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Aufräumen im Kreml

12. August 2016

Lange Jahre zogen sie gemeinsam an einem Strang. Doch gut einen Monat vor der Parlamentswahl in Russland entlässt Staatschef Putin seinen Präsidialamtschef Sergej Iwanow. Der galt sogar mal als Kronprinz.

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Iwanow Chef der russischen Präsidialverwaltung und Putin (Foto: dpa)
Beim Sektempfang Mitte Juni im Kreml standen sich Putin (r.) und Iwanow offensichtlich noch naheBild: picture-alliance/Sputnik/M. Klimentyev

Nachfolger wird der bisherige Stellvertreter Iwanows, Anton Waino, wie Kremlchef Wladimir Putin per Fernsehansprache ankündigte. In Russland wird am 18. September die Staatsduma neu gewählt, die Präsidentenwahl steht 2018 an. Putin sagte zur Begründung, Iwanow habe selbst um einen anderen Posten gebeten und Waino empfohlen. Iwanow werde nun Sonderbeauftragter für Umwelt- und Verkehrsfragen, sagte der Präsident.

Weiterhin im Sicherheitsrat vertreten

Trotz der eindeutigen Degradierung - der Leiter der Präsidialverwaltung gilt in Russland als zweitmächtigster Mann nach dem Präsidenten - behielt Iwanow seinen Platz als ständiges Mitglied im einflussreichen russischen Sicherheitsrat. Der kremlnahe Politologe Sergej Markow sprach vom Abgang eines "politischen Superschwergewichts".

Anton Waino (Foto:dpa)
Anton Waino (44), im estnischen Tallinn geboren, hat unter anderem in der russischen Botschaft in Tokio gearbeitetBild: picture-alliance/Sputnik/A. Druzhinin

Der Geheimdienstler und langjährige Verteidigungsminister Iwanow hatte das Präsidialamt seit 2011 geführt. Er war immer wieder auch als möglicher Nachfolger Putins im Gespräch. Vor der Wahl 2008 entschied sich dieser aber dafür, das Präsidentenamt für vier Jahre dem heutigen Ministerpräsidenten Dmitri Medwedew zu überlassen.

Gemeinsame Vergangenheit beim KGB

Putin hatte in den vergangenen Wochen mehrere ranghohe Posten im Staatsapparat neu besetzt. Meist rückten jüngere Vertreter der Geheimdienste nach. Iwanow gehörte aber zum engsten Kreis um den Präsidenten. Die beiden kennen sich bereits seit ihren Tagen beim sowjetischen Geheimdienst KGB und später beim russischen Inlandsgeheimdienst FSB.

Mit Waino kommt ein etwa 20 Jahre jüngerer Mann an eine der Schaltstellen der Macht. Der 44-Jährige wurde im estnischen Tallinn geboren, hat unter anderem in der russischen Botschaft in Tokio gearbeitet und gehörte zur Asien-Abteilung im Außenministerium. Seit 2002 bekleidete er verschiedene Ämter im engen Führungskreis der russischen Regierung.

uh/qu (dpa,rtr, afp)