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Migration: Drei Viertel aus Europa

21. Januar 2015

1,23 Millionen Zuwanderer sind 2013 nach Deutschland gekommen - so viele wie seit zwei Jahrzehnten nicht mehr. Das Bundeskabinett diskutierte den Migrationsbericht und sicher auch den Ruf nach einem Einwanderungsgesetz.

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Menschen mit Migrationshintergrund bei einem Empfang des damaligen Bundespräsidenten Christian Wulff im Berliner Schloss Bellevue (Foto: Sean Gallup/Getty Images)
Bild: Getty Images

Vor dem Hintergrund des erstarkten Rechtspopulismus ist das Thema brisant. Das Stichwort "Einwanderung" löst viele Assoziationen aus - die sind aber häufig falsch, wie der Migrationsbericht 2013 ausweist. So kamen mehr als drei Viertel aller Zuwanderer aus Europa. Viele von ihnen sind hervorragend ausgebildet.

An der Spitze der Herkunftsstaaten liegt das Nachbarland Polen (197.000 Zuzüge), das schon seit 1996 Hauptherkunftsland ist. Gleichzeitig zogen 125.400 Deutsche in umgekehrter Richtung nach Polen.

Rumänien, Spanien, Griechenland...

Andere Hauptherkunftsländer sind Rumänien, Italien, Spanien und Griechenland. Mehr Aus- als Einreisen gab es im Jahr 2013 nur in die Schweiz und in die Türkei. Insgesamt wählten Menschen, die aus Deutschland wegzogen, zu 61 Prozent ein EU-Land als Ziel. Die Zahl der Fortzüge aus der Bundesrepublik stieg ebenso wie die der Zuzüge deutlich an: Sie wuchs um zwölf Prozent auf 800.000.

Unter dem Strich bleibt damit ein Zuwanderungsplus von rund 430.000 Menschen. Die Experten sprechen von einem "Wanderungsgewinn", weil Deutschland mit Blick auf den Bevölkerungsrückgang und die Überalterung der Gesellschaft jedes Jahr mehrere hunderttausend Einwanderer benötigt, um seinen Arbeitskräftebedarf zu decken. Im Vergleich zu den anderen EU-Staaten sei die Bundesrepublik "ein Hauptzielland von Migration", heißt es weiter in dem vom Bundeskabinett gebilligten Bericht.

Zuzüge nach Deutschland nach den 10 häufigsten Staatsangehörigkeiten für 2013 (DW)

Oppermann: "Wir brauchen ein Einwanderungsgesetz"

"Es ist ein Glück für uns, dass so viele Arbeitnehmer gerade aus der Europäischen Union zu uns gekommen sind - ohne sie hätten wir keine Überschüsse in den Sozialversicherungen", sagte SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann, der den Koalitionspartner CDU/CSU zu raschen Gesprächen über ein Einwanderungsgesetz drängt. "Vielen ist das Ausmaß der demografischen Auswirkungen in den nächsten 20 Jahren überhaupt noch nicht bewusst", so Oppermann.

Asylanträge in Deutschland nach Herkunftsländern 2013 (DW)

"Bestmögliche Lebens- und Integrationschancen bieten"

Auch in der Union gibt es Befürworter eines Einwanderungsgesetzes, wie es etwa CDU-Generalsekretär Peter Tauber ins Spiel gebracht hatte. Die SPD will der Union bis Ende Februar ein Positionspapier vorlegen. Druck kommt aber auch von der Opposition. Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt forderte die Bundesregierung auf, Einwanderern und ihren Familien bestmögliche Lebens- und Integrationschancen zu bieten.

Ein Einwanderungsgesetz und eine breite gesellschaftliche Debatte darüber seien überfällig. "Sonst kommen die Menschen, die wir aufnehmen wollen, nicht zu uns, sondern gehen in attraktivere Länder", sagte Göring-Eckardt und fügte hinzu: "Ein Land, in dem sich Rechtspopulismus Bahn bricht, ist für Einwanderer alles andere als attraktiv."

Starker Anstieg bei Asylanträgen

Erstanträge auf Asyl zählten die deutschen Behörden im Jahr 2013 rund 109.600, das waren knapp 70 Prozent mehr als im Vorjahr. Demnach kamen 39,1 Prozent aller Antragsteller aus Europa, 38,8 Prozent aus Asien und 20,5 Prozent aus Afrika. Seit voriger Woche ist auch die Zahl der Asylanträge aus dem vergangenen Jahr bekannt: 2014 beantragten knapp 203.000 Menschen in Deutschland Asyl. Die Zahl der Anträge ist aber nicht gleichzusetzen mit der Anzahl der Menschen, die hierzulande auch Asyl erhalten.

jj/se (dpa, afp, rtr)