1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen

SAP: David und Goliath kämpfen gemeinsam

26. Juli 2019

Immer mehr große Unternehmen unterstützen Startups oder holen sie gleich ganz ins Haus. Der Software-Riese SAP etwa will bis 2023 weltweit mindestens 200 Startups fördern. Ein solches Programm läuft in Berlin.

https://p.dw.com/p/3MY4M
SAP Logo
Bild: picture-alliance/dpa

Der Weg nach Berlin war für sie logisch. Shoba Purushothaman sitzt in einem Berliner Industriegebäude in einem offenen Büroraum, von draußen scheint die Sonne herein. "Berlin ist der beste Ort, um Zugang zu Talenten und Ingenieuren zu bekommen", erzählt sie voller Begeisterung. Die in Malaysia geborene Unternehmerin hat schon in vielen Städten gearbeitet, in London, Kuala Lumpur, in New York und nun ist sie in Berlin.

"Hardskills" heisst das Unternehmen, mit dem sie den Weltmarkt für digitale Bildungsangebote erobern will. Noch ist ihr Startup mit 12 festen Mitarbeitern klein, aber es wächst schnell. Die digitale Lernplattform, die sie entwickeln, arbeitet mit künstlicher Intelligenz. Mit ihr sollen Unternehmen ihre Mitarbeiter weltweit trainieren können. Nicht in technischen Disziplinen, sondern - viel schwieriger - in der Verhaltenstherapie. Die digitale Arbeitswelt führt zu ständig sich verändernden Prozessen, es gibt weniger Routine und Berechenbarkeit. Das führt zu Problemen in den Betriebsabläufen und im Umgang miteinander.

Geht nicht - gibt es nicht

"Das haben wir noch nie so gemacht", ist nicht die Antwort, die die Unternehmen heute von ihren Mitarbeitern erwarten, weiss Purushothaman und betont: "Deutschland steht für seine Werte." Deshalb war für sie und ihre beiden Gründerkollegen, ein Inder und ein Amerikaner, Deutschland als Standort wichtig. Nun sind sie gemeinsam mit fünf anderen internationalen Startups für drei Monate Teil der sogenannten SAP.iO Foundry Berlin.

Shoba Purushothaman
Shoba Purushothaman, die in Malaysia geborene Unternehmerin hat Hardskills in Berlin an den Start gebrachtBild: Hardskills

Der deutsche Softwareriese hat in einem Industriegebäude im Berliner Bezirk Wedding schicke Büroräume angemietet. In den Großraumbüros stehen aufgeklappte Laptops. Junge Menschen diskutieren leise miteinander, andere sitzen in Gedanken versunken vor einem Softwareproblem. In der Küche brüht ein Barista besten italienischen Espresso.

Inklusion bei den Gründern

 Mit "SAP.iO Foundries" wird ein weltweites Netzwerk von Startup-Programmen geknüpft. SAP unterstützt die Jungunternehmer, die einen Bewerbungsprozess durchlaufen müssen, mit Knowhow und Logistik. Hochkarätige Experten kommen extra nach Berlin, um mit den Jungunternehmern über Preisgestaltung oder effektives Marketing zu reden. Das Ziel ist klar: Die Start-ups sollen innovative Software entwickeln, die auch SAP Kunden nutzen können.

SAP erwirbt kein Eigenkapital an den jungen Firmen. "Hoffentlich werden sie Partner unseres App-Centers", betont Alexandra Gorman, Head of SAP.iO Foundries Europe, im Gespräch mit der DW. Besonders stolz ist Gorman auf den Fokus des Programms. "Inklusion" ist das Stichwort. Bereits 30 Prozent der geförderten Startups haben weibliche Gründer oder repräsentieren, wie es heißt, "andere Minderheiten" als Unternehmer.

Alexandra Gorman - Leiterin von  SAP.iO Foundries Europe at SAP
Alexandra Gorman, Leiterin von SAP.iO Foundries EuropeBild: SAP

Frauen haben es schwer

"Europa muss sein Problem der Vielfalt und Integration dringend lösen", schreibt denn auch die Unternehmensberatung McKinsey in ihrer Studie "The State of European Tech 2018". Danach geht 93 Prozent des europäischen Risikokapitals in Startups, die von Männern gegründet wurden. Frauen, die dennoch das Gründen gewagt haben, berichten von Diskriminierung. "Fast die Hälfte der Frauen berichtete, dass sie im europäischen Technologiesektor Diskriminierung erfahren haben", heißt es in der McKinsey Studie.

Diana Rees, Mitgründerin von "ZkSystems", kennt das Problem. Die junge Frau ist in Russland aufgewachsen und kam mit 19 Jahren nach Deutschland. Seit Ende Mai ist sie mit Co-Gründerin Amine Ünal und ihrem Team Teil der "SAP.iO Foundry". Sie haben eine eigene Blockchain entwickelt, die 5000 Transaktionen per Sekunde möglich macht und den Ausbau intelligenter Fabriken (Smart Factories) ermöglicht.

"Manchmal haben wir ein Angebot schriftlich abgegeben und wenn wir uns dann persönlich vorstellten, waren einige Kunden regelrecht sprachlos. Zwei Frauen, die eine Blockchain entwickelt haben, damit hatte niemand gerechnet", lacht sie.

Diana Rees, CEO von ZkSystems
Diana Rees, CEO von ZkSystemsBild: SAP

Dank der Technologie wird die Nutzung von Maschinen genauer als bisher kontrolliert und abgerechnet. Bosch konnte bereits als Kunde gewonnen werden. Rees freut sich aber auch, dass sie durch das SAP-Programm Zugang zu vielen weiteren Kunden hat. Das sind immerhin weltweit über 400.000 Unternehmen. Sie ist überzeugt, dass sich die Mitarbeit in der "SAP.iO Foundry" lohnt, auch weil die Unabhängigkeit gewahrt bleibt.

Made in Prenzlauer Berg

Shoba Purushothaman von der digitalen Lernplattform "Hardskills" zeigt derweil ihre Videos "Made in Prenzlauer Berg", einem Berliner Trendbezirk. Dort wurden Studios angemietet und internationale Schauspieler gebucht, um die Themen rund um agiles Denken und Verhaltensänderungen in den Unternehmen modern und ansprechend zu präsentieren.

Am frühen Morgen ist sie aus der indischen Hauptstadt Neu Delhi zurück nach Berlin gekommen. Ein Espresso aus der SAP Küche wirkt da Wunder. Der erste große Kunde von "Hardskills" ist HCL Technologies. Das indische Unternehmen hat weltweit rund 140.000 Mitarbeiter, die seit einigen Monaten mit Hilfe der digitalen Plattform lernen. Drei Jahre dauerte die Entwicklung der Plattform. Das Gründen ist für Purushothaman auch Berufung. "So übernimmst du die Kontrolle über dein Schicksal", erzählt sie stolz.