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Nokia lachender Dritter des Samsung-Apple-Streits?

Nadine Schimroszik (Reuters)27. August 2012

Die spektakuläre Niederlage von Samsung im Patentstreit gegen Apple dürfte noch lange nicht das Ende der Geschichte sein. Von dem Streit profitieren könnte ein fast schon totgesagtes Unternehmen: Nokia.

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epa03124531 Nokia president Stephen Elop during a press event to present the new models of Nokia at the Mobile World Congress in Barcelona, Spain, 27 February 2012. The Mobile World Congress runs until 01 March. EPA/ALBERTO ESTEVEZ
Mobile World Congress 2012 Nokia LumiaBild: picture-alliance/dpa

Die Patentschlappe in den USA gegen Apple kratzt am Lack des Smartphone-Weltmarktführers Samsung. Der südkoreanische Technologiekonzern verlor am Montag (27.08.2012) mehr als zwölf Milliarden Dollar an Börsenwert - die Aktie brach um 7,5 Prozent ein. Dem Smartphone-Weltmarktführer mit seiner Galaxy-Reihe droht ein Verkaufsverbot für seine jüngsten Modelle in den USA. Das Handy- und Tabletgeschäft steht für 70 Prozent des Samsung-Gewinns, der im vergangenen Quartal bei 4,5 Milliarden Dollar lag. Bislang litten vor allem Nokia und Microsoft unter der Vorherrschaft von Samsung und Apple, die zwar vor Gericht unerbittlich gegeneinander kämpfen ansonsten aber enge Lieferbeziehungen pflegen. Analysten schätzen, dass Nokia und Microsoft das Urteil zugutekommt und sie dank ihrer Partnerschaft an Boden gewinnen. Zudem dürfte Prozesssieger Apple seine Stellung auf dem Smartphone- und Tabletmarkt festigen.

Kommt jetzt ein Verkaufsverbot?

Der Einbruch der Samsung-Aktie war der stärkste Rückgang des Papiers seit Oktober 2008. Der Technologiekonzern zog die gesamte Börse in Seoul leicht ins Minus. Wie ein Damoklesschwert schwebt ein mögliches Verkaufsverbot über Samsung. Apples Anwälte haben nach dem Gerichtsurteil vom Freitag angekündigt, dies anzustreben. Eine Anhörung ist für den 20. September angesetzt. Das letzte Wort in diesem Fall sei aber noch nicht gesprochen, mahnten führende Samsung-Vertreter. Noch ist unklar, ob der iPhone- und iPad-Konzern auch gegen das neue Samsung-Flaggschiff Galaxy S III vorgeht. Es ist mit Abstand der Bestseller des Unternehmens. Seit seinem Debüt im Mai ist es mehr als zehn Millionen Mal über den Ladentisch gegangen. Sollte das Verkaufsverbot auch dieses Modell betreffen, wäre dies ein immenser Schlag für Samsung. Denn Apples neues iPhone, mit dem noch vor dem Weihnachtsgeschäft gerechnet wird, würde dadurch wohl einen zusätzlichen Schub erhalten.

Nokia-Aktie schießt in die Höhe

Die zuletzt arg gebeutelte Nokia-Aktie kletterte um mehr als zehn Prozent. "Neben Apple halten wir Microsoft und Nokia für die größten Profiteure dieses Urteils", stellte Nordea-Analyst Sami Sarkamies fest. Die Nomura-Experten äußerten sich ähnlich: "Wir denken, dass die wahren Gewinner Microsoft und das Windows-Handy sein werden." Microsoft sei in guter Position und könne nun Konsumenten dazu bringen, von Android-Geräten auf Windows umzusteigen. Bisher läuft das Android-Betriebssystem von Google auf rund 65 Prozent aller Smartphones weltweit. Nokia ist derzeit der größte Hersteller von Windows-Mobilfunkgeräten - allerdings liegt der gesamte Marktanteil nur bei rund fünf Prozent. Die ersten Windows-Smartphones wollen die Finnen wohl Anfang September vorstellen. Die in Frankfurt notierte Microsoft -Aktie legte um 1,4 Prozent zu, das Apple -Papier stieg um zwei Prozent.

Samsung findet sich mit Urteil nicht ab

Samsung hat unlängst eine Fortsetzung des Patentkampfes angekündigt, um seine Rechte durchzusetzen. Das Urteil des US-Gerichts im kalifornischen San Jose - nur wenige Kilometer vom Apple-Hauptsitz entfernt - soll angefochten werden. Die meisten Branchenexperten rechnen nicht damit, dass das Urteil, wonach Samsung zentrale Eigenschaften von Apple-Produkten kopiert hat, den Konzern dauerhaft schwächt. Die Schadenersatzzahlung von rund einer Milliarde Dollar dürfte das Unternehmen jedenfalls kaum stören, schwerer könnte ihm aber ein dauerhaftes Verkaufsverbot zusetzen. Bisher haben die Südkoreaner allerdings bewiesen, dass sie in der Lage sind, auf Gerichtsentscheidungen schnell mit dem Umbau von Geräten zu reagieren. Analysten gehen davon aus, dass der Jahresgewinn durch das Urteil um vier bis fünf Prozent belastet wird.