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"Wir wollen keine Gewalt"

Fréjus Quenum (dk)22. September 2015

Burkina Faso steckt nach dem Putsch der Präsidialgarde unter General Gilbert Diendéré in einer schweren Krise. Im DW-Interview erklärt Diendéré, er wolle die Macht abgeben. Entscheiden müssten das aber andere.

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Burkina Faso Ouagadougou General Gilbert Diendere (c: Remi Zoeringre)
Bild: picture alliance/Photoshot

DW: Bleiben Sie fürs Erste an der Spitze der Militärregierung, die Sie am letzten Donnerstag ausgerufen haben?

Diendéré: Ja. Wir warten die Entscheidung und die Empfehlungen der ECOWAS ab.

Die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS sucht auf ihrem Sondergipfel am Dienstag im nigerianischen Abuja nach einer Lösung. Gestern sind bereits Einheiten der regulären Armee nach Ouagadougou marschiert und haben von Ihnen verlangt, die Waffen niederzulegen. Macht Ihnen das Angst? Wollen Sie kämpfen?

Nein, nein, wir wollen nicht kämpfen. Das ist keine Lösung. Wir werden vielmehr den Dialog suchen. Ich glaube, es ist besser, in diese Richtung zu arbeiten, als sich Kämpfe (mit der regulären Armee, Anm. d. Red.) zu liefern. Schließlich sind wir vor allem Waffenbrüder. Wir sind bereit, alle nötigen Verhandlungen zu führen, um Frieden in Burkina Faso zu erreichen - natürlich mit der Unterstützung der ECOWAS.

Viele sehen in Ihnen und der RSP den bewaffneten Arm der Anhänger von Ex-Präsident Compaoré. Denn Sie fordern ja auch, dass dessen Anhänger an den Wahlen teilnehmen dürfen, was die Übergangsregierung verhindern wollte.

Wir sind der bewaffnete Arm von niemandem! Wir haben Verbindungen zu bestimmten Personen der vorherigen Regierung (unter Blaise Compaoré, Anm. d. Red.). Aber wir haben auch Verbindungen zu Mitgliedern der ehemaligen Opposition. Unser Handeln hat damit nichts zu tun. Richtig ist vielmehr, dass jeglicher Ausschluss Probleme bringt. Schauen Sie sich Afrika doch an! Es gibt dort oft Menschen, die ausgeschlossen werden. Und da wo Menschen ausgeschlossen werden, gibt es Probleme. Und daher handeln wir so, wie wir handeln."

Wie geht diese Krise aus - vor allem für die Präsidialgarde RSP und den Nationalen Demokratie-Rat CND, den Sie zur neuen Staatsspitze bestimmt haben?

Wir vom CND werden die Macht an eine zivile Autorität abgeben, über die noch entschieden wird. Wir haben keinerlei Absichten, an der Macht zu bleiben. Wir warten nur auf die praktischen Einzelheiten zur Machtübergabe, und dann werden wir in unsere Kasernen zurückgehen.

Wer könnte diese "zivile Autorität" sein?

Das habe ich nicht zu bestimmen. Darüber verhandelt gerade die ECOWAS. Die Politiker werden sich darum kümmern.

General Gilbert Diendéré führt die Präsidialgarde RSP in Burkina Faso an. Die Elitetruppe des burkinischen Militärs wurde vom ehemaligen Präsidenten Blaise Compaoré aufgebaut. Die Bevölkerung hatte Compaoré im Oktober 2014 nach 27 Jahren an der Macht aus dem Amt getrieben. Am 17. September 2015 putschte die RSP unter Führung von General Diendéré gegen die Übergangsregierung und stellte sich selbst an die Spitze des Staates.

Das Interview führte Fréjus Quenum.