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Theater

#MeToo: Bühnenverein beschließt Verhaltenskodex

10. Juni 2018

Fälle von sexueller Gewalt - auch in der deutschen Branche - standen im Fokus der Jahreshauptversammlung des Deutschen Bühnenvereins in Lübeck. Ein Verhaltenskodex soll Übergriffe künftig verhindern helfen.

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Jahreshauptversammlung Deutscher Bühnenverein
Bild: picture-alliance/dpa/B. Pedersen

Freiräume der Kunst dürften nicht missbraucht werden, heißt es in dem Kodex. Jede Form der sexuellen Belästigung müsse unterlassen werden, ebenso "Übergriffe in gestischer, sprachlicher und körperlicher Form". Es dürfe nicht mit Nachteilen bei der Ablehnung von Avancen gedroht werden, ebenso wenig dürften Vorteile für sexuelle Zugeständnisse versprochen werden.

In jedem Haus individuell weiterentwickeln

Ulrich Khuon Intendant Deutsches Theater Berlin
Ulrich Khuon, Präsident des Deutschen BühnenvereinsBild: picture-alliance/dpa/von Jutrczenka

Der Kodex sei "kein Katalog, der menschliches Verhalten bis in den letzten Winkel hinein diktiert und ausleuchtet", sagte Vereinspräsident Ulrich Khuon. Die Mitgliedstheater und -orchester sollten ihn nun individuell weiterentwickeln - der Kodex solle sie darin bestärken, mit allen Mitarbeitern immer wieder neu auszuhandeln, wie man miteinander umgehe und arbeite.

Schleswig-Holsteins Kulturministerin Karin Prien (CDU) lobte die Initiative als "wichtiges Signal". Der Bühnenverein habe damit "Machtmissbrauch und sexueller Belästigung auch im Kulturbereich den Kampf angesagt". 

Unabhängige Vertrauensstelle

Die Ministerin würdigte auch das Vorhaben, in Berlin eine unabhängige Beratungsstelle gegen sexuelle Belästigung und Gewalt einzurichten. Ende Mai hatten Verbände und Gewerkschaften der Film- und Fernsehbranche gemeinsam mit Produzenten, Sendern, Theatern und Orchestern in Deutschland zu diesem Zweck einen Trägerverein gegründet.

Die "Themis-Vertrauensstelle" soll in einigen Wochen in Berlin an den Start gehen. "Themis, die Göttin der Gerechtigkeit, ist eine gute Patin für eine unabhängige Beratungsstelle, die außerhalb von Theatern und Orchestern angesiedelt ist", so Marc Grandmontagne, geschäftsführender Direktor des Bühnenvereins.

Marc Grandmontagne (Ausschnitt)
Marc Grandmontagne, geschäftsführender Direktor des Deutschen BühnenvereinsBild: picture-alliance/Geisler/F. Kern

"Hier sollen Betroffene Hilfe bekommen, juristische Beratung ebenso wie psychologische Betreuung." Man hoffe, alle zu erreichen. Im Zusammenhang mit der #MeToo-Bewegung seien auch in einigen Theatern Belästigungsvorwürfe bekannt geworden.

Mehr Geschlechtergerechtigkeit

Bei seiner Jahreshauptversammlung in Lübeck beschloss der Bühnenverein zudem - als "weiteren Schritt in Richtung Geschlechtergerechtigkeit" - "in absehbarer Zeit" alle Gruppenvorstände und Gremienpositionen paritätisch zu besetzen. 

Hier noch ein Auszug aus dem verabschiedeten Verhaltenskodex:

"Als Theater und Orchester haben wir gemeinsame Werte. Wir zeigen Haltung und ermutigen uns gegenseitig, jede Form von Übergriff oder Diskriminierung zu unterbinden. Geschlechtergerechtigkeit und Chancengleichheit sind für uns elementar. Wir stellen uns der Herausforderung, die Diversität unserer Gesellschaft in unseren Häusern abzubilden und zu leben."

Jahreshauptversammlung Deutscher Bühnenverein im Theater Lübeck 2018
Veranstaltungsort der Jahreshauptversammlung des Bühnenvereins 2018: Das Theater LübeckBild: picture-alliance/dpa/O. Malzahn

Dem Deutschen Bühnenverein gehören nach eigenen Angaben 470 Staats- und Stadttheater, Landesbühnen, Privattheater, Orchester und persönliche Mitglieder an. Er wurde 1846 gegründet und ist damit einer der ältesten Theaterverbände der Welt.

nf/AR (epd/dpa)