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"Moderne Meister" im Kunstmuseum Bern

7. April 2016

"Moderne Meister" nennt das Kunstmuseum Bern seine aktuelle Ausstellung. Und möchte zeigen, über welche Wege von den Nationalsozialisten diffamierte Kunst in den Besitz des Schweizer Museums gelangte.

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Ernst Ludwig Kirchners Bild "Alpsonntag. Szene am Brunnen" (Copyright: Kunstmuseum Bern)
Ernst Ludwig Kirchners "Alpsonntag. Szene am Brunnen" (1923–1925)Bild: Kunstmuseum Bern / Ausschnitt

In seiner hochkarätigen Kollektion Klassischer Moderne versammelt das Kunstmuseum Bern Arbeiten von Barlach, Chagall, Corinth, Dix, Kandinsky, Kirchner, Klee, Macke, Marc oder Picasso. Manche der Gemälde und Plastiken gehörten ursprünglich deutschen Museen oder privaten Sammlern. Von dort wurden die Kunstwerke entfernt, gewinnbringend verkauft oder zerstört: Die Nationalsozialisten hielten sie für "jüdisch", "bolschewistisch", kurz für "entartet" - ein dunkles Kapitel deutscher Kunst- und Kulturgeschichte.

Mit seiner Ausstellung "Moderne Meister" gewährt das Berner Museum jetzt Einblicke in die eigene Sammlungsgeschichte: Die Schau zeigt insgesamt 70 Objekte, darunter eine Auswahl von 53 Gemälden, Papierarbeiten und Plastiken Moderner Meister aus der eigenen Sammlung. Sieben der ausgestellten Werke waren bis 1937 Teil von Museumssammlungen in Deutschland.

Kunstmuseum Bern: Sammlung größtenteils geschenkt

Die Kuratoren gehen in "Moderne Meister" verschiedenen Fragen nach: Was sollte "Entartete Kunst" sein? Wie reagierte die Schweiz kulturell auf die Bedrohung durch Deutschland? Wie wurden Kunstwerke aus deutschen Museen in der Schweiz verkauft? Weitere Bereiche der Ausstellung sind Künstlern gewidmet, die unter der Diktatur in Deutschland zu leiden hatten und in besonderer biografischer Beziehung zur Schweiz standen, so zum Beispiel Ernst Ludwig Kirchner, Paul Klee und Otto Dix. Auch die eigene Provenienzforschung möchte man der Öffentlichkeit vorstellen. Denn das Museum hat nur einen kleinen Teil seiner Sammlung selbst erworben. Die meisten Werke seien dem Museum geschenkt, vererbt oder gestiftet worden, heißt es in Bern.

Bundeskunsthalle Bonn und Kunstmuseum Bern planen Gurlitt-Schau

Interessant ist der Zeitpunkt des Projekts: Das Kunstmuseum Bern ist Anwärter auf den millionenschweren Nachlass des verstorbenen Kunstsammlers Cornelius Gurlitt, Sohn des einstigen NS-Kunsthändlers Hildbrand Gurlitt. Gurlitts Kunstbesitz ging als "Schwabinger Kunstfund" in die Geschichte ein. Doch ist die Erbfrage bislang offen. Ein Teil der Werke gilt als NS-Raubkunst. Das Kunstmuseum Bern und die Bundeskunsthalle in Bonn planen eine Doppelausstellung mit ausgesuchten Werken der Gurlitt-Sammlung.

August Mackes Bild "Gartenrestaurant" (1912) zeigt eine illustre Gesellschaft (Copyright: Hermann und Margrit Rupf-Stiftung, Kunstmuseum Bern)
August Mackes "Gartenrestaurant" (1912)Bild: Hermann und Margrit Rupf-Stiftung, Kunstmuseum Bern

Die deutsche Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters, sagte bei der Eröffnung der Ausstellung "Moderne Meister", das Kapitel "Entartete Kunst" aufzuschlagen, sei schmerzhaft, aber auch "eine Frage des Respekts" gegenüber Künstlern, Sammlern oder Eigentümern, die Opfer der NS-Kulturpolitik wurden. Die Ausstellung ist noch bis zum 21. August 2016 in Bern zu sehen.

sd/ld (dpa, kna, Kunstmuseum Bern)