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Politik

Papst fordert universelles Grundeinkommen

17. Oktober 2021

So deutlich wie noch nie hat sich Papst Franziskus stark gemacht für die Einführung eines universellen Grundeinkommens. Zudem sprach er sich in einer Videobotschaft für kürzere Arbeitszeiten aus.

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Vatikan Papst Franziskus San Damaso
Papst Franziskus bei einem Auftritt im Vatikan im JuniBild: picture alliance / Photoshot

"Ich glaube, dass diese Maßnahmen notwendig sind", betonte das katholische Kirchenoberhaupt. Ein Grundeinkommen ermögliche jedem Menschen Zugang zu den grundlegendsten Dingen, so der Papst in dem Video zum vierten Welttreffen der Volksbewegungen. Darüber hinaus müsse man "dringend" Möglichkeiten prüfen, durch kürzere Arbeitstage mehr Stellen zu schaffen. "Es kann nicht sein, dass so viele überarbeitet sind, während andere unter einem Mangel an Arbeit leiden".

"Dieses System mit seiner unerbittlichen Profitlogik entzieht sich jeder menschlichen Kontrolle. Es ist an der Zeit, die Lokomotive zu bremsen eine außer Kontrolle geratene Lokomotive, die auf den Abgrund zurast. Es ist noch Zeit", sagte der Argentinier. "Und so bleibe ich hartnäckig in meinen Belästigungen." Der Papst sagte weiter, er sei sich bewusst, dass einige Menschen, auch innerhalb der Kirche, ihn für eine "Plage" halten, weil er die Armen und Schwächsten verteidige. Dies werde ihn aber nicht aufhalten, denn das sei Teil des Christentums.

Viertes Welttreffen der Volksbewegungen

Bei dem Weltreffen der Volksbewegungen handelt es sich um einen Zusammenschluss von Basisorganisationen und sozialen Bewegungen, die auf die Ungleichheit bei der Arbeit, beim Landbesitz, Gesundheitsversorgung und anderen sozialen Fragen in den Entwicklungsländern aufmerksam machen. Wie die drei vorherigen Welttreffen dieser Art stand auch das aktuelle unter dem Motto "Land, Obdach, Arbeit". Vor dem Hintergrund der anhaltenden Corona-Krise fand die aktuelle Konferenz, wie bereits ihr erster Teil im Sommer, digital statt. Beteiligt waren Vertreter aus fünf Kontinenten.

In der Videoansprache griff der 84-jährige Franziskus etliche seiner Forderungen aus der Pandemie-Zeit erneut auf. Er rief die Pharmakonzerne "im Namen Gottes" auf, ihre Impfstoff-Patente freizugeben, um die Vakzine gegen COVID-19 für die Armen zugänglicher werden. Schließlich seien in einigen Ländern noch immer erst drei bis vier Prozent der Bevölkerung gegen das Coronavirus geimpft.

Papst besucht Corona-Impfzentrum
Im April besuchte der Papst ein Impfzentrum im VatikanBild: Spaziani/VATICAN MEDIA/picture alliance

Schuldenerlass für arme Staaten

Der erste Papst aus Lateinamerika forderte einen Schuldenerlass für arme Staaten, mehr steuerliche Umverteilung, ein entschiedeneres Vorgehen im Kampf gegen den globalen Hunger, ein Ende von Umweltzerstörung und Waffenproduktion. Die Menschheit müsse die Pandemie als Chance zum Wandel begreifen, so der 84-Jährige. Es sei an der Zeit, sich vom "lähmenden Egoismus" zu befreien. Stattdessen seien Solidarität und Gemeinwohlorientierung gefragt.

Er sehe mit Sorge, dass mit allerhand Projekten versucht werde, die sozioökonomischen Strukturen der Vorkrisenzeit wiederherzustellen. Dies halte er für einen verhängnisvollen Weg. "Lasst es uns besser machen", sagte der Papst. Die politischen Verantwortungsträger in aller Welt mahnte er, nicht nur auf die Wirtschaftselite, sondern auf das Volk zu hören. Das ständige Profitstreben sei außer Kontrolle geraten. Es müssten Alternativen zur kapitalistischen Globalisierung entwickelt werden - jenseits einer technokratisch orientierten "Wegwerfkultur".

Die Technologie- und Medienkonzerne forderte Franziskus auf, Hass, "Fake News", Verschwörungstheorien und politische Manipulation in den sozialen Netzwerken zu stoppen. Als lobenswertes Beispiel für soziales Engagement erwähnte er indes die Aktivisten der Black-Lives-Matter-Bewegung, die nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd gegen Rassismus und Polizeigewalt protestiert hätten.

kle/ack (kna, rtre)