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Politik

UN-Tribunal: Lebenslang für Ratko Mladic

22. November 2017

Das UN-Kriegsverbrechertribunal für das frühere Jugoslawien macht den serbischen Ex-General Mladic für Kriegsgräuel auf dem Balkan verantwortlich. Dafür soll er lebenslang ins Gefängnis. Mladic will in Berufung gehen.

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Niederlande Urteil Ratko Mladic
Bild: picture-alliance/AP Photo/P. Dejong

Das Urteil des UN-Kriegsverbrechertribunals für das frühere Jugoslawien über den serbischen Ex-General Ratko Mladic (Artikelbild) war erwartet worden. Die Richter machten 22 Jahre nach dem Balkankrieg den Angeklagten mit dem Beinamen der "Schlächter vom Balkan" unter anderem verantwortlich für das Massaker von Srebrenica. Serbische Einheiten, die unter seinem Oberkommando standen, überrannten 1995 die damalige UN-Schutzzone Srebrenica und ermordeten rund 8000 muslimische Männer und Jungen.

Zu Last gelegt wurde dem 74-Jährigen auch die 44-monatige Belagerung von Sarajevo ab Mai 1992, bei der nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen etwa 10.000 Menschen getötet wurden. Im Balkankrieg von 1992 bis 1995 waren etwa 100.000 Menschen getötet und zwei Millionen vertrieben worden. Einige Dutzend Angehörige der Opfer waren bei der Urteilsverkündigung in Den Haag zugegen und brachen in spontanem Jubel aus.

Vorsitzender Richter Alphons Orie verkündet das Urteil gegen Ratko Mladic

Während der Urteilsverkündung war der Angeklagte aus dem Gerichtssaal entfernt worden. Der Vorsitzende Richter ließ ihn aus dem Gerichtssaal bringen, nachdem Mladic lautstark protestiert hatte. Die Verteidigung hatte zuvor erfolglos gefordert, die Urteilsverkündung abzukürzen, weil der Blutdruck des Angeklagten gefährlich hoch sei. Das Gericht setzte die Verlesung des Urteils ohne Mladic fort.   

Nach der Urteilsverkündung teilten Mladics Verteidiger und der Sohn mit, Mladic wolle das Urteil anfechten. Das Gericht habe die Tatsachen falsch bewertet, erklärte der Sohn Darko Mladic:  "Dieses Urteil ist ungerecht und widerspricht den Tatsachen. Gerechtigkeit wurde durch Propaganda ersetzt." 

Ratko Mladic wird während der Urteilsverkündung des Saals verwiesen

Weitere Anklagen und Urteile     

Im Vorfeld des letzten Prozesstages hatte der Angeklagte selbst erklärt, unschuldig zu sein. Seine Anwälte hatten Freispruch gefordert. 2016 war Mladics enger Vertrauter, der bosnische Serbenführer Radovan Karadzic, nach einer fast identischen Anklage zu 40 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Karadzic und die Anklage legten Berufung ein. Der 2012 gestartete Prozess ist der letzte des Tribunals, das zum Jahresende seine Arbeit nach 24 Jahren abschließen wird. Noch laufende Berufungsverfahren werden von einer neuen Instanz in Den Haag übernommen. Andere ehemalige hohe bosnisch-serbische Offiziere wurden wegen Beihilfe zum Genozid zu Haftstrafen von bis zu 35 Jahren verurteilt. Der frühere Präsident Jugoslawiens, Slobodan Milosevic, starb vor Abschluss des Prozesses 2006 in seiner Zelle in Den Haag.

Mladic war erst 2011 nach 16 Jahren auf der Flucht festgenommen worden. In seinem Heimatland gilt er für viele als Kriegsheld.

bri/kle (dpa,kna,afp)