Regionalwahl auf Korsika: Nationalisten fordern mehr Autonomie

Die Korsen wählen ihr Inselparlament neu. Die Regionalwahl könnte eine Richtungsentscheidung für das schwierige Verhältnis zwischen der französischen Insel im Mittelmeer und Paris sein.

Auf der Insel haben nationalistische Kräfte zuletzt an Einfluss gewonnen, die mehr Eigenständigkeit gegenüber der französischen Zentralregierung fordern. Falls die korsischen Nationalisten sich als stärkste Kraft behaupten, dürften ihre Forderungen nach mehr Autonomie neues Gewicht bekommen. Man könne diese Erwartungen nicht weiter mit "Schweigen, Misstrauen, Verweigerung" behandeln, fordert Gilles Simeoni, der Spitzenkandidat der Nationalisten.

Politik | 13.10.2017

Ziel der Nationalisten, die rechtlich verankerte Autonomie

Ein Szenario wie in Spanien, das von den katalanischen Unabhängigkeitsbestrebungen in die Krise gestürzt wurde, droht Frankreich jedoch nicht. Die in einer vereinten Liste antretenden Nationalisten fordern keine Abspaltung von Frankreich. "Korsika ist nicht Katalonien", schrieb Simeoni in einem Gastbeitrag für die Zeitung "Le Monde". Die Situation sei weder demografisch, noch wirtschaftlich oder politisch zu vergleichen. Aber er will eine rechtlich verankerte Autonomie: "Wenn die Verfassung die Anerkennung eines Volkes nicht erlaubt, muss man die Verfassung ändern - und nicht das Volk auffordern, zu verschwinden."

Bestrebungen für mehr Eigenständigkeit gibt es auf Korsika seit Jahrzehnten, lange Zeit überschattet von Gewalt. In den vergangenen Jahren ist aber etwas in Bewegung geraten: 2014 hatte die Korsische Nationale Befreiungsfront FLNC die Waffen niedergelegt. Etwa zeitgleich gewannen nationalistische Kräfte politisch an Bedeutung - 2015 gewannen sie die Regionalwahl und wurden stärkste Kraft in der "Assemblea di Corsica", dem Inselparlament. Und im vergangenen Juni gingen drei von vier korsischen Sitzen in der Pariser Nationalversammlung an die Nationalisten.

Entscheidung voraussichtlich erst in der zweiten Wahlrunde

Grund für die vorzeitige Neuwahl des Inselparlaments ist, dass die Verwaltung Korsikas zum 1. Januar eine völlig neue Struktur bekommt, durch die das Gremium an Bedeutung gewinnt. Die beiden bisherigen korsischen Départements werden mit der bereits bestehenden Gebietskörperschaft Korsika zusammengelegt. Die Entscheidung über die künftigen Mehrheitsverhältnisse im Parlament in Ajaccio fällt voraussichtlich erst im zweiten Wahlgang in einer Woche.

qu/ml (dpa)

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