Skandal um den Literaturnobelpreis: Jean-Claude Arnault verurteilt

Der Fotograf Jean-Claude Arnault ist von einem Stockholmer Gericht wegen Vergewaltigung zu zwei Jahren Haft verurteilt worden. Die Vorwürfe gegen ihn waren der Auslöser für den Konflikt in der Schwedischen Akademie.

Eigentlich hätte es zu dieser Zeit schon begonnen: Das Wetten, das Spekulieren, die Geheimniskrämerei. Wer könnte den Literaturnobelpreis bekommen? Denn am ersten oder zweiten Donnerstag im Oktober wird der wichtigste Literaturpreis der Welt normalerweise verkündet.

Dieses Jahr aber wird es keine Preisträgerin und keinen Preisträger geben, denn der Preis wurde nach dem Skandal um die Missbrauch-und Korruptionsvorwürfe in der Schwedischen Akademie ausgesetzt, und einer der Protagonisten - der 72-jährige Jean- Claude Arnault - nun wegen Vergewaltigung zu zwei Jahren Haft verurteilt. Dies verkündete ein Stockholmer Gericht am Montag (01.10.2018). Der Angeklagte sei der Vergewaltigung in der Nacht vom 5. auf den 6. Oktober 2011 schuldig. Arnault war noch während der Verhandlung am 24. September 2018 in Untersuchungshaft genommen worden. Die Staatsanwaltschaft hatte argumentiert, es bestehe das Risiko, dass Arnault Schweden verlassen könnte.

2018 - kein Literaturnobelpreis

Als Ehemann eines langjährigen Akademiemitglieds war der Franzose Jean-Claude Arnault eng mit der Schwedischen Akademie verbunden, die den Nobelpreis für Literatur vergibt. Nach Recherchen der Zeitung "Dagens Nyheter" soll Arnault über Jahre hinweg weibliche Mitglieder der Akademie, Mitarbeiterinnen sowie Frauen und Töchter von Akademiemitgliedern sexuell belästigt oder missbraucht haben. Doch damit nicht genug: Das Paar soll sich selbst Fördergelder haben zukommen lassen und die Namen von Nobelpreisträgern ausgeplaudert haben. Eine Anklage wegen Korruption allerdings wurde bereits früher aus Mangel an Beweisen fallen gelassen.

Nach Bekanntwerden der Vorwürfe war in der Akademie ein erbitterter Streit über den Umgang mit Arnault entbrannt. Sechs der 18 Mitglieder kündigten ihre Mitarbeit auf, die Akademie wurde handlungsunfähig. Die Vergabe des Literaturnobelpreises für das Jahr 2018 war daraufhin ausgesetzt worden. 2019 soll der Preis dafür zweimal vergeben werden. 

Doch die Nobelpreisstiftung ist skeptisch, ob die Akademie 2019 dazu in der Lage sein wird. "Ich denke, es gibt eine Chance", sagt Stiftungsdirektor Lars Heikensten. "Aber es ist noch zu früh, um das beurteilen zu können."

kk/pl (dpa/AFP)