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"Welterschöpfungstag soll wachrütteln"

Hannah Fuchs21. August 2013

Wir leben über unsere Verhältnisse, Jahr für Jahr. Für Claudia Sprinz von Greenpeace ist der Tag vor allem eine Botschaft. Er soll uns daran erinnern, dass Ressourcen auf der Erde endlich sind.

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Claudia Sprinz, Greenpeace Österreich (Foto: Greenpeace/Kurt Prinz)
Claudia SprinzBild: Greenpeace/Kurt Prinz

Frau Sprinz, welchen Sinn macht der sogenannte Weltschöpfungstag?

Der Welterschöpfungstag zeigt deutlich, dass die natürlichen Ressourcen, die unser Planet nachbilden kann, begrenzt sind. Wären wir beispielsweise in einem Raumschiff unterwegs, würden wir sicherlich nicht zuviel Sauerstoff verbrauchen, um sicherzugehen, dass wir bis zum Ende der Reise ausreichend Luft zum Atmen haben.

Genauso ist es bei unserem Planeten: Ich kann nur jene Ressourcen langfristig verwenden, die der Planet auch nachbilden kann. Doch der Zeitpunkt, bis zu dem wir innerhalb eines Jahres mit den natürlichen Ressourcen auskommen, rückt immer weiter nach vorne. Im letzten Jahr war es der 22. August, in diesem Jahr schon der 20. August. Der Welterschöpfungstag macht uns bewusst, mit welchem fragilen System wir es zu tun haben.

Lässt sich der Tag, an dem wir die Ressourcen für ein Jahr verbraucht haben, überhaupt präzise vorhersagen?

Es ist so, dass sich die Methoden, um Bioressourcen abzuschätzen, von Jahr zu Jahr verbessern. Und sieht man sich die Entwicklung seit den 1980er Jahren an, ist offensichtlich, dass unser Gesamtverbrauch stetig ansteigt.

Im Wesentlichen aber ist die Hauptbotschaft des Welterschöpfungstages, dass wir über unsere Verhältnisse leben, dass wir mehr Ressourcen verbrauchen als die Natur nachliefern kann.

Was hat sich seit dem ersten Welterschöpfungstag geändert?

Es hat sich leider genau in die Richtung entwickelt, dass wir immer mehr Ressourcen verbrauchen. Einerseits hängt das mit den steigenden Treibhausgasemissionen zusammen, andererseits mit der Abholzung der Wälder, die noch immer voranschreitet.

Gäbe es denn eine bessere Alternative, als jährlich an nur einem Tag an unsere schwindenden Ressourcen zu erinnern?

Ich denke, dass der Welterschöpfungstag eine einfache und sehr gute Methode ist, um uns darauf aufmerksam zu machen: Vorsicht, wenn wir so weitermachen, wird uns und unseren Kindern nichts mehr zu Verfügung stehen."

Und was können wir ändern?

Wir alle müssen uns an die eigene Nase fassen und uns fragen: Ist das, was ich tue, kaufe und konsumiere wirklich notwendig? Denn im Grunde hat alles, was ich mache, Folgen: Zum Beispiel, wenn ich zu Hause bin, eine Stunde Zeit habe und mir langweilig ist. Da gibt es viele Möglichkeiten, die Zeit totzuschlagen - zum Beispiel sinnlos im Web rumsurfen. Das benötigt Energie, nicht nur bei mir zu Hause sondern auch zur Abfrage in Rechenzentren. Und die wird leider oft nicht aus erneuerbaren Energieträgern gewonnen.

Welche sind die knappsten Ressourcen?

Bei den Wäldern sieht die Situation sehr problematisch aus. In Indonesien beispielsweise werden großflächig Urwälder gerodet, um Palmöl-Plantagen anzupflanzen. Palmöl wird unter anderem in der Lebensmittelindustrie als günstiges Fett genutzt - zum Beispiel für Tiefkühlpizzen oder als Bratfett. Auch da müsste sich der Verbraucher fragen: Brauche ich wirklich solche billig produzierten Fette, bei deren Anbau Wälder gerodet werden und der Lebensraum der letzten Orang-Utans abgeholzt wird? Oder Südamerika - dort werden riesige Urwaldflächen gerodet, um gentechnisch verändertes Soja für die Fleischproduktion in Europa anzupflanzen. Wir sollten in Zukunft regionale Fette einsetzen oder Futtermittel in Europa produzieren. Das würde helfen.

Wie könnte jeder einzelne dabei mithelfen, Ressourcen zu sparen?

Kolumbien - Klimafreundlichere Palmölproduktion

Wenn Sie zum Beispiel Ihren nächsten Urlaub planen, wäre es am umweltfreundlichsten, mit der Bahn zu reisen oder Ausflüge mit dem Fahrrad zu unternehmen. Im Alltag könnte man Fahrgemeinschaften bilden, um Autofahrten zu reduzieren. Außerdem sollten wir uns überlegen, ob wir wirklich jeden Tag Fleisch essen müssen oder ob vielleicht zwei bis dreimal in der Woche reichen.

Und wenn wir uns etwas Neues zulegen, sollten wir darüber nachdenken, ob wir es wirklich brauchen. Wir sind sehr anfällig für Werbung, tun aber etwas für die Umwelt, wenn wir mal etwas nicht kaufen.

Ist es möglich, dass der Welterschöpfungstag im nächsten Jahr hinter dem 20. August liegt?

Das wäre schön - ich würde es mir wünschen! Ich fürchte aber, dass das noch eine Weile dauern wird. Es müsste schon mutige Politiker geben und auch das Bewusstsein in der Bevölkerung soweit sein, dass jeder bereit ist, Verantwortung zu übernehmen. Ich glaube eher, dass der Welterschöpfungstag auch im nächsten Jahr wieder ein paar Tage früher sein wird.

Aber meine Hoffnung liegt in der Jugend und den zukünftigen Politikern, die vielleicht etwas mutiger sein werden und zukunftsorientierter Entscheidungen treffen.

Claudia Spitz, ist Konsumentensprecherin bei Greenpeace Österreich und für das Thema "Nachhaltiger Konsum" zuständig. Sie hat www.marktcheck.at aufgebaut, einen Online-Einkaufsratgeber mit Informationen rund um bewussten Einkauf, den Greenpeace in Österreich seit 2004 gemeinsam mit elf Partnerorganisationen betreibt.

Das Gespräch führte Hannah Fuchs