Sudans Militär geht gegen Baschir-Familie vor

Zwei Brüder des abgesetzten sudanesischen Präsidenten Omar al-Baschir sind wegen Korruptionsverdachts festgenommen worden. Der Ex-Diktator selbst soll sich inzwischen in einem Hochsicherheitsgefängnis befinden.

Knapp eine Woche nach dem Militärputsch sind Abdullah und Abbas al-Baschir verhaftet worden, wie ein Vertreter des regierenden Militärrats mitteilte. Die Festnahmen seien Teil einer größeren Verhaftungswelle gegen führende Mitglieder des früheren Regimes.

Bereits Anfang der Woche hatte es unbestätigte Berichte über Hunderte Festnahmen von Mitgliedern der ehemaligen Regierungspartei gegeben. Diese wurden allerdings bislang nicht offiziell bestätigt.

Bashir in Hochsicherheitsgefängnis verlegt

Der vom Militär gestürzte Omar al-Baschir ist laut Medienberichten am Mittwoch in ein Hochsicherheitsgefängnis verlegt worden, in dem zuvor von der Regierung häufig Dissidenten eingesperrt worden waren. Der 75-Jährige befinde sich nun unter strengen Sicherheitsvorkehrungen in Einzelhaft, melden mehrere Medien unter Berufung auf Familienangehörige.

Das Kober-Gefängnis in Khartum - hier soll Omar al-Baschir inzwischen inhaftiert sein

Die Militärführung machte indes weiterhin keine Angaben zum Verbleib des am vergangenen Donnerstag abgesetzten und festgenommenen Staatschefs. Bislang befand er sich laut Medienberichten unter Hausarrest im Präsidentenpalast in der Hauptstadt Khartum.

Der seit drei Jahrzehnten autoritär herrschende Baschir war am 11. April nach monatelangen Massenprotesten der Bevölkerung vom Militär gestürzt und festgenommen worden. Für eine Übergangszeit von zwei Jahren setzten die Generäle einen Militärrat als Regierung ein. Die Proteste in Khartum dauern aber an. Die Anführer der Protestbewegung fordern die rasche Einsetzung einer Zivilregierung. Die Demonstranten verlangen zudem, dass Baschir vor Gericht gestellt wird.

Demonstranten vor dem Militärhauptquartier in Khartum

Eventuell Asyl in Uganda

Was mit Al-Baschir geschehen soll, ist weiter unklar. Gegen den ehemaligen Machthaber liegen Haftbefehle des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag wegen Völkermords, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen in der Bürgerkriegsregion Darfur vor.

Die Militärjunta hatte in der vergangenen Woche jedoch erklärt, al-Baschir werde nicht nach Den Haag überstellt, sondern im Sudan vor ein Gericht kommen. Uganda erklärte sich bereit, ihm möglicherweise Asyl zu gewähren.

qu/nob (afp ,dpa, rtr, epd)


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