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Gedenksteine gegen das Vergessen

21. Juli 2013

An der einstigen Buchenwald-Bahn bei Weimar erinnern seit heute Gedenksteine an 200 von den Nationalsozialisten ermordete Sinti und Roma. Die Kinder und Jugendlichen wurden 1944 von hier nach Auschwitz deportiert.

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Arbeit an einem der Gedenksteine (Foto: dpa)
Bild: picture-alliance/dpa

Es war der erste Bahn-Transport mit Häftlingen vom Konzentrationslager Buchenwald in Thüringen in die Gaskammern des Vernichtungslagers Auschwitz. Die Opfer des Transports vom 25. September 1944: 200 überwiegend von den Nazis als nicht arbeitsfähig eingestufte Kinder und Jugendliche. Die Namen der jungen Sinti und Roma säumen nunmehr in Natursteine gemeißelt den restaurierten Damm der früheren Eisenbahnverbindung zwischen dem KZ und dem Weimarer Hauptbahnhof.

Buchenwald, für viele Menschen ein düsterer Ort. Ein Ort, an dem viele Menschen unter katastrophalen Lebensbedingungen Tag und Nacht gequält wurden. Ein Ort, an dem viele den letzten Lebensabschnitt ihres oftmals kurzen Lebens zwangsweise verbringen mussten.Ein Ort, über den die meisten Menschen nicht gerne nachdenken - und genau das wollen die Initiatoren der Gedenkstein-Aktion verhindern.

Der Vorsitzende des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, sprach bei der Einweihung denn auch von einem symbolischen Zeichen gegen Auslöschung und Namenlosigkeit. Ihn beeindrucke, dass das Denkmal dem Engagement Hunderter junger Leute aus Europa zu verdanken sei.

Die individuell gestalteten Steine entstanden seit 2009 in Sommercamps der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste. 300 Jugendliche aus 30 Ländern hatten über mehrere Jahre die Namen der Opfer in die Steine gemeißelt. Parallel zur Einweihung der Gedenksteine wurde eine Internetseite mit den Biografien der 200 Opfer freigeschaltet.

Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats deutsche Sinti und Roma (Foto: dpa)
Romani Rose bei der Einweihung der GedenkstätteBild: picture-alliance/dpa

Der Deportation der jungen Sinti und Roma im September 1944 war ein Befehl des NS-Wirtschaftsverwaltungshauptamtes vorausgegangen, das den Transport aller jüdischen sowie kranken und schwachen KZ-Insassen in das Vernichtungslager Auschwitz anordnete.

Rund Einhunderttausend Menschen trafen, eingepfercht in Bahnwaggons, zwischen 1944 und 1945 im Lager Buchenwald ein, jeder dritte jünger als 21 Jahre. Viele mussten kurz darauf erneut in die Waggons - diesmal ohne Wiederkehr.

Das Projekt der Gedenksteine an der früheren Bahntrasse soll in den kommenden Jahren fortgesetzt werden, um künftig an alle 2000 Kinder und Jugendlichen zu erinnern, die in Buchenwald starben oder von dort in Vernichtungslager deportiert wurden.

qu/rb (dpa, epd)