Micky Maus: 90. Geburtstag eines Weltstars

Die berühmteste Maus der Welt wird 90: Happy Birthday, Micky

Micky und sein Schöpfer Walt Disney

Kaum jemand weiß, dass die Maus ihre Karriere als Ersatzmann begann. Walt Disneys erster Star war nämlich "Oswald the lucky rabbit", ein Hase. Disney verlor allerdings die Rechte an der Figur, und so schlug Mickys große Stunde. Ursprünglich sollte er mal Mortimer heißen, aber diesen Namen fand angeblich Disneys Frau zu bieder: Sie soll "Micky" vorgeschlagen haben.

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Premiere im Kino

Am 18. November 1928 feierte Micky Maus in dem Streifen "Steamboat Willie" seine Leinwandpremiere im Kino. Fast acht Minuten dauerte der Zeichentrickfilm, der sogar vertont war. Erzfeind Kater Karlo und die angebetete Minnie Maus waren auch schon mit von der Partie. Publikum und Presse waren begeistert. Die New York Times schrieb: "Er ist eine einfallsreiche Arbeit, die viel Spaß bereitet."

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Durchgefallen: Plane Crazy

Eigentlich hatte Micky seinen ersten Auftritt sogar schon sechs Monate zuvor in dem Stummfilm "Plane Crazy“, in dem er dem Piloten Charles Lindbergh nacheiferte, der damals gerade als erster den Atlantik überflogen hatte. Doch der Streifen fand keinen Verleih und kam erst später - diesmal vertont - auf den Markt. Disneys Mitarbeiter Ub Iwerks zeichnete für den Film rund 700 Bilder am Tag.

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Micky in Farbe

Bis 1935 sah man Micky nur in Schwarz-Weiß, dann wurde es farbig in seiner Welt. Walt Disney selbst verlieh seiner kleinen Maus, in die er sein ganzes Firmenvermögen gesteckt hatte, von 1928 bis 1946 seine Stimme. "Das tapfere kleine Schneiderlein" (Foto) galt seiner Zeit technisch weit voraus und war bis in die 1990er Jahre ein Vorbild für Animationen in modernen Cartoons.

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Micky im Spielfilm

Ab 1939 stahl Donald Duck Disneys Lieblingsfigur zunehmend die Show. Also entschied sich Disney, der Maus einen Auftritt in einem abendfüllenden Spielfilm zu widmen. "Fantasia" war ein experimentelles Meisterwerk aus Animation und Musik, für das Disney 1942 den Ehrenoscar bekam. Auch Micky hätte ihn verdient - als "Zauberlehrling", der sich zur Musik von Paul Dukas mit verhexten Besen rumschlägt.

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Micky feiert Weihnachten

In den 1950er Jahren gab es nur noch wenige Kurzfilme mit Micky, schließlich wurden sie ganz eingestellt. Erst 1983 feiert die Maus mit dem Oscar-nominierten Film "Mickys Weihnachtsgeschichte" ein glanzvolles Comeback. Fünf Jahre später (der Oscar wurde damals genau wie Micky 60 Jahre alt) verkündete die Maus bei der Oscar-Gala höchstpersönlich den Gewinner in der Kategorie Bester Kurztrickfilm.

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Micky als Mime

Auch wenn Micky hier traurig guckt, keine Sorge: Das schreibt das Drehbuch von "Der Prinz und der Bettelknabe" vor. Der Film war 1990 ein großer Erfolg. Kein Wunder mit so einem Hauptdarsteller. Schließlich erhielt der talentierte Mäuserich schon 1978 als erster Zeichentrick-Star überhaupt einen Stern auf dem Walk of Fame. Starallüren hat er aber keine, am wichtigsten sind für ihn seine Freunde.

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Mickys große Liebe

Der Mäuserich hat es nicht immer leicht mit seiner Minnie. Aber eigentlich sind die beiden unzertrennlich, traten schon 1928 gemeinsam im ersten Film auf. Minnie arbeitet als Sekretärin und Reporterin. Sie liebt rote Kleider und Blumen. Micky unternimmt so ziemlich alles, um ihr zu gefallen. Leider macht auch Kater Karlo seiner Angebeteten immer wieder den Hof.

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Mickys tierischer Freund

Pluto wurde 1930 geboren. Ursprünglich hieß er mal Rover. Er liebt Kalbsknochen, "Hundsminze" und natürlich sein Herrchen Micky Maus. Oft steht er dem Mäuserich hilfreich zur Seite. Er wittert Gefahren, lange bevor Micky etwas ahnt. Anders als viele andere Tiere bei Disney kann Pluto allerdings nicht sprechen, sondern nur bellen und knurren.

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Mickys bester Kumpel

Goofy ist sanftmütig, ein wenig zerstreut, tollpatschig und stets gut gelaunt - anders als sein Sohn Max (im Foto rechts). Sein Debüt feierte er 1932 und hat somit auch schon einige Hundejahre auf dem Buckel. Zusammen mit Micky hat er schon viele Abenteuer bestanden. Und beide wissen: Auf diese Hund-Maus-Freundschaft ist Verlass.

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Erfolgreich mit Comic-Heften

Der erste Micky Maus-Comic erschien 1931 in den USA. Auch international wurde Micky schnell populär. Vorreiter in Europa war Italien, das die Geschichten aus Amerika nicht nur übernahm, sondern für "Topolino" (italienisch für Mäuschen) eigene Abenteuer erfand. In Deutschland erscheint seit 1951 einmal monatlich das Micky Maus-Magazin - bis heute ein Verkaufsschlager.

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Micky und die Prominenz

Moderne Technik macht's möglich: Hier richtet Micky dem berühmten Dirgenten James Levine die Fliege, während beide für den Auftakt des Konzerts "Pomp and Circumstance" von Sir Edward Elgar noch auf Donald Duck warten. Der steht noch unter der Dusche ...

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Stars in Disneyland: Micky und Minnie

Der erste Disneyland-Park eröffnete 1955 in Kalifornien seine Pforten. Mittlerweile gibt es sechs davon: Von Tokio bis Paris lassen sich große und kleine Besucher von Disneys sympathischen Figuren verzaubern. Und Micky ist mit seiner Freundin Minnie natürlich einer der Stars, die immer im Blitzlichtgewitter stehen.

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Ausstellung zu Mickys Ehren

Anlässlich seines 90. Geburtstags am 18. November gibt es in New York eine große Ausstellung zu Mickys Ehren. Er selbst wird wohl eher im Kreis seiner Lieben feiern - mit Herzensdame Minnie, den Neffen Mack und Muck, Goofy und Pluto. Und dann sein Leibgericht genießen: Spinat und Erdbeeren mit Sahne. Happy birthday, Micky!

Vor 90 Jahren tauchte Micky Maus erstmals auf der Kinoleinwand auf. Jetzt feiert die berühmteste Comic-Figur der Welt Geburtstag. Ein neuer Bildband erzählt Mickys ganze Geschichte.

Ist Micky Maus die Mona Lisa des 21. Jahrhunderts? Beim Blick in "Mickey Mouse: Die ultimative Chronik" deutet jedenfalls vieles darauf hin. Jede noch so abwegige Frage zur berühmten Schöpfung von Walt Disney wird in dem neuen Buch des Taschen-Verlages beantwortet. Garantiert jede.

Der Taschen-Verlag ist seit einigen Jahren Vorreiter in der Publikation von Büchern im XXL-Format und das bedeutet: besonders groß, besonders dick, besonders bunt. Wer nun vermutet, dies ginge auf Kosten von Tiefe und Intellekt, irrt sich. "Die ultimative Chronik", wie das Buch im Untertitel heißt, das der Verlag zum 90. Geburtstag von Micky Maus herausbringt, liegt u.a. in Deutsch und Englisch vor. Fans der Pop-Kultur kommen auf ihre Kosten.

Geburtstagsbuch mit tausend Details zu Micky Maus

Die Fülle an Dokumenten ist überwältigend. Das hat natürlich seinen Preis. Auch dieses XXL-Buch kauft man nicht mal nebenbei im Buchladen um die Ecke. Die knapp 500 Seiten kosten 150 Euro. Außerdem gibt es eine auf 995 Exemplare limitierte Art Edition mit einem Faksimile eines Mickey-Mouse-Merchandise-Katalogs von 1936 und einem Portfolio mit fünf Drucken, die demnächst beim Verlag auch zu haben ist.

Keine Frage bleibt unbeantwortet in "Walt Disney's Mickey Mouse: Die ultimative Chronik"

Die Bücher des 1980 von Benedikt Taschen in Köln gegründeten Verlags erscheinen längst weltweit in mehrsprachigen Ausgaben. Sie spiegeln damit einen Trend wieder, der den deutschen Buchmarkt seit einiger Zeit erfasst hat: auf der einen Seiten E-Books, billige Krimis, Unterhaltungsware in Massenauflage; auf der anderen Seite teuer gestaltete Bücher mit Anspruch. Taschen steht mit an der Spitze dieser zweiten Ausprägung.

Zwei Amerikaner haben sich tief ins Disney-Archiv eingegraben

Zurück zu Micky. Zwei Autoren haben sich in die Archive des Walt Disney-Konzerns vergraben und Beeindruckendes zu Tage gefördert: über 1200 Illustrationen, erste Entwürfe, Zeichnungen, Storyboards, Plakate, Fotos, alles in bester Qualität abgedruckt. David Gerstein, US-amerikanischer Animations- und Comic-Historiker, sowie der Filmhistoriker J.B. Kaufmann zeichnen die Geschichte der Maus akribisch wieder, von ihren Anfängen als frühe Kinofigur bis zum digitalen Popphänomen unserer Tage.

Pionier des Zeichentrickfilms: Vor 50 Jahren starb Walt Disney

Handwerkliches Können

Walt Disney, geboren 1901 in Chicago, war ein genialer Zeichner. Das vom Kölner Taschen-Verlag herausgegebene Buch dokumentiert dieses Talent des US-Amerikaners mit Hunderten von Entwürfen und Zeichnungen. So kann man gut nachvollziehen, wie Disneys berühmten Filme entstanden.

Pionier des Zeichentrickfilms: Vor 50 Jahren starb Walt Disney

Frühe Arbeiten am Filmset

Schon in den 1920er-Jahren begann der junge Walt Disney, für den Film zu arbeiten. Seine Filmreihe "Alice Comedies" mischte Trick- und Realfilm. Hier eine Szene am Set mit dem Kinderstar Virginia Davis aus "Walt Disney Alice’s Spooky Adventure".

Pionier des Zeichentrickfilms: Vor 50 Jahren starb Walt Disney

Die großen Spielfilme

Der Band mit über 1500 Abbildungen verfolgt akribisch die Karriere Walt Disneys von den Anfängen bis zu seinem Tod am 15. Dezember 1966. Im Mittelpunkt stehen die großen abendfüllenden Filme des Zeichners, Regisseurs und Produzenten. 1937 kam mit "Schneewittchen und die sieben Zwerge" zum ersten Mal ein langer Spielfilm in die Kinos - und wurde zu einem Riesenerfolg.

Pionier des Zeichentrickfilms: Vor 50 Jahren starb Walt Disney

Legendäre Filmfiguren

Die von Disney erfundenen Figuren sind weltbekannt - wie Micky Mouse. Dabei ist die Urheberschaft gerade dieser Figur nicht unumstritten, galt doch sein damaliger Art-Director Ub Iwerks als eigentlicher Erfinder der berühmten Maus. Disney selbst gab die Zeichnerei 1926 auf, behielt aber alle Fäden in der Hand. Er galt als Perfektionist - ohne sein Einverständnis verließ kein Produkt sein Haus.

Pionier des Zeichentrickfilms: Vor 50 Jahren starb Walt Disney

Phantasie ohne Grenzen

In den 1940er- und 1950er-Jahren entstanden die großen abendfüllenden Filme Disneys: "Pinocchio", "Dumbo", "Bambi", "Fantasia", "Cinderella", "Alice im Wunderland" und 1953 "Peter Pan" (unser Bild). Sie waren wunderschön gezeichnet und versetzten die Zuschauer in Wunder- und Traumwelten. Der Phantasie schienen keine Grenzen gesetzt.

Pionier des Zeichentrickfilms: Vor 50 Jahren starb Walt Disney

Wie entsteht ein Zeichentrickfilm?

An den abendfüllenden Filmen Disneys waren Tausende von Mitarbeitern beteiligt, vor allem natürlich Zeichner, Grafiker und Maler. Bis der fertige Film ins Kino kam, entstanden viele hundert Entwürfe - alles Zwischenschritte zum endgültigen Produkt. Das kam dann allerdings nur unter einem Namen in die Lichtspielhäuser: Walt Disney. Hier ein Entwurf für "Dornröschen" aus dem Jahr 1959.

Pionier des Zeichentrickfilms: Vor 50 Jahren starb Walt Disney

Klassiker der Familienunterhaltung

Blättert man sich durch die über 600 Seiten des prächtigen Bildbands, kommen viele Erinnerungen wieder hoch - an die Filme, die ältere Zuschauer einst in den Kinos gesehen haben und die jüngeren im Fernsehen oder auf DVD. Legendäre Filmerfolge wie "Bambi" (1942) erwachen wieder zum Leben. Ein bibliophiler Augenschmaus.

Pionier des Zeichentrickfilms: Vor 50 Jahren starb Walt Disney

The Walt Disney Film Archives

Das Buch "The Walt Disney Film Archives. The Animated Movies 1921 - 1968" entstand in Zusammenarbeit mit den Walt Disney-Archiven und -Bibliotheken in den USA und wurde von Daniel Kothenschulte herausgegeben. Zahlreiche Essays von Disney-Experten führen in das Werk und die einzelnen Filme ein. Der Kölner Taschen-Verlag hat es auf Englisch und Deutsch veröffentlicht, ISBN 978-3-8366-5291-2.

Zur deutschen Ausgabe hat der Filmpublizist und Disney-Experte Daniel Kothenschulte das Vorwort beigesteuert. "Wie konnte sich Micky so lange Zeit diese Popularität bewahren und kontinuierlich jede nachwachsende Generation erfreuen?", fragt Kothenschulte zu Beginn und gibt dem Leser ein paar Erklärungsversuche mit auf den Weg, stützt sich dabei aber auch auf das Urteil von berühmten "Zeitgenossen" der Maus. Hier eine kleine Auswahl:

Die Form sei für den Erfolg hauptverantwortlich, so der amerikanische Schriftsteller John Updike: "Diese Ohren gehören nicht zum dreidimensionalen Raum, sondern ins ideale Reich der Zeichen, der Symbolisierung, der Zeichentrickwandlungsfähigkeit und - unzerstörbarkeit."

Micky Maus als Disneys Alter Ego?

Anders sah es Walter Benjamin. Der Kulturphilosoph verstand die Maus als eine Einladung für Jedermann: "Also, nicht 'Merchandising'. Nicht das 'Formale', nicht ein 'Mißverständnis' ist hier für den ungeheuren Erfolg dieser Filme die Basis, sondern, dass das Publikum sein eigenes Leben in ihnen wiederentdeckt."

Andere, wie der Zeichner Frank Thomas, setzen auf autobiografische Erklärungsmuster: "Die erstaunliche Maus war tatsächlich Walts Alter Ego. Sie spiegelte die persönlichen Charakterzüge, die Lebensauffassung und die Ideen ihres Chefs."

Mickey Mouse heißt Micky auf Englisch

Und der Meister selbst? Der hielt von solchen Gedankenspielen recht wenig: "Wir versuchen nur, einen guten Film zu machen. Und dann kommen die Professoren und sagen uns, was wir tun." Gemeint mit den "Professoren" war damals der britische Schriftsteller Aldous Huxley, dessen Auslassungen und Interpretationen Disney ablehnte.

Eine Maus als Projektionsfläche für Interpretationen

Was bleibt also? Worin liegen die Gründe für den Erfolg der 90 Jahre alten analogen Maus im digitalen Zeitalter? Wahrscheinlich ist die Frage nicht letztgültig befriedigend zu beantworten. Und damit sind wir wieder bei Mona Lisa. Auch deren Lächeln ist bis heute nicht zu erklären. So geht es wohl allen großen überzeitlichen Kulturphänomenen, ob Mona oder Maus - ein letztes Rätsel bleibt.

Die gebundene Ausgabe von "Mickey Mouse: Die ultimative Chronik" mit 496 Seiten erscheint am 25. November beim Taschen Verlag, ISBN: 978-3836552837.