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Polen rüstet auf

4. Juni 2016

Offensichtlich aus Sorge vor Russland will die Regierung in Warschau die Streitkräfte deutlich aufstocken - auf 150.000 Mann. Mitgezählt wird die neue paramilitärische Truppe.

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Militärparade zum Tag der Streitkräfte (Archivbild: picture-alliance/dpa)
Militärparade zum Tag der Streitkräfte (Archivbild)Bild: picture-alliance/dpa/R Pietruszka

Verteidigungsminister Antoni Macierewicz sagte, bereits im kommenden Jahr würden die Streitkräfte von 100.000 auf 150.000 Soldaten aufgestockt. Bei den zusätzlich 50.000 neuen Soldaten würden die 35.000 Mann der neuen paramilitärischen Truppe mitgezählt, deren Gründung Macierewicz zuvor bekannt gegeben hatte und die ab September aufgestellt werden soll. Die paramilitärische Truppe soll sich aus Zivilisten rekrutieren, die eine militärische Ausbildung erhalten.

Der Verteidigungsminister hatte bei einem Treffen paramilitärischer Gruppen erklärt, die Entscheidungen zur Kommandostruktur und zu den Nominierungen für die Führungsposten seien im April gefallen. Laut dem künftigen Kommandeur der paramilitärischen Truppen sollen diese ein Einsickern feindlicher Kämpfer aus Russland verhindern.

Polen fühlt sich, wie auch die baltischen Länder, seit der Annexion der ukrainischen Schwarzmeer-Halbinsel Krim durch Russland vor zwei Jahren vom großen Nachbarn im Osten bedroht. Seit Beginn der Ukraine-Krise haben Bürgerwehren und paramilitärische Gruppen in Polen regen Zulauf. Die Zahl ihrer Mitglieder wird auf 12.000 geschätzt. Das polnische Verteidigungsministerium verfolgt schon seit längerem Pläne, Schützenverbände und andere Gruppen als Freiwillige in die Landesverteidigung einzubinden.

Manöver "Anakonda"

Eine kleine Gruppe paramilitärischer Organisationen wird laut dem polnischen Verteidigungsministerium bereits ab Montag an der Militärübung "Anakonda" auf polnischen Truppenübungsplätzen teilnehmen. Es ist offiziell kein NATO-Manöver, aber die Bundeswehr, die US-Armee und 22 weitere NATO-Staaten sind mit Truppen beteiligt. Dass diese - mit über 25.000 Soldaten - größte Übung des Jahres, an der NATO-Alliierte teilnehmen, so dicht an der russischen Grenze und so kurz vor dem NATO-Gipfel am 8. und 9. Juli stattfindet, sorgt für jede Menge Kritik.

Seit der Annexion der Krim hat die NATO in mehreren osteuropäischen Ländern kleine Hauptquartiere errichtet sowie die Zahl der Manöver stark erhöht. Über dem Baltikum überwachen Kampfjets der Allianz den Luftraum, und in der Ostsee zeigen NATO-Schiffe vermehrt Flagge.

Von allen Ländern der NATO betreibt Polen eines der aktivsten Aufrüstungsprogramme: Die Verteidigungsausgaben erreichen etwa zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukt, deutlich mehr als in den meisten anderen NATO-Staaten.

qu/wo (afp, dpa)