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Optimistische Unternehmen - trotz Corona

22. Februar 2021

Die Stimmung deutscher Manager hat sich im Februar überraschend stark aufgehellt, auch wenn der Lockdown noch bis mindestens Mitte März andauert. Auch die Bundesbank blickt optimistisch in die Zukunft.

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Deutschland | Containerbrücke im Hamburger Hafen
Bild: Daniel Reinhardt/dpa/picture alliance

In den deutschen Chefetagen wächst nach der Stimmungseintrübung vom Januar nun wieder die Zuversicht. Das geht aus einer Befragung von 9000 Führungskräften durch das Münchner Wirtschaftsforschungsinstitut Ifo hervor. Die Forscher bitten die Manager jeden Monat, ihre aktuelle Geschäftslage und ihre Erwartungen für die kommenden sechs Monate zu bewerten.

Der aus den Antworten gebildete Ifo-Geschäftsklimaindex stieg im Februar überraschend stark auf 92,4 Punkte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten nur mit einem leichten Anstieg auf 90,5 Punkte gerechnet. , nachdem das Barometer zu Jahresbeginn wegen der zweiten Corona-Welle auf 90,3 Punkte gefallen war.

"Die deutsche Wirtschaft zeigt sich trotz Lockdown robust, vor allem wegen der starken Industriekonjunktur", sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest.

Industrie setzt auf Export

Zugpferd der Belebung ist vor allem die Industrie, wo sich das Geschäftsklima kräftig aufhellte. "Ein höherer Wert war zuletzt im November 2018 zu beobachten", erklärte das Ifo-Institut. Die Betriebe schätzten ihre Situation besser ein und blicken merklich optimistischer nach vorn.

Deutschland Berlin | Clemens Fuest, ifo Institut
Clemens Fuest, Präsident des Ifo-InstitutsBild: picture-alliance/dpa/K. Nietfeld

"Die Exporterwartungen der Industrie sind deutlich gestiegen, die Auftragsbücher sind gut gefüllt", sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe. Die Betriebe hätten ihre Produktionspläne deutlich nach oben geschraubt. "Allen relevanten Branchen der Industrie geht es besser."

Das Geschäftsklima hellte sich aber auch im Handel, in der Bauwirtschaft und bei den Dienstleistern auf. "Es gibt vermehrt Hoffnung, dass es zu Öffnungen kommen wird", sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe.

Innerhalb der Dienstleister gebe es allerdings ein großes Gefälle. "Hotels und Gaststätten geht es nach wie vor schlecht", sagte er. Bei Reisebüros und Reiseveranstaltern mache sich dagegen erstmals seit mehr als einem Jahr leichter Optimismus breit. "Die Erwartungen sind nicht mehr negativ", so Wohlrabe. "Die Branche hofft auf die Sommersaison."

Risiko dritte Welle

Chefökonom Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe weist allerdings darauf, dass die Unternehmen die aktuelle Geschäftslage nach wie vor niedrig einschätzen. Das sei ein Indiz für eine schrumpfende Wirtschaftsleistung im ersten Quartal. "Insofern ist das heutige Ergebnis mehr eine Wette auf eine freundlichere Zukunft." Sollte der Lockdown tatsächlich nach Ostern enden, bleibe ein dynamisches Sommerhalbjahr aber in Sicht.

Jörg Krämer erwartet für diesen Fall eine kräftige Erhöhung der Wirtschaft ab dem Frühjahr, "zumal sich die Corona-Ersparnisse der Konsumenten Ende 2020 auf sechs Prozent ihrer verfügbaren jährlichen Einkommen belaufen".

Die Wahrscheinlichkeit, dass es doch noch zu einer dritten Corona-Welle kommt und der Lockdown bis Ende April verlängert wird, bewertet Krämer mit 25 Prozent.

Bundesbank erwartet Erholung

Auch die Bundesbank blickt optimistisch auf das Frühjahr. "Mit sinkenden Infektionszahlen, der breiteren Verfügbarkeit von Impfstoffen und sukzessiven Lockerungen der Eindämmungsmaßnahmen sollten die gegenwärtigen Bremsfaktoren (...) nach und nach entfallen", heißt es im Monatsbericht Februar, den die Notenbank am Montag veröffentlichte. "Die Wirtschaft dürfte daher wohl ab dem Frühjahr wieder auf ein deutlich höheres Leistungsniveau zurückkehren und ihren Erholungskurs wieder aufnehmen."

Für das noch bis Ende März laufende erste Quartal 2021 rechnet die Bundesbank allerdings noch mit einem Dämpfer für die Konjunktur. "Es steht aber nicht zu befürchten, dass die Wirtschaftsaktivität auf den Tiefstand während des Lockdowns im Frühjahr 2020 abrutscht."

Im Gesamtjahr 2020 war die Wirtschaftsleistung Deutschlands mit minus fünf Prozent so stark eingebrochen wie seit der Finanzkrise nicht mehr und zugleich erstmals seit elf Jahren geschrumpft.

Der Staat versucht, das Corona-Tief mit Hilfsmilliarden abzufedern. "Im Verlauf des Jahres sollte aber der Aufschwung wieder Tritt fassen und auch die Staatsfinanzen zunehmend entlasten", prognostiziert die Bundesbank. "Für 2022 zeichnet sich ein deutlich sinkendes Staatsdefizit ab."

bea/hb (dpa, reuters, afp)