Tutanchamun-Schau in Paris eröffnet

Pharaone, Mumien, Pyramiden - seit jeher sind Menschen von der Geschichte des Alten Ägypten fasziniert. In der Grande Halle de la Villette in Paris sind ab sofort beeindruckende Originale aus Tutanchamuns Grab zu sehen.

Für die alten Ägypter führte die Reise ins Jenseits durch eine Unterwelt mit vielen Türen und Toren, die von Schlangen, Krokodilen und anderen Kreaturen bewacht wurden. In der Pariser Schau "Tutanchamun. Der Schatz des Pharaos" begleitet der Besucher Tutanchamun durch zwölf nachgebildete Türen ins Jenseits. Hinter jeder von ihr tut sich ein Ausstellungsraum auf, in dem die kostbaren Beigaben wie Schmuck, mit Blattgold verzierte Statuen und Gefäße aus Keramik im Halbdunkel glänzen.

Kultur | 01.02.2019

Seidenfaden und Blattgold

Insgesamt präsentiert die an diesem Samstag eröffnete Ausstellung in der Grande Halle de la Villette 150 Originalstücke, von denen 60 zum ersten Mal außerhalb von Ägypten zu sehen sind. Darunter eine der beiden lebensgroßen Skulpturen, die mehr als 3000 Jahre über das prunkvoll ausgestattete Grab des Pharaos wachten. Oder: mit Seidenfaden bestickte Leinenhandschuhe und ein mit Blattgold verziertes Holzbett.

Auf diese Weise wolle man die Entdeckung des Tutanchamun-Grabes vor 100 Jahren feiern, so der Kurator und Ägyptologe Tarik al-Awadi. Bis der runde Geburtstag da ist, dauert es allerdings noch ein wenig. Der britische Archäologe Howard Carter hatte die Ruhestätte des Kind-Pharaos 1922 gefunden und ist dabei auf über 5000 Objekte gestoßen.

Für die Zukunft konserviert: Tutanchamuns Grab

Ungeschützt ausgestellt

Ganz ohne Sarkophag, nur in Leinen gehüllt, war der mumifizierte Leichnam Tutanchamuns zeitweise zu sehen. Hier liegt er in einem unterirdischen, klimatisierten Raum. Feuchtigkeitsschwankungen und Staub, die durch die Besucher hereingetragen werden, sollen in Zukunft besser von der Mumie ferngehalten werden.

Für die Zukunft konserviert: Tutanchamuns Grab

Gebettet für die Ewigkeit

Hier hat der Kindkönig wieder seinen alten Platz bezogen. Die echte Totenmaske ist im Ägyptischen Museum in Kairo ausgestellt. Im Tal der Könige sind nur der Sakrophag und die Mumie des Pharaos zurückgeblieben. Bis heute liegt Tutanchamun an dem Ort, wo er einst von seinen Untertanen gebettet wurde und wo Carter ihn entdeckte.

Für die Zukunft konserviert: Tutanchamuns Grab

Weibliche Gesellschaft

Auch die Wandmalereien wurden akribisch gereinigt. Dunkle Flecken, die den Konservatoren zunächst Kopfzerbrechen bereitet hatten, erwiesen sich als uralte unschädliche mikrobiologische Wucherungen. Diese Damen leisten dem Kindkönig in seiner Grabkammer seit Jahrtausenden Gesellschaft.

Für die Zukunft konserviert: Tutanchamuns Grab

Den Tiergott an der Seite

Auch diese Zeichnung erstrahlt nach der Restaurierung in neuem Glanz. Der Pavian, oder auch Hundskopfaffe genannt, war im alten Ägypten ein heiliges Tier. Er galt als sehr intelligent und sollte Schülern als eifriges Vorbild dienen. Ob der junge Pharao auch im Jenseits weiter lernen sollte?

Für die Zukunft konserviert: Tutanchamuns Grab

Tief unter der Erde

Die alten Ägypter legten die Grabkammern ihrer Pharaonen tief versteckt unter der Erde an, um sie vor Grabräubern zu schützen. Im Falle von Tutanchamun hatten sie damit lange Erfolg. Über 3000 Jahre ruhte er in Frieden.

Für die Zukunft konserviert: Tutanchamuns Grab

Der Entdecker

Es war der Ägyptologe Howard Carter, der die Grabkammer Tutanchamuns am 4. November 1922 im Tal der Könige entdeckte. Doch bevor er sie öffnete, telegrafierte er an seinen Geldgeber Lord Carnarvon: "Habe endlich wunderbare Entdeckung im Tal gemacht. Prächtiges Grab mit intakten Siegeln. Bis zu Ihrer Ankunft wieder zugeschüttet. Gratulation."

Für die Zukunft konserviert: Tutanchamuns Grab

Zahlreiche Schätze

Obwohl Tutanchamun ein unbedeutender Pharao war, ist er heute weltberühmt: Denn Carter fand in seiner Kammer 5000 intakte Objekte, die den Kindkönig im Jenseits begleiten sollten. Seine Totenmaske kennt heute jedes Schulkind.

Für die Zukunft konserviert: Tutanchamuns Grab

Blick auf den Pharao

Im Rahmen der Restaurierungsarbeiten wurde in der Grabkammer eine neue Plattform installiert, von der die Besucher einen hervorragenden Blick auf den Sarkophag und die Wandmalerereien haben. Ob das in Zukunft noch möglich sein wird?

Für die Zukunft konserviert: Tutanchamuns Grab

Zu viele Touristen

Zahi Hawass, früherer Generalsekretär der ägyptischen Altertümerverwaltung und Initiator der Restaurierungsarbeiten, spricht sich dafür aus, das Grab zu schließen und für die Besucher stattdessen eine identische Kopie anzufertigen. "Denn wenn wir hier weiter Massentourismus zulassen", ist er überzeugt, "wird das Grab keine 500 Jahre mehr überstehen."

 Acht weitere Stationen

Die Organisatoren der Schau rechnen mit einem Massenandrang: 130.000 Tickets wurden bereits im Vorfeld der Eröffnung verkauft. Wenn die Ausstellung Mitte September zu Ende sein wird, werden wahrscheinlich weit mehr als eine Million Besucher da gewesen sein. Die vorherige Pariser Tutanchamun-Ausstellung - sie fand 1967 statt - wurde damals sogar um 70 Tage verlängert, so groß war der Andrang. 

Kultur | 24.03.2018

Die Wanderausstellung, die mit Paris zum ersten Mal Halt in Europa macht, war vergangenes Jahr in Los Angeles gestartet. London und Sydney sowie sechs weitere, noch unbekannte Orte werden ebenfalls bespielt. Wie es aussieht, wird es in Deutschland keine Schau geben, da klassische Museen für eine Ausstellung in diesem Umfang wegen ihrer Raumaufteilung nicht einfach zu bespielen seien, so die Organisatoren der Tournee. 

Im Anschluss an ihre lange Reise sollen die Artefakte im Grand Egyptian Museum (GEM) nahe Giseh ihren Platz finden. Mit einer Fläche von 60.000 Quadratmetern wird es nach seiner Fertigstellung das größte Museum sein, das dem antiken Ägypten gewidmet ist. 

bb/fab (dpa, AFP)

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