Patrick Wiencek: "Handball ist ein cooler Sport"

Er entwickelt sich zum heimlichen Star des deutschen Handball-Teams und scheitert dennoch mit ihm tragisch: Patrick Wiencek spricht im DW-Interview über das bittere Aus bei der Heim-WM und die Zukunft seines Sports.

DW: Patrick Wiencek, wie schmerzhaft ist es, dass der Gold-Traum hier in Hamburg schon vorzeitig platzt?

Patrick Wiencek: Das ist natürlich sehr enttäuschend für uns. Wir haben uns viel vorgenommen für das Spiel und wollten unbedingt ins Finale kommen. Aber leider hat Norwegen heute besser gespielt als wir.

Was hat Norwegen besser gemacht?

Sie standen in der Abwehr sehr gut. Wir haben keine einfachen Tore machen können und unsere Abwehr stand heute eben nicht so gut wie in den Spielen zuvor. Von daher haben wir nie richtig Zugriff auf das Spiel gehabt. Wir haben gekämpft, haben alles versucht, aber irgendwie kamen wir heute nicht ran.

Norwegen war vor dem Tor effizienter. Was glauben Sie, was fehlt ihrem Team noch, um in ein WM-Finale einzuziehen?

Schwer zu sagen. Wir haben ja auch heute das erste Spiel bei dieser WM verloren. Ich weiß nicht, wie negativ das jetzt ausgelegt wird. Die Franzosen haben auch mit fast zehn Toren Rückstand verloren (30:38 gegen Dänemark im zweiten Halbfinale, Anm. d. Red.). Klar, wir hatten uns mehr vorgenommen, aber es gibt eben solche Spiele, in denen es nicht klappt und so ein Spiel haben wir heute gehabt. Jetzt müssen wir es abhaken und es im Spiel um Bronze gegen Frankreich besser machen.

Hadern Sie heute auch etwas mit der Schiedsrichterleistung?

Nein. Wir wissen ja, dass sie in diesem Turnier eine eigenartige Linie pfeifen, aber das gilt ja für beide Seiten und von daher lag es heute nicht an den Schiedsrichtern.

Die deutsche Mannschaft hat sich in diesem Turnier weiterentwickelt. Was nimmt ihr Team, was nimmt der deutsche Handball mit?

Ich glaube, wir haben eine Euphorie in Deutschland entfacht und die wollen wir jetzt beibehalten. Wir wollen genauso weitermachen, uns weiter etablieren und dann schauen wir, was die Zukunft ergibt.

2007 gab es eine ähnliche Euphorie während der Heim-WM, die danach aber abgeflaut ist. Wird die Begeisterung für den Handball dieses Mal nachhaltiger sein?

Ich bin kein Wahrsager, hoffe aber, dass wir die Euphoriewelle mitnehmen. Handball ist ein cooler Sport und gehört hinter dem Fußball an Nummer 2 in Deutschland. Wir werden als Spieler weiter alles dafür geben, damit die Leute dranbleiben.

Dänemark oder Norwegen - wer holt jetzt Gold?

Ehrlich gesagt ist mir das gerade ziemlich egal. Das werden die beiden unter sich ausmachen. Mir ist nur wichtig, dass wir das Spiel um Platz 3 gewinnen.

Bei den Junioren haben Sie den WM-Titel holen können. Glauben Sie, dass Sie das mit dieser Mannschaft auch noch schaffen können?

Ich glaube, wenn wir so weiter machen, dann haben wir auf jeden Fall nochmal die Möglichkeit.


Patrick Wiencek, 29, ist ein heimlicher Star des Turniers. Der 2,01 Meter große und 110 Kilogramm schwere Kreisläufer ist mit seiner robusten Spielweise einer der besten Verteidiger der Handball-WM, bei den geblockten Würfen liegt er ganz weit vorne in der Statistik. Mit der Junioren-Nationalmannschaft wurde der gebürtige Duisburger 2009 Weltmeister, mit den Männern ist Olympia-Bronze in Rio sein bislang bestes Resultat. In der Bundesliga spielt, "Bamm-Bamm" Wiencek, wie ihn seine Teamkollegen wegen einer vermeintlichen Ähnlichkeit zur TV-Serienfigur Bamm-Bamm Geröllheimer ("Familie Feuerstein") nennen, beim THW Kiel. 

Das Interview führte Joscha Weber.