einer, der eng mit Gianni Versace zusammenarbeitete, ist das Model Marcus Schenkenberg. Besonders in den 1990ern zierte er die Kampagnen von Versace. DW-Redakteur Gero Schließ hat das Model am Rande der Ausstellungseröffnung in Berlin getroffen. 

Deutsche Welle: Herr Schenkenberg, Sie haben mit vielen Designern zusammengearbeitet. Was war das Besondere an Gianni Versace?

Marcus Schenkenberg: Gianni Versace war der größte und berühmteste Designer in den 90ern. Er war ein regelrechtes Design-Genie. Er hatte diese Rock 'n' Roll Fashion Shows mit Lenny Kravitz als Live-Act. Ich habe viel für ihn gearbeitet: für seine Fashion-Shows oder die Kampagne mit Stephanie Seymour. Außerdem war ich auf dem Cover seines Buches "Men Without Ties". Dadurch verbrachte ich viel Zeit mit ihm. In seiner Villa in Miami, in der er später ermordet wurde, aßen wir auch zusammen zu Abend.

Marcus Schenkenberg ließ sich die Eröffnung der Versace-Retrospektive nicht entgehen

Gibt es etwas Bestimmtes, das Sie an seiner Mode mochten?

Ich mochte seine Leder-Outfits. In den 90ern habe ich viel Leder getragen, zum Beispiel Lederhosen und Ledershirts. Er hatte auch diese farbenfrohen Seidenhemden aus seiner Miami-Kollektion. Wenn du das getragen hast, gab es immer einen Wow-Effekt bei den Leuten. Meine Versace-Shirts hingen immer ganz vorne in meinem Kleiderschrank. Ich war stolz darauf, genauso wie Elton John in London. Mein Gott, er hatte einen Kleiderschrank wie diesen Raum hier, voll mit Versace-Sachen. Unglaublich!

Glauben Sie, es gibt eine Chance auf ein Versace-Revival?

Ich bin mir nicht sicher, seine Kleidung ist doch aus der Mode mittlerweile. Aber wer weiß, Modetrends kommen wieder. Vielleicht werden es seine Leder- und Seidenkreationen sein. Das kann man nie genau vorhersagen.

Sie haben sehr eng mit ihm gearbeitet. Haben Sie sich manchmal wie seine Muse gefühlt? Oder dass er ganz speziell nur für Sie designte?

Nein, das Gefühl hatte ich nicht - auch wenn das ein schöner Gedanke wäre. Aber wer weiß, vielleicht war es so (lacht). Doch Gianni Versace hat seine Kleidung für viele Menschen gemacht.

Das Model bei der Buchvorstellung von "Men Without Ties" 1995 in London

Versace hat immer gesagt, seine Models seien wie seine Familie für ihn. Haben Sie sich als Teil der Familie gefühlt?

Ja, schon ein bisschen. Wir haben zum Beispiel in seiner Wohnung in Mailand gemeinsam gegessen, sind für die Signierstunde zu "Men Without Ties" zusammen nach London gereist und waren bei Elton John zu Hause. Er war sehr nett und sehr offen, aber auch sehr professionell.

Wie waren die Fotoshootings für ihn? War er dabei?

Nein, normalerweise war er nicht dabei. Aber bei allen Modenschauen. Wenn ich auf den Laufsteg ging, legte er selber Hand an, richtete die Krawatte oder das Hemd. Er war sehr bei der Sache.

Welche Versace-Kampagne mochten Sie am liebsten?

Die Kampagne mit Stephanie Seymour, mit der ich damals etwas hatte. Ich war sehr aufgeregt, vielleicht ein bisschen zu sehr. Wir haben sechs Tage lang in New York gearbeitet. Bei dem Shooting war ich nackt und ich konnte mich kaum kontrollieren...

Vermissen Sie Gianni Versace heute?

Nun, es ist fast 21 Jahre her, dass er starb. Es ist traurig, dass er auf so gewalttätige Art sterben musste. Es war so früh, er wurde nur 50 Jahre alt - so alt, wie ich dieses Jahr werde.

Marcus Schenkenberg wurde 1968 in Solna bei Stockholm geboren. In den 1990ern war er das gefragteste Männermodel. Seinen Durchbruch hatte er mit einer Jeanskampagne für Calvin Klein. Er arbeitete unter anderem für Karl Lagerfeld, Donna Karan, Joop und immer wieder für Gianni Versace. Nach wie vor ist er bei Modelagenturen unter Vertrag und eines der bestbezahlten Männermodels.

Das Interview führte Gero Schließ.