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Ja, aber ...

Stefan Nestler28. März 2008

Das gewaltsame Vorgehen Chinas im besetzten Tibet beschäftigt die Weltöffentlichkeit und belastet die Olympischen Spiele in Peking. Olympiaboykott ja, oder nein? Auch im Himmel werden die Diskussionen verfolgt.

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Olympia-Ringe
Olympiaboykott als Strafe für China?Bild: AP

Eines fernen Tages klopft Thomas B. an die Himmelspforte.

Petrus öffnet: "Was kann ich für dich tun?"

Thomas B.: "Ich will in den Himmel. Ich war Weltklassefechter, Anwalt, FDP-Mitglied. Und ich habe mich im Internationalen Olympischen Komitee für Frieden und Verständigung eingesetzt."

Petrus: "Frieden, schön und gut. Aber 2008 in Peking – da warst du strikt gegen einen Olympiaboykott – trotz Tibet."

Thomas B.: "Ja, nein, ja. Aber ich habe doch nur gesagt, dass das IOC keine Weltregierung ist und nicht alle Probleme lösen kann."

Petrus: "Aber hast du nicht gewusst, was die Chinesen in Tibet anrichteten?"

Thomas B.: "Ja schon, aber, mal ehrlich, das hatte doch in den Jahrzehnten vorher auch keinen interessiert."

Petrus: "Aber vielleicht wachte die Welt 2008 endlich auf."

Thomas B.: "Ja, aber ich war doch nur Sportfunktionär."

Petrus: "Und dein IOC hatte dafür gesorgt, dass die Spiele nach Peking kamen."

Thomas B.: "Ja, aber doch nur weil wir uns eine Verbesserung der Menschenrechtslage in China erhofften."

Petrus: "Thomas, Thomas, mir kannst du nichts vormachen!"

Thomas B.: "Ja, gut, da waren noch ein paar Geschenke. Aber wirklich nur ganz wenige!"

Petrus: "Hättest Du nicht wenigstens den Sportlern erlauben können, bei den Spielen öffentlich gegen die Politik Chinas zu protestieren?"

Thomas B.: "Ja, aber das Verbot doch die olympische Charta!"

Petrus: "Dann hättest du aber nicht verkünden sollen, die Olympioniken seien mündige Sportler. Und hängst ihnen gleichzeitig einen Maulkorb um."

Thomas B.: "Ja, aber das war doch nicht nur ich, auch der Chef hat doch gesagt ..."

Petrus: "Thomas, wer ist dein Chef?"

Thomas B.: "Ja, ich weiß, aber ich meine nicht den im Himmel, sondern den Jacques."

Petrus: "Um den geht es hier aber nicht. Hast du bei den Spielen in Peking dem chinesischen Präsidenten einen Bruderkuss gegeben oder nicht?"

Thomas B.: "Ja schon, aber doch nur in Notwehr."

Petrus schweigt.

Thomas B.: "Darf ich jetzt in den Himmel?"

Petrus schüttelt den Kopf: "Du gehst jetzt erst einmal ins olympische Fegefeuer. Da kannst du mit Jacques und den anderen über Tibet nachdenken!"

Thomas B.: "Ja, aber ..."