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Stolpersteine putzen gegen das Vergessen

9. November 2017

Vor fast 80 Jahren zerstörten Nationalsozialisten in der Reichspogromnacht Synagogen und jüdische Geschäfte. Heute steht der Tag im Zeichen des Gedenkens. In vielen deutschen Städten bedeutet das: schrubben.

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Deutschland Hamburg Stolpersteine
61.000 Stolpersteine gibt es über 21 Länder verteiltBild: picture-alliance/dpa/L. Schulze

Zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus putzen heute Menschen in ganz Deutschland Stolpersteine. Jedes Jahr werden Bürger und Bürgerinnen in ganz Europa dazu aufgerufen, einen der Gedenksteine zu reinigen und eine Kerze daneben zu platzieren.

"Es soll ein kontinuierliches Gedenken an die Person hinter dem Stolperstein sein", sagt Henry Lewkowitz, Vorsitzender des Erich-Zeigner-Hauses in Leipzig, das die Aktion in Leipzig koordiniert.

Deutschland Stolpersteine Putzen
In Leipzig gibt es fast 400 Stolpersteine (Archiv)Bild: DW/K. Brady

Das Reinigen habe auch ganz praktische Gründe: "Die Steine verwittern und müssen abgerieben werden, um sichtbar zu bleiben." Allein in Leipzig gibt es 389 der kleinen Messingplatten. Für alle wurden sogenannte Putzpaten gefunden, die im Lauf des Tages eine Mahnwache an den Stolpersteinen abhalten und diese auch schrubben.

Vandalismus und Diebstahl

Für Lewkowitz hat der Tag aber auch einen Wermutstropfen: "Für uns ist das auch ein Inventurtag. Die Putzpaten geben uns Rückmeldung, in welchem Zustand die Stolpersteine sind. Wir hatten leider in der Vergangenheit den Fall, dass Neonazis in Leipzig vier Stolpersteine geschändet haben."

Nicht nur in Leipzig werden Stolpersteine gesäubert. Auch in Neukölln kamen Menschen zusammen, um auf diese Weise den Opfern des Nationalsozialismus zu gedenken. In Neukölln wurden erst zu Beginn der Woche zwölf Stolpersteine entwendet. Der Staatsschutz ermittelt.

Und auch die Landesgruppe NRW von Bündnis90/Die Grünen beteiligt sich an der Gedenkaktion.

Der Erfinder der Steine selbst, der Künstler Gunter Demnig, twitterte ebenfalls, wie er einen Stolperstein sauber macht und den Opfern gedenkt.

Zuvor hatten Gruppen wie "Stolpersteine Hamburg" Empfehlungen herausgegeben, wie die Steine am besten geputzt werden können. Demnach sollten keine Drahtbürsten verwendet werden, um die Oberflächen nicht zu beschädigen. 

Gunter Demnig verlegt seit rund 25 Jahren Stolpersteine. Die viereckigen Gedenktafeln aus Messing sollen an Menschen erinnern, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, ermordet oder vertrieben wurden.