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Glaube

Papst bittet bei Abschlussmesse nochmals um Vergebung

26. August 2018

Es ist das Thema seiner Irland-Reise: sexuelle Übergriffe auf Kinder. Dafür hat Franziskus nun auch beim Gottesdienst am Ende seiner Reise um Vergebung gebeten. Derweil fordert ein Erzbischof die Abdankung des Papstes.

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Irland | Besuch Papst Franziskus
Bild: Getty Images/M. Cardy

Papst Franziskus hat zum Abschluss seiner zweitägigen Irlandreise um Vergebung für sexuellen Missbrauch durch Geistliche sowie die Vertuschung der Übergriffe gebeten. Gleichzeitig forderte er bei der Abschlussmesse des Weltfamilientags in Dublin vor Hunderttausenden Gläubigen dazu auf, adoptierte Kinder lediger Mütter, die in kirchlichen Mütterheimen in Irland festgehalten wurden, mit ihren Eltern zusammenzuführen. Die Teilnehmerzahl am Gottesdienst blieb allerdings weit hinter den erwarteten 500.000 zurück.

In Berichten staatlicher Untersuchungskommissionen war in den vergangenen Jahren von 14.500 Missbrauchsopfern in der irischen Kirche die Rede. Nach Bekanntwerden der Skandale um den Missbrauch Minderjähriger, die Ausbeutung lediger Mütter und illegale Adoptionen von deren Kindern war es 2011 zu einer diplomatischen Verstimmung zwischen Irland und dem Heiligen Stuhl gekommen. Auf deren Höhepunkt wurde der Vatikanbotschafter aus Dublin abgezogen und die irische Botschaft beim Heiligen Stuhl zeitweilig geschlossen.

Irland | Besuch Papst Franziskus
Tausende Menschen kamen zur Abschlussmesse des Papstes in DublinBild: Getty Images/M. Cardy

Gott um Vergebung gebeten

Zuvor hatte der Papst in Knock Gott um Vergebung für die Skandale gebeten. "Ich bitte um Vergebung des Herrn für diese Sünden, für den Skandal und den von so vielen Menschen in der Familie des Herrn empfundenen Verrat", sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche bei einem Besuch des Marienheiligtums. Er vertraue der Gottesmutter "insbesondere alle Überlebenden und Opfer des Missbrauchs durch Mitglieder der Kirche in Irland an", sagte er in seiner Ansprache zum traditionellen Mittagsgebet des Angelus.

Knock gehört zum Erzbistum Tuam. Die Region geriet international in die Schlagzeilen, als dort 2014 anonyme Massengräber mit Knochen von Kindern gefunden wurden. Sie lagen auf dem Gelände einer von zehn Einrichtungen in Irland, in denen insgesamt rund 35.000 ledige Mütter, sogenannte "gefallene Frauen", untergebracht waren. Diese mussten dort zum Teil Zwangsarbeit verrichten und wurden von ihren Kindern getrennt, die wiederum zur Adoption freigegeben wurden.

Papst Franziskus in Knock (Foto: picture-alliance)
In Knock hat der Papst auch das Marienheiligtum besuchtBild: picture-alliance/dpa/AP Photo/G. Borgia

Zu Beginn seines Irlandbesuchs hatte Papst Franziskus der Kirche "Versagen" im Umgang mit den Missbrauchsskandalen in Irland bescheinigt. Das Fehlverhalten der Kirche bleibe "eine Quelle des Schmerzes und der Scham für die katholische Gemeinschaft", sagte er.

Treffen mit Missbrauchsopfern

Am Samstag traf der Papst zudem in Dublin acht Missbrauchsopfer. Mitglieder des Klerus, Mönche und Vertreter katholischer Einrichtungen vergingen sich an ihnen, wie der Vatikan-Sprecher Greg Burke mitteilte. Unter den acht Teilnehmern der anderthalbstündigen Begegnung war demnach ein Opfer des Priesters Tony Walsh. Dieser missbrauchte über einen Zeitraum von fast zwei Jahrzehnten hunderte Kinder, bis er schließlich aus dem Priesterstand entlassen und inhaftiert wurde. Das Opfer wollte Burke zufolge anonym bleiben.

Irland - Missbrauchsopfer Marie Collins
Marie Collins fordert entschiedenes Vorgehen des PapstesBild: Getty Images/P. Faith

Die 71-jährige Marie Collins nahm ebenfalls an dem Gespräch mit dem Papst teil. Sie hatte das Kirchenoberhaupt vor seiner Irlandreise zum entschiedenen Vorgehen gegen sexuelle Gewalt durch katholische Priester aufgefordert. Nach dem Gespräch äußerte sich Collins enttäuscht über den Papst. Sie kritisierte, dass der Pontifex keine neuen Strukturen einführen wolle, um die systematische Vertuschung von Missbrauch in der Kirche aufzuarbeiten. "Ich bin enttäuscht über die Weigerung, mehr Rechenschaftsstruktur und eine robustere, unabhängigere Struktur einzuführen", sagte Collins.

Bis zum vergangenen Jahr war sie Mitglied der päpstlichen Kommission zur Aufarbeitung von Missbrauchsfällen, verließ das Gremium aber nach eigenen Worten wegen "ständiger Rückschläge" und Blockaden durch "einige Mitglieder der Kurie".

Debatte um US-Kardinal McCarrick

Bei dem Treffen zwischen dem Papst und den Opfern war laut einer Teilnehmerin auch der unter Missbrauchsverdacht entlassene US-Kardinal Theodore McCarrick ein Thema gewesen. Der Umgang des Papstes mit McCarrick wirft derweil Fragen auf. Während laut einem veröffentlichten Memo der Papst schon im Juni 2013 über Anschuldigungen gegen McCarrick informiert worden sein soll, beteuerte Franziskus im Gespräch mit den Missbrauchsopfern, erst vor kurzem sichere Kenntnis erhalten und dann unverzüglich reagiert zu haben.

Marie Collins schrieb dazu auf Twitter: Wenn sich die andere Darstellung als zutreffend erweise, müsse der Papst "zur Verantwortung gezogen werden wie jeder, der vertuscht".

Vorwürfe aus den USA

Der Vatikan-Botschafter in den USA zwischen 2011 und 2016, Erzbischof Carlo Maria Vigano, warf dem Papst derweil vor, die Vorwürfe gegen US-Kardinal McCarrick ignoriert und Strafmaßnahmen gegen den Geistlichen aufgehoben zu haben. Dies sei geschehen, obwohl es gegen McCarrick Vorwürfe gab wegen "stark unmoralischen Verhaltens gegenüber Seminaristen und Priestern". Die Sanktionen hatte Franziskus' Vorgänger, der deutsche Papst Benedikt XVI., verhängt.

Kardinal Theodore Edgar McCarrick (Foto: picture alliance)
Ist zurückgetreten: US-Kardinal Theodore McCarrickBild: picture alliance/dpa/Pool South Bend Tribune/R. Franklin

Der 77-jährige, mittlerweile im Ruhestand befindliche Vigano erhob die Beschuldigungen in einem elfseitigen Schreiben, das mehrere katholische Publikationen in den USA veröffentlichten. Auch in einer rechten italienischen Zeitung erschien der Brief. Vigano geht darin soweit, die Abdankung des Papstes zu fordern. "Die Korruption hat den Gipfel der Kirchenhierarchie erreicht", schreibt er und nennt auch den Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin sowie mehrere ranghohe Prälaten der römischen Kurie.

jmw/as (afp, kna)