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Nordkoreas Cheerleader im Dienste Kims

Calle Kops sid
11. Februar 2018

Handverlesene junge Frauen singen und tanzen bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang für den Nachbarn Nordkorea. Die Auftritte der "Armee der Schönen" aus dem Norden sind eine Schau.

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Nordkoreanische Cheerleader bei den Olympischen Winterspielen 2018 in Pyeongchang (Foto: picture-alliance/Kyodo/MAXPPP)
Bild: picture-alliance/Kyodo/MAXPPP

Die "Armee der Schönen" kämpft mit den Waffen der Frauen. 229-fach erstrahlt das Lächeln im Farbton frisch gefallenen Schnees, es ertönen glockenhelle Stimmen. "Wir sind eins", rufen die Damen und beugen im Takt ihren Oberkörper, "vereint sei unser Vaterland!" Nordkoreas handverlesene Cheerleader begeistern Pyeongchang. Sie sind zugleich die Charme-Offensive und Propaganda-Truppe des diktatorischen Staatsführers Kim Jong Un.

"Stellen Sie sich eine Mischung aus Stewardessen der 60er Jahre, den Cheerleadern der Dallas Cowboys und der Roten Armee vor", schrieb die New York Times beeindruckt. In edlen roten Roben waren die jungen Frauen für ihre Olympia-Mission vom Schiff gestiegen, mit schwarzen Pelzmützen und einheitlicher Schminke.

Keine von ihnen darf kleiner sein als 1,63 Meter, sie müssen die Schönheit Nordkoreas repräsentieren und aus Familien stammen, die in ihrer Regimetreue über jeden Zweifel erhaben sind. Selbst Kims Ehefrau Ri Sol Ju soll einst bei den Asienspielen in ausgefeilter Choreographie gesungen und mit Holzhandschuhen geklappert haben.

Blickfang mit Bewachern

Nordkoreanische Cheerleader bei den Olympischen Winterspielen 2018 in Pyeongchang (Foto: picture-alliance/Kyodo/MAXPPP)
Gute bewachte nordkoreanische Cheerleader: Die Fotografen in Pyeongchang sind dennoch aus dem HäuschenBild: picture-alliance/Kyodo/MAXPPP

Die ersten Einsätze in Pyeongchang waren eine Schau. Begeistert gingen die südkoreanischen Zuschauer in der Shorttrack- oder Eishockeyhalle mit, wenn die strategisch klug verteilten Frauen in Rot das vereinte Korea besangen. Sie sind quasi das 93. Team dieser Spiele - aberdutzende Fotografen rannten sich im Kampf um die beste Position fast gegenseitig über den Haufen.

Die Kommunikation hingegen verläuft schleppend. "Es ist schön, Sie zu treffen", sagt eine der Frauen zurückhaltend. Mehr ist nicht erwünscht. Jeder Kontakt mit Südkoreanern muss angeblich umgehend gemeldet werden - neben einer Einpeitscherin pro Block schleichen ältere, männliche Bewacher herum. Doch es gibt Momente, in denen die durchaus wächserne Maske abgelegt wird. Bei einem Abendessen im abgelegenen Hotel ließ sich die "Beauty Squad" gebratenes Fleisch, Shrimps und Bier schmecken, es wurde entspannt geplaudert.

Die 229 Cheerleader unterstützen bei Olympia vornehmlich die Athleten aus dem Norden. Aber wer sind diese geheimnisvollen Frauen? "Die meisten Mädchen sind Studentinnen an der Elite-Universität", berichtet der Delegationsleiter. Die Auserwählten müssten "nach südkoreanischem Standard" hübsch sein. Ansonsten weiß man nichts, was einen Teil der Anziehungskraft ausmacht. Angeblich haben die Cheerleader eine knallharte Ausbildung hinter sich, in Fitness, Einheitlichkeit und dem Schminken der in Nordkorea sonst verpönten "Smokey Eyes".

ck/cc (sid)