Neue Konfrontationen am Gazastreifen

Militante Palästinensergruppen aus dem Gazastreifen haben laut israelischer Armee 200 Raketen auf Israel abgefeuert. Israel reagierte auf die Angriffe mit Panzerschüssen und Luftangriffen.

An der Grenze zwischen Israel und dem Gazastreifen ist auch an diesem Samstag keine Ruhe eingekehrt. Als Reaktion auf den palästinensischen Beschuss habe man Raketenwerfer sowie mehrere Militärposten im Gazastreifen angegriffen und getroffen, teilte die israelische Armee mit. Nach palästinensischen Angaben wurden ein 22-jähriger Mann, ein Kleinkind und dessen schwangere Mutter getötet. Eine Sprecherin der israelischen Armee sagte, ihr lägen dazu keinerlei Informationen vor. Die Armee beteuert stets, dass sie bei ihren Vergeltungsangriffen nach Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen ausschließlich militante Palästinenser ins Visier nimmt. 

Nach jüngsten Angaben der israelischen Armee hatten militante Palästinenser etwa 200 Raketen vom Gazastreifen auf den Süden und das Zentrum Israels gefeuert. Davon seien mehrere Dutzend Geschosse vom israelischen Raketenabwehrsystem abgefangen worden. Allerdings wurden der Polizei zufolge mehrere Israelis verletzt. In der Stadt Kirjat Gat erlitt eine 50-jährige Frau bei der Explosion einer Rakete schwere Verletzungen. Außerdem wurde ein ebenfalls 50-jähriger Israeli bei einem Raketenangriff auf die Stadt Aschkelon verwundet. Darüber hinaus habe es weitere Verletzte gegeben, erklärte die Polizei, ohne nähere Angaben zu machen.

EU verlangt Ende der Angriffe

Die Europäische Union forderte ein sofortiges Ende der Raketenangriffe aus dem Gazastreifen. "Eine Deeskalation dieser gefährlichen Lage ist dringend erforderlich um sicherzustellen, dass das Leben von Zivilisten geschützt wird", hieß es in einer Erklärung. Sirenen nahe der Grenze zum Gazastreifen hatten die Bewohner israelischer Gemeinden gewarnt, sich vor den palästinensischen Raketen in Sicherheit zu bringen. Die israelischen Streitkräfte hatten am Morgen angekündigt, angesichts der gegenwärtigen Lage die Gegend in der Nähe des Sicherheitszauns zu Gaza abzusperren.

Erneut Massendemos am Grenzzaun

Am Freitag hatte es die gewaltsamsten Proteste seit Wochen entlang des Gazastreifens gegeben. Israel meldete zwei verletzte Soldaten. Nach Armeeangaben beteiligten sich rund 5200 Palästinenser an den Demonstrationen an der Grenze.Laut palästinensischen Angaben wurden dabei vier Palästinenser vom israelischen Militär getötet, darunter zwei Mitglieder der radikalislamischen Hamas.

Gewaltsame Demonstration an der Grenze zu Israel

Die Demonstrationen finden bereits seit gut einem Jahr jeden Freitag entlang der Grenze statt und arten immer wieder in Gewalt aus. Die Palästinenser fordern eine Aufhebung der israelischen Blockade des Gazastreifens.

Protestaktionen seit einem Jahr

Seit Beginn der Proteste im März 2018 sind mindestens 268 Palästinenser getötet worden, die meisten von ihnen an der Grenze. Im selben Zeitraum wurden dort zwei israelische Soldaten getötet. Israel beschuldigt die Hamas, die Proteste als Deckmantel für den Beschuss israelischer Gebiete zu benutzen.

Ein israelischer Panzer sichert den Grenzzaun

Die vom Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen eingesetzte Untersuchungskommission wiederum erhebt schwere Vorwürfe gegen Israel. Demnach töteten israelische Soldaten in den gewaltsamen Auseinandersetzungen am Grenzzaun auch 35 Kinder. Die meisten Getöteten seien unbewaffnet gewesen, heißt es dort weiter. Außerdem habe die Untersuchung ergeben, dass israelische Soldaten gezielt auf Journalisten, Sanitäter und Behinderte geschossen habe, die klar erkennbar gewesen seien.

Der UN-Menschenrechtsrat ist wegen seiner Zusammensetzung und seiner Abstimmungsregeln umstritten.

cw/se/uh (afp, dpa, ape, afpe, rtre)

Mehr zum Thema

Nahost | vor 2 Std.

Kushner hat (k)einen Plan

Aktuell Nahost | 22.06.2019

Neue Friedensinitiative für Nahost