Solare Revolution in Marokko

Marokko setzt auf Wind- und Sonnenkraft, will damit Energie-Importe reduzieren und neue Arbeitsplätze schaffen. Mit den weltweit größten Solarkraftwerken baut das Land seine Vorreiterposition in Nordafrika aus.

Im Königreich Marokko gibt es viel Sonne und endlose Wüstenlandschaften. Diese beiden Faktoren sind ein großes Potenzial für die Nutzung von Sonnenenergie. Mit dem von König Mohamed VI. persönlich ins Leben gerufenen Solarplan verfolgt Marokko sehr ehrgeizige Pläne in Nordafrika. Bis 2020 sollen Solarkraftwerke mit einer Leistung von 2000 Megawatt (MW) errichtet werden und dann rund 14 Prozent des Strombedarfs decken. Auch an Stromexporte nach Europa wird gedacht. Zudem sind neue große Windparks geplant. Bis 2020 sollen 42 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien kommen und damit die Kosten für Energie-Importe in Marokko um jährlich 500 Millionen Dollar gesenkt werden.

Wissen & Umwelt | 11.09.2011
Sonnenenergie in Marokko Flash-Galerie

Techniker installieren eine Solarstromanlage in Marrakesch, Marokko

Solarenergie wird populär

In dem Wüstenstaat sind Solaranlagen zur Strom- und Warmwasserversorgung immer öfter zu sehen, sowohl in den Städten als auch auf dem Land. Seit über 20 Jahren wird die Sonnennutzung mit staatlichen Solarprogrammen gefördert. "Die anfängliche Skepsis gegenüber Solarenergie scheint überwunden", sagte Zahra Ettaik gegenüber der Deutschen Welle. Die Direktorin für Erneuerbare Energien im marokkanischen Energieministerium spürt einen Stimmungswandel: "Während des Programms 'Strom für ländliche Gebiete' lehnten die Leute noch vor drei Jahren Solarstromanlagen ab. Sie wollten keine Photovoltaikanlagen, sondern wollten vor allem ans Stromnetz angeschlossen werden. Diese Haltung hat sich geändert." Inzwischen bekommt das Energieministerium täglich mehrere Anrufe von Menschen aus den Dörfern. Sie wollen Photovoltaikanlagen installieren und hätten dazu gerne mehr Informationen.

Vorreiter mit solaren Großkraftwerken

Solarstromerzeugung mit Spiegeln in Béni Mathar, Marokko

Neben der lokalen Solarförderung setzt Marokko jetzt auch auf das große Sonnengeschäft. Neun Milliarden Euro will die Regierung in Rabat für ihren marokkanischen Solarplan mobilisieren. Um den wachsenden Energiehunger der 32 Millionen Bürger zu decken, sind die weltweit größten Solarkraftwerke an fünf Standorten geplant. Eine entsprechende Pilotanlage steht bereits in Béni Mathar, an der algerischen Grenze. Sie wurde im Mai 2010 feierlich von König Mohammed VI. eingeweiht und hat eine Leistung von 20 MW.

Zum Vergleich: Derzeit stehen die drei weltweit größten solarthermischen Kraftwerke in Südspanien und haben jeweils 50 MW. Mit dem Bau im marokkanischen Quarzatate südlich von Rabat, mit dem im Sommer nächsten Jahres begonnen werden soll, setzt die Regierung auf eine neue Dimension: 500 MW wird das Solarkraftwerk produzieren, gleich zehn Mal mehr Strom als die bisherigen Solargiganten. Dies entspricht der Leistung eines großen Kohlekraftwerks. 2015 soll es fertig sein. In den darauf folgenden Jahren will die marokkanische Regierung über einen Zeitraum von vier Jahren jedes Jahr ein weiteres Solarkraftwerk mit derselben Kapazität ans Netz bringen.

Nicht nur eitel Sonnenschein

Solaranlage auf dem Land in El-Gara, Marokko

Während vor allem große Firmen vom Aufbruch ins solare Zeitalter profitieren, herrscht bei vielen Handwerkern Ernüchterung. Karim Hamza installiert seit vier Jahren mit seiner kleinen Firma in Rabat Solaranlagen und zeigt sich unzufrieden: "Es dauert eine Ewigkeit bis wir ein Produkt verkaufen oder montieren können. Die Marokkaner sind noch nicht überzeugt von der Effizienz und der Bedeutung der Sonnenenergie." Karim wünscht sich von der Regierung mehr Unterstützung für jeden Einzelnen und wirft den Medien eine mangelnde Berichterstattung zu diesem Thema vor.

Christophe Couderc, Leiter der französischen Firma ITRI Environnement mit Sitz in Marrakesch, sieht ebenfalls die Politik in der Pflicht. Aber er beurteilt das Bewusstsein der Menschen in Marokko bezüglich der Sonnenenergie anders. Die Firma plant mit ihren zwölf Mitarbeitern vor allem Solarprojekte in Marokko: "Es gibt Interesse an Sonnenenergie, besonders für die Photovoltaik."

Infografik Desertec Sonnen- und Windenergieprojekt Flash-Galerie

Riesiges Potential: Nordafrikanische Wind- und Solarkraftwerke könnten in einigen Jahren Strom exportieren.

Wachstum und neue Jobs

Mit staatlichen Fördermaßnahmen versucht Marokkos Energieministerium auch in den privaten Markt mehr Schwung zu bringen. So sollen Banken dazu bewegt werden, günstige Kredite für den Kauf von Solaranlagen anzubieten. Die Zölle für die Einfuhr von Solarprodukten wurden bereits auf den niedrigsten Prozentsatz gesenkt. Triebfeder für das ehrgeizige Solarprojekt ist aber nicht nur die unabhängige und günstige Energieversorgung. Marokko will seine solare Vorreiterrolle in Nordafrika ausbauen und hofft so auf mehr Wachstum und auf neue Arbeitsplätze.

Autor: Rim Najmi / Gero Rueter
Redaktion: Gudrun Heise

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