Tausendfacher Missbrauch auf Campingplatz

Auf einem Campingplatz in Nordrhein-Westfalen sollen mindestens 23 Kinder sexuell missbraucht worden sein. Die Polizei spricht von mehr als tausend Einzeltaten. Drei Tatverdächtige sitzen in Untersuchungshaft.

Tatort ist nach Ermittlerangaben ein Campingplatz in Lügde im nordrhein-westfälischen Kreis Lippe, nahe der Landesgrenze zu Niedersachsen. Dort sollen über Jahre hinweg Kinder sexuell missbraucht und kinderpornografisches Material hergestellt worden sein. Insgesamt wurden rund 13.000 Dateien mit kinderpornografischem Material sichergestellt. Zwei der Tatverdächtigen sollen mindestens 23 Kinder für den Dreh von Kinderpornos sexuell missbraucht haben - ein dritter soll als Auftraggeber fungiert haben. Bei den mutmaßlichen Tätern handelt es sich laut Staatsanwaltschaft um drei Deutsche im Alter von 33, 48 und 56 Jahren.

Die Taten sollen sich den Angaben zufolge zwischen 2008 und 2018 auf dem vorwiegend von Dauercampern genutzten Gelände ereignet haben. Beim mutmaßlichen Haupttäter handele es sich um einen 56-jährigen Dauercamper aus Lügde, teilten die Ermittler mit. Er sei Ende 2018 festgenommen worden. Allen drei Tatverdächtigen, die in Untersuchungshaft sitzen, wird unter anderen schwerer sexueller Missbrauch an Kindern, Herstellung von kinderpornografischem Material sowie Anstiftung zum Missbrauch vorgeworfen.

Die Zufahrt zum Tatort Campingplatz

Es geht um mehr als 1000 Einzeltaten, wie Polizei und Staatsanwaltschaft in Detmold auf einer Pressekonferenz mitteilten. Die Opfer seien zwischen vier und 13 Jahren und stammten aus Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Es sei davon auszugehen, dass es noch weitere Geschädigte gebe.

Vertrauen der Kinder ausgenutzt

Die bislang ermittelten Opfer stammen nach Erkenntnissen der Ermittler "größtenteils aus dem Umfeld des Campingplatzes". Die Kinder hätten in dem 56-Jährigen teilweise eine Bezugsperson gesehen, so der Detmolder Oberstaatsanwalt Ralf Vetter. Der Mann habe eine Atmosphäre geschaffen, in der sich die Kinder zunächst wohlfühlten, Ausflüge in Schwimmbäder und Freizeitparks sowie Geschenke gemacht. Er habe aber auch Druck auf die Kinder aufgebaut. "Alles mit dem Ziel, diese Straftaten zu begehen", sagte Kriminalhauptkommissar Achim Tietz.

14 Terabyte mit Kinderpornos

Die insgesamt rund 13.000 Kinderpornodateien seien dem Bundeskriminalamt übergeben worden. Das Datenvolumen betrage 14 Terabyte. Das ganze Ausmaß der Taten sei erst im Laufe der Ermittlungen nach und nach deutlich geworden. Die sichergestellten Kinderpornos seien allerdings nur zum Teil von den Tatverdächtigen erstellt worden. Bei einem Datenabgleich durch das Bundeskriminalamt sei auch bereits bekanntes Material gefunden worden. Der Hauptverdächtige und der 33-Jährige sollen sich laut Polizei im Internet in einschlägigen Chats im sogenannten Darknet, einem verborgenen Teil des Internets, kennengelernt und zu den Taten verabredet haben.

Haben die Jugendämter versagt?

Die Staatsanwaltschaft ermittelt auch gegen die Jugendämter des Kreises Lippe und des Landkreises Hameln-Pyrmont in Niedersachsen. "Wir überprüfen, ob die Behörden Fehler gemacht haben", sagte der Detmolder Oberstaatsanwalt Ralf Vetter. Nach seinen Angaben gab es bereits 2016 Hinweise auf eine Kindeswohlgefährdung auf dem Campingpatz. Der 56-jährige Tatverdächtige hatte sogar die Vormundschaft für ein Mädchen, das zu den Missbrauchsopfern gehört.

qu/kle (dpa, ap, ape, wdr)

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