Putin und Erdogan besiegeln Gaspipeline

Nach ihrer Aussöhnung wollen der türkische Präsident Erdogan und Kremlchef Putin die Beziehungen normalisieren. Weiter unterschiedliche Standpunkte haben die Staatschefs aber zu Syrien.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan und Kremlchef Wladimir Putin haben den Bau der strategisch wichtigen Gaspipeline Turkish Stream besiegelt. Die Energieminister beider Länder unterzeichneten in Istanbul im Beisein der Staatschefs ein Regierungsabkommen über das lange geplante Projekt.

Durch die Turkish Stream-Pipeline soll russisches Erdgas durch das Schwarze Meer und die Türkei bis an die griechische Grenze gebracht werden. Mit dieser Leitung und der geplanten Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 will Russland die Ukraine bei der Belieferung der EU mit Gas umgehen. Der Chef des Gazprom-Konzerns, Alexej Miller, sagte, das Abkommen sehe den Bau von zwei Röhren auf dem Grund des Schwarzen Meeres vor. Der erste Strang soll Ende 2019 fertig sein. Erdogan und Putin betonten ihren Willen, die Beziehungen wieder völlig zu normalisieren.

Differenzen beim Thema Syrien

Moskau hatte nach dem Abschuss eines russischen Kampfjets durch die Türkei Wirtschaftssanktionen verhängt. Während der Krise zwischen Ankara und Moskau lag auch Turkish Stream auf Eis. Putin stellte der Türkei "im Rahmen von Turkish Stream" Rabatt beim Gas in Aussicht. Zugleich teilte er mit, dass Sanktionen gegen eine Reihe türkischer Produkte wieder aufgehoben worden seien.

Differenzen gibt es aber weiter beim Thema Syrien. Russland unterstützt den syrischen Machthaber Baschar al-Assad, dessen Sturz Erdogan fordert. Putin sagte: "Sowohl Russland als auch die Türkei treten für ein schnelles Ende des Blutvergießens in Syrien und den Übergang zu einer politischen Regelung ein." Erdogan betonte, Thema sei auch gewesen, wie humanitäre Hilfe für die Menschen in Aleppo ermöglicht werden könne.

Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen

Erdogan und Putin nahmen am Weltenergiekongress in Istanbul teil und kamen anschließend zu einem bilateralen Treffen zusammen. Bei der Tagung kündigte Erdogan umfangreiche Investitionen an, "um unser Land zum Erdgas- und Energiehandelszentrum zu machen". Die Türkei leiste damit auch "einen Beitrag zur Erdgasversorgungssicherheit Europas". Moskau und Ankara sind bestrebt, ihre Wirtschaftsbeziehungen auszubauen und sie auf ein Volumen von 100 Milliarden Dollar (fast 90 Milliarden Euro) jährlich anzuheben.

Es war Putins erster Türkei-Besuch seit dem Abschuss eines russischen Kampfjets durch die türkische Luftwaffe im vergangenen November. Erst im Juni hatten sich beide Seiten wieder angenähert, im August folgte ein Treffen Putins und Erdogans in St. Petersburg. Beim G20-Gipfel in China im vergangenen Monat sprachen beide über eine vollständige Wiederaufnahme der bilateralen Beziehungen.

cr/rk (dpa, afp)


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