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Origineller Aufruf zur Waffenabgabe in Bosnien

9. November 2006

Bosniens Bürger sollen mit einer Lotterie dazu bewegt werden, Waffen, die sie illegal besitzen, abzugeben. Für jede abgegebene Waffe winken attraktive Preise: von Küchengeräten bis hin zum Motorroller.

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Fast 500.000 Waffen sollen allein in Bosnien im Umlauf seinBild: AP

In der Vergangenheit hatte der bosnische Staat schon einmal eine Amnestie für alle Bürger angeordnet, die ihre Waffen freiwillig abgeben würden. Der gewünschte Erfolg war jedoch ausgeblieben. Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP), hat nun eine Aktion ins Leben gerufen, damit die zahlreichen Pistolen, Gewehre, automatischen Waffen und schwere Geschütze aus den Kriegsjahren (1992-1995) erfolgreich eingesammelt werden können. Eine Lotterie soll den nötigen Anreiz geben. UNDP habe sich die Erfolge von entsprechenden Kampagnen in anderen Ländern angeschaut, erklärt Stefan Priesner, der UNDP-Beauftragte in Bosnien-Herzegowina: „Vor allem die Kampagne in Mazedonien, die im Jahre 2004 durchgeführt wurde, war sehr erfolgreich mit der gleichen Modalität, nämlich einer Lotterie, um damit Anreize zu schaffen, dass die Leute freiwillig ihre Waffen abgeben.“

Kooperation mit der Regierung

UNDP unterstützt seit einigen Jahren die bosnische Regierung dabei, überschüssige Kleinwaffen einzusammeln. Die neue Aktion werde in Zusammenarbeit mit der bosnischen Regierung und Polizei in den beiden Entitäten des Landes durchgeführt, betont Priesner: „Das funktioniert so: In gewissen Polizeistellen sind Abgabestellen eingerichtet worden und dort sitzen unabhängige ‚Monitoring Agencies‘, die darauf aufpassen, dass alles mit rechten Dingen zugeht, dass die Leute das anonym machen können, sonst wäre der ganze Anreiz sofort weg.“

Viele Opfer durch Missbrauch

In Bosnien und Herzegowina sind noch schätzungsweise 500.000 Waffen im Umlauf. Menschen, die solche Waffen besitzen, haben größtenteils keinen Waffenschein. Das Traurige sei, dass durch falsche Handhabung und Missbrauch jährlich Tausende Menschen ums Leben kämen, sagt Priesner. Deshalb sei es wichtig, die Menschen dazu zu bewegen, diese Aktion ernst zu nehmen. Priesner ist optimistisch: „Schauen Sie, wir glauben, dass es ein Problem ist, dass nicht durch eine einzige Aktion gelöst werden wird. Wir wissen aus Umfragen, dass es in ungefähr 19 Prozent der Haushalte Waffen gibt bzw. 19 Prozent der Personen Waffen besitzen oder angegeben haben, Waffen zu besitzen. Da geht es um Hunderttausende Waffen. Deswegen glauben wir sehr wohl, dass sehr viele Waffen abgegeben werden. Das war genauso in Mazedonien.“

Optimismus äußert sich auch Robert Cvrcak der Pressesprecher der Polizei in der Bosniakisch-Kroatischen Föderation: „Wir erwarten, dass es viel mehr Leute gibt, die Waffen abgeben werden, als es Preise zu vergeben gibt. Am Besten wäre es natürlich, wenn wir jedem einen Preis garantieren könnten, aber das geht nicht. Dafür garantieren wir aber jedem Einzelnen, dass er auf jeden Fall an einem Spiel teilnimmt, wo er z.B. Haushaltsgeräte gewinnen kann, die dann auch direkt am nächsten Tag benutzt werden können.“

Die Besitzer von illegalen Waffen haben nun Zeit, bis zum 5. Dezember ihre Waffen abzugeben, falls sie einen Preis bei der Lotterie gewinnen wollen.

Belma Fazlagic-Sestic

DW-RADIO, 9.11.2006, Fokus Ost-Südost