Polizei nimmt mutmaßlichen Schützen von Utrecht fest

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19.03.2019

Rutte: "Werden nie vor Intoleranz weichen"

Bei einem Angriff in Utrecht sind mindestens drei Menschen getötet worden. Der niederländische Ministerpräsident sprach von einem "Anschlag", die Polizei schloss aber auch eine Beziehungstat nicht aus.

Nach den Schüssen in einer Straßenbahn von Utrecht ist der Hauptverdächtige gefasst worden. Wie die Polizei mitteilte, wurde er bei einer Wohnungsdurchsuchung in der niederländischen Stadt festgenommen. Es handelt sich um einen 37-Jährigen türkischer Herkunft, den die Behörden den Tag über gesucht haben. Zudem sitzen zwei zweite Verdächtige in Gewahrsam.

Bei dem Angriff wurden nach offiziellen Angaben mindestens drei Menschen getötet und fünf weitere verletzt. Am Vormittag hatte ein Mann in einer Straßenbahn mehrere Schüsse abgegeben. Hubschrauber waren vor Ort. Die Behörden hoben vorsorglich die Terrorwarnstufe in der Provinz Utrecht auf den höchsten Wert an. Nach den Festnahmen wurde die Warnung um eine Stufe, von 5 auf 4, abgesenkt.

Über das Motiv des Täters wird weiter gerätselt. Ein Vertreter des Innenministeriums in Den Haag sagte, die Spuren deuteten auf ein terroristisches Motiv hin, man könne aber andere Motive nicht ausschließen. Am Montagnachmittag hatte die Polizei mitgeteilt, sie halte auch eine Beziehungstat für möglich. Zugleich gaben die Behörden eine erste Entwarnung: Die Menschen, die zuvor aufgerufen waren, zuhause zu bleiben, könnten wieder auf die Straße gehen. 

Infografik Tote bei Schießere in Utrecht DE

Die niederländische Militärpolizei verstärkte am nationalen Flughafen Schiphol und anderen öffentlichen Gebäuden die Sicherheitsmaßnahmen. Auch im niederländischen Regierungszentrum in Den Haag wurde vor dem Parlament und dem Amtssitz des Ministerpräsidenten die Polizeipräsenz aufgestockt.

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"Wir werden nie vor Intoleranz weichen"

Regierungschef Mark Rutte schloss in einer kurzen Pressekonferenz in Den Haag einen terroristischen Hintergrund nicht aus. "Unser Land ist heute durch einen Anschlag aufgeschreckt worden", sagte Rutte. Gewalt habe unschuldige Menschen getroffen. "Ein Terrorakt ist ein Angriff auf unsere Zivilisation." Es werde alles versucht, um den oder die Täter zu fassen. "Wir werden nie vor Intoleranz weichen", sagte der Mitte-Rechts-Politiker.

Rettungskräfte waren schnell vor Ort

Der belgische Regierungschef Charles Michel bot unterdessen dem Nachbarland Hilfe an. "Wir sind bereit zu helfen, wo wir können", schrieb Michel auf Twitter. Die Sicherheitsbehörden seien aufmerksam und würden die Situation in Utrecht genau verfolgen.

Bundespolizei kontrolliert Grenze

Die Bundespolizei kontrollierte an Straßen und in Zügen an der deutsch-niederländischen Grenze. "Wir haben unsere Fahndungsmaßnahmen hochgefahren, nachdem wir informiert wurden", sagte ein Sprecher der Bundespolizei in Kleve. Schwerpunkt war die Autobahn 3, aber auch an anderen Autobahnen, an Bundesstraßen und an kleinen Grenzübergängen standen Beamte. Utrecht liegt 75 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt.

jmw/jj (dpa, afp, rtr)

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