1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen

Türkei: Die Lira rutscht wieder ab

17. August 2018

Die türkische Währung hatte sich in den vergangenen Tagen etwas von ihrem rasanten Absturz erholt. Doch neue Drohungen aus den USA sorgen für Verunsicherung, der Kurs der Lira gab umgehend nach.

https://p.dw.com/p/33JTC
Türkische Lira fällt auf Rekordtief
Bild: picture-alliance/A.Gocher

US-Finanzminister Steven Mnuchin hatte am Donnerstag bei einem Kabinettstreffen im Weißen Haus gesagt, man habe weitere Sanktionen gegen die Türkei vorbereitet für den Fall, dass der amerikanische Pastor Andrew Brunson, der wegen Terrorverdachts in der Türkei festgehalten wird, nicht schnell auf freien Fuß gesetzt werde.

Die USA hatten vergangene Woche aus Frustration über mangelnde Fortschritte in der Brunson-Affäre Zölle für einige türkische Produkte stark angehoben. Die Türkei schlug am Mittwoch mit 22 Sanktionen gegen US-Produkte zurück.

Telefonkonferenz brachte nur "heiße Luft"

Dollar und Euro verteuerten sich am Freitag um jeweils gut fünf Prozent auf 6,1187 und 6,9703 Lira. "Wir sind kurz vor dem Wochenende, da überlegt sich jeder zwei Mal, ob er noch Lira halten will", sagte Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann.

Die Telefonkonferenz des türkischen Finanzministers Berat Albayrak am Donnerstag habe nur heiße Luft produziert. "Es war gut, dass er der Inflationsbekämpfung 'Top-Priorität' einräumte. Doch sagte er halt auch, dass Geldpolitik zur Inflationsbekämpfung nicht ausreicht." Das sei zwar prinzipiell richtig, doch "ohne Geldpolitik ist alles andere, was gegen Inflation unternommen wird, nichts".

Der Präsident ist wenig hilfreich

Auch der Dax ist zum Wochenschluss nur schwer in die Gänge gekommen. Der deutsche Leitindex notierte kaum verändert bei 12.227 Punkten, der EuroStoxx50 kam ebenfalls nicht vom Fleck. Vor allem der drastische Verfall der türkischen Lira hat viele Anleger tief verunsichert. "Die Türkei hat Maßnahmen verabschiedet, um das Feuer an einigen Stellen auszutreten", sagte Stanzl. "Lösungen sind das alles noch nicht".

Die Lira hat seit Jahresbeginn im Vergleich zum Dollar fast 40 Prozent an Wert verloren. Zu Wochenbeginn notierte sie zeitweise auf einem Rekordtief von 7,24 Lira, bevor sie sich wieder etwas erholen konnte.

Auslöser der Krise sind Sorgen von Investoren über den wachsenden Einfluss von Präsident Recep Tayyip Erdogan auf die Wirtschaft und seine Forderung nach niedrigeren Leitzinsen trotz einer Inflation von zuletzt mehr als 15 Prozent.

Der politische Streit zwischen den USA und der Türkei gilt als kurzfristiger Auslöser der aktuellen Lira-Krise. Die langfristigen Gründe liegen allerdings tiefer. Sie reichen von der hohen Auslandsverschuldung türkischer Unternehmen über zweistellige Inflationsraten bis hin zu dem auf Staatskrediten fußenden Wirtschaftsaufschwung.

Als besonders schwerwiegend gilt zudem der Angriff von Präsident Erdogan auf die Unabhängigkeit der nationalen Notenbank. Erdogan hatte angekündigt, mehr Einfluss auf die Geldpolitik nehmen zu wollen, und sich zudem die Befugnis erteilt, den Gouverneur der Zentralbank künftig allein zu bestimmen.

Auch die Berufung seines Schwiegersohns Berat Albayrak zum Finanz- und Wirtschaftsminister nach den Wahlen vom 24. Juni beunruhigt die Märkte.

dk/bea (dpa, rtr)