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Tote bei Angriffen auf Kliniken in Syrien

15. Februar 2016

Zwei Krankenhäuser im Norden des Bürgerkriegslandes waren das Ziel von neuen Luftangriffen. Dabei starben mehr als 20 Menschen. Für die Attacken werden russische Kampfjets verantwortlich gemacht.

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Luftangriff auf ein Krankenhaus der Organisation "Ärzte ohne Grenzen" in der syrischen Provinz Idlib (Foto: Reuters/Social Media Website)
Rauchwolken steigen über dem bombardierten Krankenhaus in der Ortschaft Hadijeh nahe der Stadt Maaret al-Numan aufBild: Reuters/Social Media Website

Bei einem Luftangriff in der Provinz Idlib im Nordwesten Syriens ist ein von Ärzte ohne Grenzen (MSF) unterstütztes Krankenhaus nach Angaben der Hilfsorganisation zerstört worden. Die Einrichtung in dem Ort Hadijeh nahe Maaret al-Numan sei am Morgen bei Bombardements getroffen worden, teilte MSF mit.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete von mindestens neun Toten. Sie geht davon aus, dass die Luftschläge von russischen Kampfjets ausgeführt wurden. Die Zahl der Toten könne steigen, da noch mindestens acht weitere Opfer unter den Trümmern vermutet würden. Von russischer Seite gab es zu dem Vorfall zunächst keine Angaben.

Attacke auf eine von "Ärzte ohne Grenzen" unterstützte Klinik

MSF-Syrien-Chef Massimiliano Rebaudengo verurteilte die Attacke als "gezielten Angriff" auf eine medizinische Einrichtung. Durch die Zerstörung des Krankenhauses seien etwa 40.000 Bewohner der Region von medizinischer Versorgung abgeschnitten, sagte er der Nachrichtenagentur AFP. Insgesamt unterstützt MSF in Syrien mehr als 150 Krankenhäuser. Seit Jahresbeginn wurden fünf davon bei Angriffen beschädigt.

Weitere 14 Zivilisten wurden nach Angaben von Sanitätern und Einwohnern durch den Einschlag mehrerer Raketen in der nordsyrischen Stadt Asas getötet. Unter anderem sei ein Kinderkrankenhaus getroffen worden. In türkischen Regierungskreisen hieß es, es habe sich um russische Raketen gehandelt. Ein Anwohner berichtete, eine Flüchtlingsunterkunft südlich der Stadt sei auch von Bomben getroffen worden, die offenbar von russischen Flugzeugen abgeworfen worden seien. Asas liegt in einem von syrischen Rebellen wie der islamistischen Nusra-Front kontrollierten Korridor, der von der türkischen Grenze bis nach Aleppo führt. Der Korridor grenzt auch an das Kurdengebiet im Norden Syriens.

Karte Syrien Maarat al-Numan Deutsch (DW)

Türkei droht kurdischen Milizen mit "härtesten Reaktionen"

Die Türkei warnte die kurdischen Milizen in Syrien unterdessen vor einem weiteren Vormarsch. Sein Land werde es nicht zulassen, dass die nordsyrische Stadt Asas in die Hände der YPG-Miliz falle, erklärte Ministerpräsident Ahmet Davutoglu. Die kurdischen Kämpfer müssten mit "härtesten Reaktionen" rechnen, wenn sie erneut versuchen sollten, Asas einzunehmen. Nur durch den Einsatz der türkischen Artillerie habe dies am Wochenende verhindert werden können. Die Türkei werde auch den syrischen Militärflugplatz Menagh unbenutzbar machen, sollte sich die YPG nicht aus dem Gebiet zurückziehen. Am Wochenende hatte die türkische Armee den Stellungen der YPG in Syrien beschossen.

Dennoch rücken die kurdischen Kämpfer nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle weiter auf die umkämpfte Stadt Aleppo vor. Kurden und von der Türkei aus der Luft unterstützte Islamisten kämpften derzeit um die Ortschaft Tall Rifaat nahe Aleppo. Seit Sonntag seien mindestens 26 Islamisten getötet worden. Tall Rifaat ist eine von drei Hochburgen islamistischer Rebellen in der Nähe von Aleppo. Im Jahr 2012 wurde der Ort der Kontrolle syrischer Regierungstruppen entrissen. Der Beobachtungsstelle zufolge bombardierten türkische Kampfjets weiter eine Straße westlich von Tall Rifaat, um die Kurden am Vorrücken zu hindern. Zudem überquerten demnach etwa 350 islamistische Kämpfer zur Verstärkung die türkisch-syrische Grenze.

Russland verurteilte die türkischen Angriffe auf syrische Regierungstruppen und kurdische Rebellen in Syrien als "Provokation". "Moskau äußert seine ernste Besorgnis über das aggressive Vorgehen der türkischen Regierung", erklärte das Außenministerium in Moskau. Ankara verfolge in Syrien eine "provokative Linie", die "eine Bedrohung für den Frieden und die Sicherheit im Mittleren Osten und darüber hinaus schafft".

sti/uh (afp, dpa, rtr, epd)