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Serbischer Kriegsverbrecher Hadzic gefasst

20. Juli 2011

In Serbien wurde der letzte vom UN-Tribunal gesuchte mutmaßliche Kriegsverbrecher festgenommen. Goran Hadzic war mehr als zehn Jahre auf der Flucht. Damit steigen die Chancen für den angepeilten EU-Beitritt Serbiens.

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Goran Hadzic (Foto: AP)
Goran Hadzic im Jahr 1991Bild: AP

Die serbische Polizei hat den einstigen kroatischen Serbenführer Goran Hadzic am Mittwoch (20.07.2011) in der Bergregion Fruska Gora nahe der Stadt Novi Sad festgesetzt. Ein Staatsanwalt teilte mit, Hadzic habe mit Angehörigen der serbisch-orthodoxen Kirche, die zahlreiche Klöster in der Region hat, in Verbindung gestanden. Demnach war der Gesuchte bei der Festnahme bewaffnet, leistetet aber keinen Widerstand.

Serbiens Präsident Boris Tadic (Foto: AP)
Serbiens Präsident Boris TadicBild: AP

"Damit beendet Serbien eines der schwierigsten Kapitel in der Zusammenarbeit mit dem Haager Tribunal", sagte der serbische Präsident Boris Tadic. Das sei Serbiens "moralische Pflicht" gewesen. Die Festnahme sei nicht auf Druck der Europäischen Union erfolgt.

Die serbische Justiz stimmte am Nachmittag der Auslieferung des 52-Jährigen an das UN-Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag zu. Hadzics Anwalt Toma Fila kündigte an, keinen Widerspruch einlegen zu wollen. Hadzic könne in den nächsten Tagen in die Niederlande gebracht werden.

Letzter Angeklagter des UN-Tribunals

Das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag wirft Goran Hadzic Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor. Die Anklage gegen ihn besteht bereits seit 2004. Hadzic war der Präsident der serbischen Minderheit in Kroatien während des Bürgerkrieges (1991-1995) und soll für den Tod hunderter kroatischer Zivilisten und die Deportation von fast 30.000 Nicht-Serben verantwortlich sein. Außerdem wird dem 52-Jährigen ein Massaker serbischer Verbände im ostkroatischen Vukovar im November 1991 zur Last gelegt. Damals wurden 264 Kroaten ermordet.

Soldaten mit Waffen eskortieren 1991 einen alten Mann aus Vukovar (Foto: AP)
Jugoslawische Soldaten und serbische Freiwillige eskortieren einen Kroaten 1991 aus VukovarBild: AP

Hadzic war der letzte flüchtige Angeklagte des Haager Tribunals. Insgesamt wurden dort 161 Menschen angeklagt. Vor knapp zwei Monaten war der bosnisch-serbische Ex-General Ratko Mladic nach 16 Jahren auf der Flucht in Serbien gefasst und wenige Tage später nach Den Haag überstellt worden.

Internationales Lob

Die Festnahme Hadzics wurde international begrüßt. Sie sei "ein weiterer wichtiger Schritt" auf dem Weg Serbiens zum EU-Beitritt, schrieben EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton sowie EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy in einer gemeinsamen Erklärung. Die EU hat die Festnahme gesuchter Kriegsverbrecher zur Bedingung für eine Annäherung Serbiens an die Union gemacht.

Auch der kroatische Präsident Ivo Josipovic und Regierungschefin Jadranka Kosor begrüßten die Festnahme Hadzics. De deutsche Außenminister Guido Westerwelle wertete sie als "Beitrag zur internationalen Gerechtigkeit". NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen zeigte sich ebenfalls erleichtert.

Serbiens langer Weg in die EU

Serbische Fahne und EU-Fahne (Bild: AP/Montage DW)
Serbien strebt den EU-Beitritt anBild: AP/Montage DW

Nach der Verhaftung von Mladic und Hadzic steigen die Chancen Serbiens für einen EU-Beitritt. Belgrad hat bereits im Dezember 2009 einen Aufnahmeantrag gestellt. Ein wichtiges Hindernis auf dem Weg des Balkanstaates zum EU-Beitritt ist mit der Verhaftung der beiden Kriegsverbrecher nun ausgeräumt.

Serbien kann hoffen, noch in diesem Jahr zu einem EU-Beitrittskandidaten befördert zu werden. Der nächste Schritt wären die Beitrittsverhandlungen, an deren Ende dann der gewünschte EU-Beitritt stehen könnte. Dieses Verfahren kann allerdings jahrelang dauern. Es bleibt allerdings das Problem Kosovo: Im Unterschied zu den meisten EU-Ländern hat Serbien Kosovo als Staat nicht anerkannt.

Autorin: Olga Kapustina (dpa, afp, dapd, rtr)
Redaktion: Annamaria Sigrist/Reinhard Kleber