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Togos Staatschef hält sich an der Macht

7. März 2010

Amtsinhaber Gnassingbé hat die Präsidentschaftswahl gewonnen. Das sagt die Wahlkommission. Sein schärfster Rivale Fabre will das Ergebnis aber anfechten. In der Hauptstadt Lomé kam es bereits zu Protesten.

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Togos Präsident Faure Gnassingbe (Foto: dpa)
Er hat es - auf welche Weise auch immer - wieder geschafft: Faure GnassingbéBild: dpa

Togos Präsident Faure Gnassingbé hat nach Angaben der Wahlkommission die Abstimmung mit knapp 61 Prozent gewonnen. Sein stärkster Herausforderer, Jean-Pierre Fabre von der Oppositionspartei UFC, kam demnach auf knapp 34 Prozent. Auf Platz drei folgte weit abgeschlagen der frühere Regierungschef Yawovi Agboyibo mit knapp drei Prozent, wie die Kommission in der Nacht zum Sonntag (07.03.2010) in der Hauptstadt Lomé mitteilte.

Insgesamt hatten sich sieben Kandidaten für die Präsidentschaft in dem westafrikanischen Staat beworben. Die Beteiligung an der Abstimmung vom Donnerstag lag bei 64,7 Prozent. Rund 3,2 Millionen Menschen waren zur Wahl aufgerufen.

Familie Gnassingbé seit Jahrzehnten an der Macht

Togos wichtigster oppositioneller Präsidentschaftskandidat Jean-Pierre Fabre (Foto:AP)
Togos stärkster Oppositionskandidat: Jean-Pierre FabreBild: AP

Vor Bekanntgabe des Wahlergebnisses waren in Lomé Sondereinheiten der Polizei aufgezogen. Mit Tränengas trieben sie eine Demonstration der Opposition auseinander, an der sich auch Fabre beteiligt hatte. Seine Partei will das Wahlergebnis anfechten. Sondereinsatzkräfte in Kampfuniformen errichteten Barrikaden an strategisch wichtigen Punkten. Die Lage in der Hauptstadt blieb in der Nacht zum Sonntag aber ruhig.

Faure Gnassingbé war 2005 nach dem Tod seines Vaters Gnassingbé Eyadéma an die Macht gekommen, der Togo fast vier Jahrzehnte lang mit harter Hand geführt hatte. Nach seiner Wahl vor fünf Jahren waren Betrugsvorwürfe laut geworden. Bei gewaltsamen Protesten gegen das Ergebnis starben nach Angaben der Vereinten Nationen zwischen 400 und 500 Menschen.

EU-Beobachter: Wahl nicht transparent

Wahlbeobachter der Europäischen Union kritisierten den Ablauf der Wahl als nicht transparent. In einer Erklärung hieß es, da es keine Möglichkeit zur Überprüfung der Stimmzettel gegeben habe, sei Misstrauen angebracht.

Das westafrikanische Togo liegt wirtschaftlich am Boden. Ein Drittel der rund 6,4 Millionen Einwohner des tropischen Agrarlandes muss mit weniger als 70 Euro-Cent am Tag auskommen. Die nur knapp 57.000 Quadratkilometer große Republik verfügt über die viertgrößten Phosphatvorkommen der Welt. Als Folge von Missmanagement sank die Jahresproduktion aber von 3,4 Millionen Tonnen 1997 auf 840.000 Tonnen im Jahr 2008. Die Baumwollproduktion fiel in diesem Zeitraum von 187.000 auf 42.000 Tonnen. Auch die Ergebnisse bei den wichtigen Exportgütern Kaffee und Kakao gingen stark zurück. Bis Ende des Ersten Weltkrieges war Togoland deutsche Kolonie, bis zur Unabhängigkeit 1960 stand es unter französischer Verwaltung.

Autor: Stephan Stickelmann (dpa, apn, rtr, afp)
Redaktion: Christian Walz