Preis für CO2 und Wetterextreme: Was kostet die Welt?

Viele unserer alltäglichen Produkte verursachen Umwelt-, Klima- und Gesundheitsschäden und damit auch Kosten. Inzwischen kann man diese Kosten berechnen. Das hilft, um die Schäden zu reduzieren.

Treibhausgase und andere Schadstoffe schädigen unsere Gesundheit, zerstören Ökosysteme und heizen unser Klima auf. Extremwetter nehmen weltweit zu und verursachen Überschwemmungen, Dürren, Zerstörung und viel menschliches Leid. 11.500 Menschen verloren ihr Leben laut Klima-Risiko-Index durch Extremwetter im letzten Jahr. Die Sachschäden lagen bei über 375 Milliarden US-Dollar. 

Bislang bezahlen die Verursacher von Klima-, Umwelt- und Gesundheitsschäden meist nichts. Oft bekommen die Geschädigten kaum Hilfen - und wenn überhaupt, dann nur von der Gemeinschaft, vom Staat.

Welche Folgekosten verursacht ein Produkt?

"Wir müssen dahin kommen, dass die Preise unserer Produkte die ökologische Wahrheit sagen", sagt Astrid Matthey vom Umweltbundesamt (UBA). Matthey und ihre Kollegen bewerten nach wissenschaftlichen Methoden, wie hoch die Schäden von einzelnen Produkten für die Menschen insgesamt sind.

"Das sind Gesundheitsschäden, Schäden, die an Gebäuden und Infrastruktur entstehen, in unseren Ökosystemen", erklärt Matthey der DW. "Und wenn ich diese Schäden monetarisiere, also in Euro ausdrücke, dann können sich die meisten Menschen einfach mehr vorstellen als unter Schäden am Ökosystem oder auch einer Tonne CO2".

Natur und Umwelt | 30.11.2018

Matthey hat gerade mit ihren Kollegen die neusten Kostensätze für Deutschland veröffentlicht. Daraus lässt sich ablesen, wie hoch die Umweltkosten von Strom aus Kohle oder Wind sind, wie teuer das Heizen mit Öl, Gas oder Sonnenenergie ist und wie viel eine Reise mit Bus, Zug, Auto oder Flugzeug kostet.

Infografik Was kostet Strom wirklich? DE

Preisschild hilft bei der Entscheidung

Eine Tonne CO2 verursacht beispielsweise nach UBA-Berechnungen Schäden von rund 640 Euro in den nächsten 100 Jahren. "Mit dem Kostensatz von 640 Euro je Tonne CO2 werden die Schäden, die zukünftigen Generationen entstehen, genauso gewichtet wie die, die der heutigen Generation entstehen", erklärt UBA-Expertin Matthey.

Werden diese Kosten zum Beispiel auf Verkehrsträger umgelegt, so hinterlässt heute laut UBA ein Kurzstreckenflug von 1000 Kilometer pro Passagier Umweltschäden von rund 235 Euro, ein Reisebus dagegen nur 26 Euro und der elektrisch betriebene Zug in Deutschland rund 46 Euro.

Die Fahrt mit dem PKW ist ebenfalls sehr umweltschädlich. Eine Strecke von 1000 Kilometern verursacht demnach langfristige Umweltschäden von 193 Euro mit einem Diesel-PKW, 189 Euro mit einem Benziner und 152 Euro mit einem Elektro-PKW, wenn der derzeitige deutsche Strommix zugrunde gelegt wird. 

Das UBA empfiehlt bei der Ermittlung von Schäden allerdings auch einen reduzierten Kostensatz von 180 Euro pro Tonne CO2, der die Schäden in der Zukunft geringer gewichtet als heutige Schäden, so Matthey. 

Im nächsten Jahr will das UBA auch erstmalig die Umweltkosten veröffentlichten, die bei der landwirtschaftlichen Produktion entstehen.

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Auch Elektroautos verursachen hohe Umweltkosten; die Fahrt mit Bus, Bahn und Rad ist deutlich weniger schädlich

Welchen CO2-Preis braucht der Klimaschutz?

Weltweit diskutieren Experten, wie sich Umweltkosten - vor allem im Zusammenhang mit dem Klimaschutz - in einem sogenannten CO2-Preis niederschlagen könnten. Ansätze gibt es viele: Diesbezüglich eingeführt wurden und werden CO2-Handelsysteme, CO2-Steuern und CO2-Mindestpreise. 

Um das Zwei-Grad Ziel zu erreichen, ermittelte die High-level Commission on Carbon Pricing unter der Leitung von Nikolas Stern und Nobelpreisträger Josef Stiglitz einen erforderlichen CO2-Preis von 35 bis 70 Euro je Tonne CO2 bis 2020 und von 44 bis 88 Euro pro Tonne bis 2030.

Um das Klimaziel von 1,5 Grad zu erreichen, wäre auf dieser Grundlage ein CO2-Preis im Jahr 2030 "ungefähr 3-4 mal so hoch", schreiben Ökonomen des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und des Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC).

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Intelligente Steuern für den Klimaschutz

Viele Klimaökonomen schlagen umfassende Steuerreformen weltweit vor. Ziel sei die Bepreisung von CO2 verbunden mit der Senkung von anderen Steuern. Dafür könnten Rückerstattungen an Bürger und Unternehmen erfolgen, die in klimafreundliche Infrastruktur investieren. 

"Die Einnahmen aus der CO2-Bepreisung sollten dazu verwendet werden, andere Steuern zu senken oder Investitionen in dringend benötigte öffentliche Güter zu tätigen", sagt Matthias Kalkuhl vom MCC. "Um eine stärkere Belastung ärmerer Haushalte durch eine solche Reform zu vermeiden, könnte ein Teil der Einnahmen aus der CO2-Bepreisung rückerstattet werden, wie dies bereits in der Schweiz praktiziert wird."

In der Schweiz gibt es eine sogenannte CO2-Lenkungsabgabe auf Kraft- und Heizstoffe von rund 85 Euro pro Tonne CO2. Die so erzielten Einnahmen werden wieder an die Bevölkerung zurückerstattet.

"Nur sozial ausgewogene Reformen finden Akzeptanz", sagt Christian Hochfelder von der Denkfabrik Agora Verkehrswende mit Blick auf die Proteste der "Gelbwesten" in Frankreich. Die Bewegung wurde durch eine geplante CO2-Abgabe auf Sprit ausgelöst. Hochfelder hält eine Steuerreform im Verkehrsbereich für unvermeidlich, will man die Klimaschutzziele ernst nehmen.

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Soziale und umweltgerechte Reform

Für eine umweltfreundliche und sozial gerechte Reform werben unter anderen auch die renommierten Klimawissenschaftler Hans-Joachim Schellnhuber und Claus Leggewie. Sie empfehlen in ihrem gerade veröffentlichten Konzept einen Zukunftsfonds, der den sozial ökologischen Wandel vorantreibt und finanziert.

Neben einer Steuer auf CO2-Emissionen empfehlen sie eine Nachlasssteuer bei größeren Vermögen. Damit ließen sich ebenfalls Maßnahmen zur Behebung von Klimaschäden finanzieren, aber auch ein Senkung der Mehrwertsteuer sowie sozial- und kulturpolitische Maßnahmen.

Vor allem in den skandinavischen Ländern, Frankreich, Großbritannien und auch der Schweiz gewinnen CO2-Steuern zunehmend an Gewicht. In Deutschland hingegen gibt es bisher noch keine breite Debatte darüber, wie der Staat durch eine optimierte Steuer- und Förderpolitik umweltschädliche Produkte zurückdrängen und zukunftsweisende Technologien fördern kann, damit die Erderwärmung nicht über 1,5 Grad steigt.

"Derzeitig verweigert die Bundesregierung diese Debatte und lässt die CO2-Bepreisung hinten runterfallen", sagt die grüne Bundestagsabgeordnete Lisa Badum gegenüber der DW. "Neben einem wirksamen CO2-Preis brauchen wir aber auch weitere klimapolitische Maßnahmen. Dazu zählen unter anderen der Kohleausstieg bis 2030, der hundertprozentige Ausbau der sauberen Energien aus Sonne und Wind und eine Investitionsoffensive für effizientes und ökologisches Wohnen und Sanieren." 

Natur und Umwelt

1. Weniger Kohle, Öl und Gas nutzen

Die meisten Klimagase kommen aus Kraftwerken, Industrie und dem Verkehr. Das Heizen von Gebäuden verursacht sechs Prozent der globalen Treibhausgasemissionen. Wer Energie effizient nutzt und Kohle, Öl und Gas einspart, schützt das Klima.

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2. Sauberen Strom selbst erzeugen

Strom muss inzwischen nicht mehr aus Kohle-, Öl- und Gaskraftwerken kommen. Es gibt Alternativen - und die sind inzwischen sogar meist preiswerter. Strom lässt sich leicht selber produzieren und oft auch mehr als man braucht. Auf den Dächern gibt es für Solarmodule viel Platz, die Technik ist etabliert.

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3. Gute Ideen unterstützen

Immer mehr Kommunen, Firmen und Genossenschaften investieren in erneuerbare Energien und verkaufen sauberen Strom. Dieser Solarpark gehört Saerbeck. Die deutsche Gemeinde mit 7200 Einwohnern produziert mehr Strom als sie braucht und ist ein Vorbild. Hier ist gerade eine Delegation aus den USA zu Besuch.

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4. Kein Geld für klimaschädliche Unternehmen

Immer mehr Bürger, Pensionsfonds, Versicherungen, Universitäten und Städte ziehen ihr Geld aus fossilen Brennstoffunternehmen ab. Münster ist in Deutschland die erste Stadt, die sich der sogenannten Divestment-Bewegung angeschlossen hat. Weltweit haben das mittlerweile 57 Städte getan. Die globale Bewegung hat viel Dynamik, auch weil jeder mitmachen kann.

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5. Umsteigen auf Rad, Bus und Bahn

Fahrräder, Bus und Bahn sparen viel CO2. Im Vergleich zum Auto ist ein Bus fünf Mal klimafreundlicher und ein elektrisch betriebener Zug mit Ökostrom sogar über 20 Mal. In Amsterdam fahren die meisten Bürger Rad. Die Stadt sorgt mit breiten Radwegen und Fahrradstraßen dafür, dass das gut geht.

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6. Nicht fliegen

Fliegen ist äußerst klimaschädlich. Die Fakten zeigen das Dilemma: Zur Einhaltung des Klimaziele sollte jeder Erdbewohner im Durchschnitt weniger als zwei Tonnen CO2 pro Jahr verursachen. Ein Hin- und Rückflug zwischen Berlin und New York verursacht pro Person jedoch schon eine Klimawirkung von 6,5 Tonnen CO2.

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7. Weniger Fleisch essen

Für das Klima ist auch die Landwirtschaft ein Problem. Beim Reisanbau und in den Mägen von Rindern, Schafen und Ziegen entsteht das sehr klimaschädliche Gas Methan. Kritisch sind Viehhaltung und weltweit wachsender Fleischkonsum auch wegen des zunehmenden Bedarfs an Soja für die Fütterung. Für den Soja-Anbau werden Regenwälder abgeholzt.

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8. Biolebensmittel kaufen

Besonders klimaschädlich ist Lachgas. Sein Anteil am globalen Treibhauseffekt liegt bei sechs Prozent. Es entsteht in Kraftwerken und Motoren, vor allem aber durch Kunstdünger in der industriellen Landwirtschaft. Beim ökologischen Anbau sind diese verboten und deshalb wird weniger Lachgas freigesetzt. Das hilft dem Klimaschutz.

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9. Nachhaltig bauen und konsumieren

Bei der Herstellung von Stahl und Zement entsteht viel CO2, beim Wachstum von Holz und Bambus wird CO2 dagegen gebunden. Die bewusste Wahl von Baumaterialien hilft dem Klima, das gleiche gilt für den Konsum. Für eine Massage und Frisur braucht man keine fossile Energie, für Plastikbecher, die jeden Tag im Müll landen, viel.

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10. Verantwortung übernehmen

Wie kann man Treibhausgase vermeiden, damit weltweit alle Kinder und ihre Kinder ohne Klimakatastrophe gut leben? Diese Schüler sind fasziniert von sauberer Energie und sehen sie als Chance für ihre Zukunft. Jeder kann helfen, dass dies gelingt.

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