Papst internationalisiert Kardinalskollegium

Papst Franziskus treibt die Internationalisierung des Kardinalskollegiums weiter voran. Nie zuvor waren so viele Länder im Kreis der Kardinäle vertreten, die an einer Papstwahl teilnehmen dürften.

Niemand aus dem deutschen Sprachraum, niemand aus dem nördlichen Westeuropa. Kein US-Amerikaner, kein Kanadier. Papst Franziskus hat an diesem Donnerstag 14 neue Kardinäle aus elf Ländern ins Kardinalskollegium aufgenommen. Damit werden die Katholiken aus Schwellen-  und Entwicklungsländern bei der nächsten Papstwahl an Einfluss gewinnen. Elf der neuen Purpurträger sind noch keine 80 Jahre alt und dürften an einem künftigen Konklave teilnehmen.

Damit gibt es aus 66 Ländern 125 Kardinäle, die das 80. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Nie zuvor waren so viele Länder im Kreis der Kardinäle vertreten, die an einer Papstwahl teilnehmen dürften.

Vatikan Zeremonie zur Ernennung neuer Kardinäle

Das Purpur-Rot der Kardinäle - aber die Schar wird bunter

Zum Vergleich: An der Wahl von Jorge Mario Bergoglio (Franziskus) zum Nachfolger von Papst Benedikt XVI. im März 2013 nahmen 115 Kardinäle aus 48 Ländern teil. Seitdem arbeitet Franziskus daran, mehr Länder in den höchsten Senat der Kirche einzubeziehen. Das Konsistorium im November 2016 erreichte erstmals die Zahl von 60 Ländern. Nun, mit der fünften Kardinals-Erhebung von Franziskus, sind es 66 Länder.

Franziskus-Kardinäle bald die Mehrheit

Und von den 125 Kardinälen, die nun zur Papstwahl berechtigt sind, hat Franziskus 59 ernannt. Im Jahr 2019 werden die Franziskus-Kardinäle die Mehrheit stellen. Weil sie aus den unterschiedlichsten Ländern stammen, teilen Sie vielleicht ähnliche Ideen, aber weder theologische Schulen noch kirchliche Seilschaften. Sie kennen einander kaum. Das macht ein künftiges Konklave viel weniger berechenbar.

Vatikan Zeremonie zur Ernennung neuer Kardinäle

So viel Internationalisierung war nie. So global wollte sich die alte, europäisch-italienische Weltkirche nie geben. Noch Benedikt XVI. hatte bei seinem letzten Konsistorium die Präsenz der Europäer gestärkt. Nun, unter Franziskus, sind es einzelne Vertreter vieler Länder gerade aus Afrika, Asien, Lateinamerika. Mali sowie Mauritius, Tonga und Kap Verde, Myanmar, Haiti und Burkina Faso.

Bedrohte Kirchenleute

Sie stehen für Kirche in bedrängter Situation oder in pastoraler Herausforderung. Weder der chaldäische Patriarch Louis Raphael I. Sako, der im irakischen Bagdad residiert, noch der Erzbischof von Karachi in Pakistan, Joseph Coutts, werden sich im Alltag ohne Leibwächter bewegen können. Beide zählen zu den neuen Kardinälen.

Louis Sako

Nun residiert ein Kardinal in Bagdad. Ein Zeichen des Papstes für die bedrohte Christenheit im Irak.

Ein Musterbeispiel für einen Kardinal unter Franziskus ist der Erzbischof von Toamosina auf Madagaskar, Desire Tsarahazana. Der Anteil unterernährter Menschen an der Bevölkerung des Inselstaats ist höher als in den meisten Ländern der Erde. Die Kirche ist entsprechend sozial aktiv. Der 64-Jährige war übrigens, ebenso wie der Patriarch aus Bagdad, bei der Familiensynode im Vatikan 2015 dabei.

Auch in Italien erlaubt sich Franziskus einen eigenen Akzent. Da wird kein einflussreicher Anwärter aus den großen Metropolen neuer Kardinal, sondern Giuseppe Petrocchi. Als Franziskus 2013 gerade drei Monate im Amt war, machte er den heute 69-Jährigen zum Erzbischof von Aquila. Die Provinzstadt gut 100 Kilometer nordöstlich von Rom wurde bei einem Erdbeben im April 2009 schwer beschädigt. Mehr als 300 Menschen kamen ums Leben. Wie seitdem die Schäden beseitigt oder Provisorien verewigt werden, das ist ein italienisches Trauerspiel eigener Art. Petrocchi wird als Geistlicher nicht müde, die Menschen zum Zusammenhalt und zum Bleiben zu ermutigen und Hilfen zu organisieren.

Enger Vertrauter des Papstes

Luis Francisco Ladaria Ferrer

Ein Jesuit als Kardinal. Luis Francisco Ladaria Ferrer leitet die Glaubenskongregation.

Mehrere künftige Kardinäle arbeiten im direkten Umfeld des Papstes im Vatikan. Da ist Erzbischof Luis Ladaria, der Präfekt der Glaubenskongregation; der spanische Jesuit ist ein enger Vertrauter von Franziskus. Oder Erzbischof Giovanni Angelo Becciu, einer der wichtigsten Diplomaten im vatikanischen Staatssekretariat. Becciu räumt vor allem beim Malteserorden auf, bei dem es vor knapp zwei Jahren beinahe einen Putsch konservativerer Angelsachsen gegen die etablierte Leitung gab. Becciu gilt als möglicher Papst-Nachfolger.

Und Franziskus ehrt den Leiter seines Almosenamts, den aus Polen stammenden, gerade einmal 54 Jahre alten Erzbischof Konrad Krajewski. Er setzt oft das um, was der Papst an konkreter Sozialarbeit in der Nähe des Vatikans wünscht: Duschen für Obdachlose oder Suppenküchen. Und wenn in Wintertagen jemand auf Roms Straßen erfriert, sorgt Krajewski für eine richtige Beerdigung und ein ordentliches Grab. Vor Tagen plädierte Franziskus dafür, dass der Leiter dieses Amtes künftig immer Kardinal sein solle. Das zeigt, für wie wesentlich er dessen Arbeit hält.

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"Den Menschen dienen"

Franziskus mahnte die neuen Kardinäle in seiner Predigt, es sei notwendig, den Menschen zu dienen und sich nicht über sie zu erheben. Dienst an der Kirche bedeute, für die Menschen da zu sein, für "konkrete Menschen mit ihren Geschichten und Hoffnungen, Erwartungen und Enttäuschungen, Leiden und Wunden“. Der Papst weiter: „Keiner von uns darf sich 'für etwas Besseres' halten. Keiner von uns darf auf die anderen herabschauen." Schon mehrfach bei Feiern dieser Art hatte das Kirchenoberhaupt die neuen Kardinäle zu Demut und zur Nähe zu Notleidenden und Ausgegrenzten angehalten.

Wie üblich ehrte Franziskus auch wieder einige Geistliche mit dem Kardinalspurpur, die bereits das 80 Lebensjahr überschritten haben, die er aber persönlich würdigen wollte. Neben einem pensionierten Erzbischof aus Mexiko zählen dazu ein bolivianischer Prälat und ein spanischer Ordensmann.

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