Mehr als "Der Preis der Freiheit": Die Schriftstellerin Tsitsi Dangarembga aus Simbabwe

Sie ist ein Star in Simbabwe. Die Autorin Tsitsi Dangarembga leitet das afrikanische Literatur-Festival in Berlin. Der DW erzählt sie, welche Hürden sie nehmen muss, um in ihrer Heimat neue Erzählformen auszuprobieren.

Die meisten Journalisten, die Tsitsi Dangarembga interviewen, wollen über ihren Erfolgsroman "Der Preis der Freiheit" sprechen, den sie 1988 veröffentlicht hat. Es war nicht nur das erste Buch einer schwarzen Frau aus Simbabwe, das auf Englisch veröffentlicht wurde, es wurde auch 1989 mit dem renommierten "Commonwealth Writers Prize" ausgezeichnet und anschließend in viele Sprachen übersetzt. 2018 landete die Novelle auf der BBC-Liste der "Hundert Geschichten, die die Welt prägten". Die Ehrungen mögen schmeicheln, doch langweilt es Dangarembga auch, dass sich immer alles nur um dieses eine Werk dreht: "Ich meine, ich habe es vor 30 Jahren geschrieben", sagt die Autorin, die in diesem Jahr das afrikanische Literaturfestival"African Book Festival Transitioning from Migration" kuratiert, das vom 4. bis 7. April in Berlin stattfindet.

Der Roman "Nervous Conditions" (dt.: Der Preis der Freiheit) erschien 1988

Drei Jahrzehnte dauerte es, bis Dangarembga ihre Roman-Trilogie rund um die Hauptfigur aus "Der Preis der Freiheit" zu Ende brachte. Der zweite Teil, The "Book of Not", erschien 2006. Das dritte Buch, "This Mournable Body", wurde erst 2018 veröffentlicht und das unter großen Schwierigkeiten. "Das Manuskript war von mehreren Verlagen abgelehnt worden. Irgendwann war ich so verzweifelt, dass ich anfing, Auszüge auf Facebook zu posten", erzählte Dangarembga auf der Eröffnungsveranstaltung des afrikanischen Festivals in Berlin. Zum Glück aber kümmerte sich schließlich die renommierte Redakteurin und Literaturkritikerin Ellah Wakatama Allfrey um das Erscheinen des Buchs.

Der Roman wurde von der "New York Times Book Review" als "Meisterwerk" gelobt. Das Rezensionsmagazin "Kirkus Reviews" urteilte, das Buch gebe einen prägnanten Einblick in das Leben im postkolonialen Simbabwe, das von Frauenfeindlichkeit und Klassenkampf geprägt sei.

Filmemacherin und Aktivistin

Die 1959 in Simbabwe, damals noch Rhodesien, geborene Autorin hatte bereits in den 1980er-Jahren erkannt, dass sie ihr Betätigungsfeld erweitern muss, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Sie entschied sich, Film zu studieren, wurde 1989 an der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin aufgenommen und promovierte anschließend an der Berliner Humboldt-Universität im Fach Afrika-Wissenschaften. Unterdessen schrieb sie das Drehbuch für den Film "Neria" (1993), der zum meist gesehenen Film Simbabwes wurde. Der Soundtrack stammte von Simbabwes Musikikone Oliver Mtukudzi, der im Januar 2019 unerwartet verstarb.

Afrika | 13.07.2009

Dangarembga drehte im Laufe ihrer Karriere auch eigene Dokumentationen und Spielfilme. Darunter "Everyone's Child" (1996), der erste Spielfilm einer schwarzen Simbabwerin. Und "Growing Stronger" von 2005. Ein Dokumentarfilm über zwei sehr unterschiedliche Frauen in Simbabwe, die mit HIV leben.

Engagiert in ihrem Heimatland

Um die Jahrtausendwende kehrte Dangarembga mit ihrer Familie aus Deutschland nach Simbabwe zurück, und widmete sich verschiedenen Projekten zur Entwicklung der Filmindustrie und der Förderung von Regisseurinnen. So gründete sie das Frauen-Film-Festival in Harare. Außerdem ist sie Direktorin des "Institute of Creative Arts for Progress" in Afrika, einer Organisation, die audiovisuelle Kunst in Simbabwe unterstützt.

Tsitsi Dangarembga und der nigerianische Autor Ben Okri

Trotz dieser verschiedenen prestigeträchtigen Aktivitäten und der zahlreichen Auszeichnungen, die sie in Simbabwe und weltweit gesammelt hat, berichtet Dangarembga, wie schwierig es immer noch sei, Gelder für ihre Filme zu bekommen. Derzeit betreibt sie eine Crowdfunding-Kampagne, um ihr Spielfilmprojekt "Nnenna" zu finanzieren, eine Adaption des Romans "Trapped in Oblivion" von der Autorin Ifeoma Theodore Jnr E über ein Mädchen, das ihre Sexualität entdeckt, aber darüber nicht mit ihrer Mutter sprechen kann.

Die Macht des Kulturbetriebs

Wie Dangarembga auf dem Podium in Berlin unterstrich, sei es symptomatisch für die Kulturlandschaft Simbabwes, dass auch bereits etablierte Filmemacherinnen wie sie um die Finanzierung ihrer Projekte kämpfen müssten. Die letzte Produktion im Land, die mit einem großen Budget, umgerechnet 214.000 Euro, ausgestattet werden konnte, war "Chinhoyi 7". Das Epos erzählt vom Befreiungskampf des Landes. Und das sei bezeichnend, so Dangarembga. "Wenn du nicht in die bekannten Erzähltraditionen passt, ist es unmöglich, in Simbabwe zu produzieren."

Beim Versuch anders zu erzählen, sei sie immer wieder an den kulturellen Institutionen gescheitert. Wenn sie keine Unterstützung von ihnen bekäme, sei es unmöglich Filme zu machen. Und das sei das Ende. "Eine Erzählung ist nur dann vollständig, wenn sie auch gehört wird", sagt sie ernüchtert.

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